Scorpions – Forever And A Day (DVD)

Noch in Anzügen und mit braven Frisuren, erklärte man Rudolf Schenker und Klaus Meine in den 6ern und 70ern für verrückt wenn sie über ihre Rockstarpläne sprachen. Doch die Jungs beherzigten das, was Justus Jonas im Fall „Flüsternde Mumie“ sagte: Erfolg kann man nicht garantieren. Doch oftmals wird ernsthaftes Bemühen von Erfolg gekrönt!“ Und der Erfolg stellte sich schneller und heftiger ein, als irgendjemand es vermutet hatte.

Der Film zeichnet die 50jährige Geschichte der Band von der Leine nach: Tatsächlich ein „Leben auf der Überholspur“! Und trotzdem sind Meine, Schenker, Jabs & Co irgendwie immer die netten Jungs aus Hannover geblieben.

Filmemacherin Katja von Garnier (u.a. „Bandits“) hat für diese filmische Dokumentation verschiedenstes Filmmaterial zusammengetragen und zahlreiche Wegbegleiter der Band interviewt: Gorbi, Paul Stanley, Manager Peter Amend, Hermann Rarebell und viele andere. Neben Aufnahmen der „Scorp-Cam“ gibt es Archivmaterial aus grauer Vorzeit sowie aktuelle Szenen von der „Farewell“ Tour. Einmal mehr wird deutlich, dass es sich bei den SCORPIONS keineswegs nur um eine Kuschelband handelt die verträumt pfeifend durch die Lande tingelt. Nein, gerade die Aufnahmen aus den 80er zeigen, dass die Band damals richtig hart rockte und auf der Bühne abging wie ein Zäpfchen. Und das hat sich bis heute nicht wirklich geändert, auch wenn die Teilnehmer vielleicht etwas gesetzter geworden sind.

Doch diese Rockumentation zeigt nicht nur die Sonnenseiten des Rockstarlebens, sondern weist auch auf die Schattenseiten hin. Während die Band auf der ganzen Welt zuhause ist, ist sie eben leider nur selten zuhause. Umso erstaunlicher, dass beispielsweise die Ehe von Frontmann Klaus über eine so lange Zeit bestand hat. Doch das Rockstarleben fordert eben auch seinen Tribut: gesundheitliche Probleme, Trauerfälle in der Familie bei denen man nicht anwesend sein kann usw. Und nicht zuletzt bleibt die traurige Einsicht bei Sänger Klaus, dass die Band in ihrer eigenen Heimat wohl nie so bedingungslos geliebt wurde wie im Rest der Welt.

Egal was die Leute sagen, wenn man die Geschichte der SCORPIONS ansieht, so verbreitet sich unweigerlich eine regelrecht mystische Aura und die Gewissheit, dass man es hier mit der größten Rockband Deutschlands, Europas, ja vielleicht der ganzen Welt zu tun hat. Die SCOPRIONS verbreiten nach wie vor Gänsehaut und der Film zeigt, dass es sich um eine Band mit Visionen handelt(e).

Zwar bietet diese Rockumentation letztlich auch nichts anderes als andere Musikdokumentationen auch und im Kino würde ich mir so einen Film wohl nicht ansehen. Dennoch: Für das Heimkino des SCORPIONS Jüngers sind diese etwa 100 Minuten Rockgeschichte eine gefundenes Fressen und man sollte die Anlage möglichst auf „Laut“ stellen.

Nach 50 Jahren geht ein „Leben auf der Überholspur“ für die SCORPIONS zu Ende, doch an ein wirkliches Ende will so recht noch niemand glauben. Mal sehen, denn nicht umsonst singt die Band am Ende des Films: „The Best Is Yet To Come!“ Ich bleibe gespannt…