Kleze - November – Desintegration (Live)

CD Reviews, Kleze - November – Desintegration (Live)

Regen, Regen, Regen. Nicht nur das Wetter sorgt in dieser Jahreszeit für eine äußerst niederschmetternde, gedrückte und melancholische Stimmung. Da könnte man sich mal wieder „Faith“, „Pornography“ oder „Disintegration“ oder besser noch „Trilogy“ von THE CURE zu Gemüte führen. Doch wer den damit einhergehenden Ärger über fast über zehnjähriger kreativer Pause seiner Jugendhelden entgehen möchte, der hat mit dem Live-Album „November“ eine alternativelose Alternative.

Denn KLEZ.E gelingt es in ihren Songs, mit nicht zu leugnenden Anleihen unverblümte und unverstellte CUREigkeit zu kreieren, die aber organisch in den genuin eigenen Sound integriert wird. So entsteht trotz der nicht immer leicht zu verdauenden Texte ein wohlig wehmütige Atmosphäre, die sich virtuos im Spannungsfeld von trübsinniger Niedergeschlagenheit und intensiver Leidenschaft bewegt.

Die Frage, die sich die eine oder der andere Musikkenner*in stellt, ist, ob sich die Anschaffung eines Live-Albums überhaupt lohnt, wenn man die Titel von den Studioalben schon sein Eigen nennt. Das kann nur entschieden bejaht werden. Denn die Songs entwickeln live gespielt durch die hallige Akustik ein ganz eigenes Flair. Das ist das Eine. Das Andere ist, dass KLEZ.E die Tracks mit zusätzlichen Finessen (und Dauer) anreichert, was man sehr schön bei dem Track 'Am Grund der tiefgrünen See' beobachten kann, in dem die eingebaute Anspielung auf den CURE-Song 'Open' immer wieder für den Aha-Effekt der Eingeweihten sorgt. Eine Hammer-Version.

Bisweilen kommen auch der Bass und die Keyboards überaus „Die-Heilung-mäßig“ daher, eine Tatsache, die sich auch bei dem Track 'Raupe' in keiner Weise leugnen lässt. Ein wirklich herrlich dichter, melodischer Power-Krach, der dann vom bedächtigeren 'Strandlied' abgelöst wird, dessen „Faith-Akkorde“ wirklich eine Gänsehaut hervorruft. Sehr gelungen ist auch die Version von 'Der Garten'. Da zeigt sich, dass die Extended-Versionen live sehr gut funktionieren.

Darüber hinaus kann sich auch die Zusammenstellung der Songs sehen lassen. Es dominiert der aktuelle Longplayer „Desintegration“, der vollständig dargeboten wird, inklusive des in seinem Dunstkreis entstandenen Lieds 'Raupe', gefolgt von dem 2009er Album „Vom Feuer der Gaben“. Und so fehlt auch einer meiner Favoriten nicht, nämlich 'Wir ziehen die Zeit'.

Es gibt mit Sicherheit keine Band, die sich so gekonnt bei THE CURE bedient, die mit ihren Liedern aber zugleich aufgrund der eigenen Originalität auch niemals den Eindruck aufkommen lässt, dass man es hier mit einer schlechten Kopie zu tun hat. Denn KLEZ.E gelingt es, gerade die düstere, wehmütige und melancholische Stimmung und Atmosphäre zu erschaffen, die man sich vom vermeintlichen Original seit längerem zurückwünscht. Ein Live-Album, das in keiner Sammlung fehlen darf!