Imperious - Tales of Woe - The Journey of Odysseus - Part I & II

CD Reviews, Imperious - Tales of Woe - The Journey of Odysseus - Part I & II

Eigentlich erblickte „Tales of Woe – The Journey of Odysseus“ schon die letzten beiden Jahre das Licht der Welt, aber nun haben IMPERIOUS einen Plattendeal mit Massacre Records ergattert und damit substanzielle Unterstützung erhalten, die zu einem "offiziellen" Release geführt haben.

Nichtsdestotrotz ist das, was zuerst im Eigenvertrieb erschien trotz damals beschränkter Mittel schon höchstprofessionell. So kann man der Scheibe zu keinem Moment unterstellen, dass da Dilettanten am Werk wären. Im Gegenteil: Die Produktion der Stücke inklusive ihrer Zwischenspiele ist tight produziert und konsequent durchkomponiert. Erzählt wird die Geschichte von Odysseus, aufgespalten in die zwei Teile „From Ilion to Hades“ und „From Hades to Ithaca“. Wer seinen Homer kennt, der weiß, dass damit die Odyssee noch nicht vorbei ist, sodass man auf den dritten und mögliche weitere Teile gespannt sein kann.

Wenn man nun dem Intro „At the Shores of Ilion“ beginnt, kann einem allerdings kurz der Atem stocken, ob man nicht versehentlich eine Symphonic Epic Hollwood Power Metal-Scheibe in den Player geschoben hat, so episch und schwülstig kommt die Erzählerstimme daher. Doch da ich schon in den Genuss eines Liveauftritts von IMPERIOUS kam, weiß ich, dass das mitnichten der Fall ist.

Kaum sind die einleitenden Synthies verklungen, gibt es bei „To Abjure Temptation“ das totale Black Metal-Hackbrett in die Ohren, so wie man es live gewohnt ist. Aber zwei ganze Scheiben durchballern hält ja nicht mal der härteste Schwarzmetaller aus, sodass auch IMPERIOUS ihre Scheiben mit zahlreichen musikalischen Versatzstücken anreichern. Meistens klappt das ganz gut, ab und zu schießen die Franken aber über ihr Ziel hinaus. Gerade bei den überlangen Stücken, dessen Herzstück „Insidious Winds“ bildet merkt man die ein oder andere Anleihe bei den östlichen Nachbarn von BEHEMOTH, manchmal wird es jedoch zu pompös, oder man verliert sich wie bei „Celestial Tunes of Moral Fraud“ in Gitarrenfrickeleien. Zum Abschluss der Platte wird dann in fast 13 Minuten noch einmal das epische Klangbrett ausgebreitet und alles aufgefahren, was zwischen Blastbeats und Akustik-Lagerfeuerromantik angeboten wird, bevor der Song mit einem simplen Fade-Out verschwindet wie der Held in der Unterwelt.

Nachdem Odysseus am Ende der ersten Scheibe im Hades angekommen ist, scheint dem Sänger dort auch seine Stimme abhandengekommen zu sein. So beginnt „The Journey of Odysseus, Part II: From Hades to Ithaca“ mit dem überlangen Instrumental „Of Casualties (and the Further Way)”. Auch bei Lied Nummer zwei kommen erst mal die “Sirenen” in Form einer Gastsängerin zum Einsatz, bevor „In the Isle of the Solar God“ wieder die gesamte Besetzung am Start ist.

Insgesamt wirkt das zweite Album heavier und erwachsener als der doch etwas überladene Erstteil. Beim Song „Scorn“ wird es richtig düster, fast doomig; Gesang und Instrumentierung erinnern an SATYRICON zu ihren besten Zeiten, die Synthies ergänzen den Klangteppich und spielen sich nicht in den Vordergrund. Definitiv ein Highlight!

Bevor sich unser Held dann unter Pianoklängen unter dem Olivenbaum ausruhen darf („At the Olive Tree“) steht noch ein Duett zwischen weiblichem und männlichem Sänger in der üblichen Rollenverteilung an („Bloodbound – The Bow of Odysseus“), das vom maskulinen Part eindeutig gewonnen wird, der dann in den restlichen 14 Minuten seine schwarzmetallische Seele ausleben darf.

Insgesamt haben die Bayreuther ihren Plattenvertrag mit diesen beiden Veröffentlichungen redlich verdient und es ist schon erstaunlich, wieviel Kreativität in diesem Output steckt, vor allem wenn man die beschränkten Mittel einer Eigenveröffentlichung bedenkt, die dieser zu Grunde liegt. Jetzt muss die Band nur noch beweisen, dass sie dieses Niveau im nächsten Release noch weiter steigern kann.