Kreator - Gods Of Violence

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Wenn Szene-Veteranen wie KREATOR ein neues Album am Start haben, dann kommt das einem Ereignis gleich, zu dem sich alle irgendwie zu Wort melden müssen.

"Schwach und unbedeutend", so lautet das nicht gerade schmeichelhafte Urteil des geschätzten Kollegen Zwingelberg. Nach fünfmaligem Hören von "Gods Of Violence" bleibt mir nur, mich am Kopf zu kratzen und zu fragen: Hat zusätzlich zu den obligatorischen zwei Mohrrüben (Einstellungsvoraussetzung beim Twilight) ein ganzer Gemüseacker Einzug in des Altmeisters Gehörgänge gehalten?

Spaß beiseite: Schon mit dem Opener "World War Now" wird klar, dass die erfolgreiche Machart des Vorgängers "Phantom Antichrist" konsequent verfolgt wird. Will man nach Kritikpunkten suchen, so gießt am ehesten das folgende "Satan Is Real" Wasser auf die Mühlen. Zu plakativ kommt der Refrain daher. Mit "Lion With Eagle Wings" haben wir dann aber auch schon die beiden einzigen Nummern, die das hohe Niveau nicht ganz halten können. Ansonsten: Eine Abrissbirne nach der anderen, Zerstörung allerorten. Ein Song wie "Totalitarian Terror" prügelt derart entschlossen nach vorn, dass man sich fast in Zeiten von "Pleasure To Kill" zurückversetzt fühlt – ja, wären da nicht diese grandiosen Leads von Sami Yli-Sirniö, die fast jeden Song mit leichten Maiden-Anleihen veredeln. Hört euch nur mal das fantastische Titelstück an (Oberhymne!).

KREATOR mögen nicht ganz soviel Old-School-Spirit wie die Ruhrpott-Kollegen Sodom versprühen, aber wir haben auch nicht mehr 1986 und eine Weiterentwicklung des Sounds sollte kein allzu großer Kritikpunkt sein. Ich persönlich habe nichts gegen Melodien und habe das durchdachte "Coma Of Souls" schon immer dem kultigen Geknatter von "Pleasure To Kill" vorgezogen. Doch egal zu welcher Thrash-Fraktion man sich bekennt, Fakt ist: KREATOR spielen nicht nur in der Champions-League mit, sie setzen Maßstäbe!