Herren - Neue Deutsche Herrlichkeit

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Fette Gitarren, harte Beats, düsterer Industrialsound mit mehrdeutigen deutschen Texten. Ist hier die Rede von RAMMSTEIN, MEGAHERZ oder EISBRECHER? Nein, denn diese Neue-Deutsche-Härte-Größen bekommen jetzt eine gewaltige und gefährliche Konkurrenz in Gestalt der in Dessau beheimateten Formation HERREN. Hatte schon das Debütalbum „Lust“ in der Szene für einige Aufmerksamkeit gesorgt, so dürfte sich selbige noch ins Unermessliche steigern, zumal man für das Mikro niemand Geringeren als die Neue-Deutsche-Welle und Promi-Big-Brother-Legende HUBERT KAH gewinnen konnte.

Und selbiger stellt vom ersten Song an eindrucksvoll unter Beweis, dass er diesem Genre durch seine Sangeskunst ganz neue Seiten abgewinnen kann, und zwar durch ein Mehr an tiefgründiger emotionaler und eben nicht nur epischer Leidenschaft. Darüber hinaus wird schon beim Opener 'Mein' klar, dass HERREN auch im Hinblick auf martialische Melodien gekonnt zu Wege gehen, die durch die atmosphärischen hintergründigen Keyboards besonders zur Entfaltung kommen. Dass in den Texten Emotionen und Gefühle wie Verlangen, Sehnsucht oder Begierde eine große Rolle spielen, zeigt sich in dem schon vorab mit Video veröffentlichten Track 'Liebessachen', wobei die mehr oder minder starke Anzüglichkeit und Frivolität sich bisweilen meisterhaft in Metaphern oder Sprachwitz verbirgt. Da lässt fast schon Walter von der Vogelweide grüßen.

Als wahrer Kracher und mehr als hitverdächtig erweist sich 'Nordwärts', vor allem aufgrund seiner Hymnik. Hier sieht man anschaulich, welches Potenzial eine Symbiose aus der poppigen Eingängigkeit der NDW und der Industrial-Härte zu entfalten vermag. Hammer! Während in 'Seelenräuber' vor allem die weiblichen Vocals für Abwechslung sorgen, stellt in dem äußerst martialischem, entschleunigteren, aber von intensiver Atmosphärik geprägten 'Komm zu mir' HUBERT KAH erneut seine Klasse unter Beweis. 'Eisengel' kommt dann wieder um einiges härter, straighter daher. Ähnliches gilt für 'Verliebt in den Teufel', wobei der Refrain noch hymnischer ist. Weltklasse! 'Brennst du?' und 'Küss mich' bestechen durch ihre fast schon DEPECHEMODEartige soundgetüftelte Sehnsucht, 'Herzton' noch einmal durch seine tiefergehende Nachdenklichkeit. Der Rausschmeißer des Albums ist dann eine abgehärtete und teilweise umgedichtete Version des HUBERT-KAH-Klassikers 'Einmal nur mit Erika'. Etwa eine kecke und freche Anspielung auf den RAMMSTEIN-Song 'Amerika'? Man weiß es nicht.

Fazit: Die Band HERREN und die Neue-Deutsche-Welle-Legende HUBERT KAH, das ist eine Verbindung, die wirklich wie Arsch auf Eimer passt. Denn zusammen vermögen sie es, wie mit dem Albumtitel versprochen, durch pure Leidenschaft, durch raffinierte Texte und durch hymnische Refrains der Neuen Deutschen Härte neuen Schwung, ungeheure Dynamik und außergewöhnliche Frische zu verleihen. „Neue Deutsche Herrlichkeit“ eben, ganz nach dem Motto „Make NDH great again!“