Bonfire – Temple of Lies

CD Reviews, Bonfire – Temple of Lies

“Es ist wie es ist und es kommt wie es kommt.” Das Motto des neuen Frontmann Alexx Stahl passt auch zur Geschichte der Hard Rock Urgesteine BONFIRE. Hans Ziller und seine Truppe müssen schon lange niemandem mehr etwas beweisen und doch wirkt „Temple of Lies“ über weite Strecken wie eine Befreiung.

Nach der Trennung von einem Großteil der Band, kam 2015 mit „Glörious“ ein hörenswertes Album auf den Markt und Sänger David Reece präsentierte sich als der Mann der Stunde. Aus damaliger Sicht eine gute und passende Wahl. Doch schon „Byte The Bullet“ überzeugte mich so wenig, dass es gar nicht in unserer Datenbank auftaucht. Dies ist mit „Temple of Lies“ anders. 2016 hat sich Ziller mit dem Mitvierziger Alexx Stahl vielleicht nicht unbedingt junges, aber aus Bandsicht zumindest frisches Blut in die Mannschaft geholt. Der Wormser, der u.a. bei Spellbound, Roxxcalibur, und Masters Of Disguise ins Mikro geschriehen hat, bringt dann auch tatsächlich eine neue Frische in die Musik. Stimmlich klingt er cleaner und weniger verraucht als sein Vorgänger, was den ein oder anderen Song stärker in die Metal als in die Hard Rock Ecke rückt – man höre sich nur einmal die Ballade „Comin‘ Home“ an, die alles andere als weichgespült klingt. Mit „Temple of Lies“ feuert die Band gleich zu Beginn eine richtige Melodic Power Metal Granate auf die Fangemeinschaft ab. Keine Spur von Haarspray, Schminke oder – noch schlimmer – 4311 Echt Kölnisch Wasser. Stattdessen klingen BONFIRE frisch, hart und eingängig. Mit dem Song überholen sie Jungspunde wie KISSIN DYNAMITE glatt auf der rechten Spur. „On the Wings of an Angel“ ist ein ganz klassischer BONFIRE Midtempo Rocker, bei dem die Spitzen von Stahls Gesang jedoch für den nötigen Kick sorgen. Genial. Das stampfende „Feed The Fire“ ist zwar kein schlechter Song, für mich aber fast schon einer der schwächsten Titel des Albums – hier zeigt sich, gegen welche Konkurrenz sich die Songs auf dem sechszehnten Studioalbum der Band durchsetzen müssen. Wie zum Beweis gibt es mit „Stand or Fall“ anschließend einen echten Kracher, bei dem auch mal die Double Bass donnern darf. Einer der stärksten Songs des Albums. Mit „I’ll never Be Loved By You“ und „Fly Away“ gibt es eine Hommage an die 80er Jahre, bevor in „I Help You Hate Me“ der Reggae Einzug hält. Muss man mögen, ist aber auf jeden Fall ein cooler Farbtupfer in der Setlist. Und mit „Crazy Over You“ verabschiedet sich eine der größten deutschen Hard Rock Kapellen dann standesgemäß mit einer übergroßen Portion Melodie und Eingängikeit.

BONFIRE erfinden sich mit „Temple of Lies“ nicht neu, aber sie wagen einen Relaunch, der die Band nochmal von unnötigen Spinnenweben und muffigem 80er Staub befreit. Ich wage fast zu behaupten, dass „Temple of Lies“ eins der stärksten Alben – wenn nicht das stärkste – dieser Art aus deutschen Landen in diesem Jahr bleiben dürfte. Willkommen im „Temple of Lies“: Start drücken und auf die Knie fallen!

 

Mit diesem Album beweisen BONFIRE, dass sie nicht fehl am Platze sind, wenn sie im Herbst zur „A Night With Rock Legends“ Tour einladen.

Line Up

HANS ZILLER - Lead Guitar (GER)
ALEXX STAHL - Lead Vocals (GER)
RONNIE PARKES - Bass (USA)
TIM BREIDEBAND - Drums (GER)
FRANK PANÉ - Lead Guitar (GER)

Tracklist

01. In The Beginning
02. Temple Of Lies
03. On The Wings Of An Angel
04. Feed The Fire (Like The Bonfire)
05. Stand Or Fall
06. Comin' Home
07. I'll Never Be Loved By You
08. Fly Away
09. I Help You Hate Me
10.
Crazy Over You

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