Last Leaf Down - Bright Wide Colder

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Knapp zweieinhalb Jahre nach ihrem Debütalbum "Fake Lights" legen LAST LEAF DOWN nun ihren zweiten Longplayer vor.

Dabei ist der Titel "Bright Wide Colder" wirklich Programm, bewegt sich der Sound doch gekonnt im Spannungsfeld zwischen Shoegaze und Postrock und tansportiert dabei eine ungemein atmosphärische Intensität, die bisweilen verhalten frohgemut daherkommt, immer aber auch keine wirkliche Fröhlichkeit aufkommen lässt. Es ist eher eine unentrinnbare Nachdenklichkeit, die sich hier ungehindert Bahn bricht und den Zuhörer in einen Zustand des Hoffens und Bangens versetzt.

Charakteristisch sind vor diesem Hintergrund die melodisch, mitunter kreischenden Gitarren, die etwas an die EDITORS erinnern, als sie noch gut waren. Hinzu kommt die richtige Portion an düsterer Melancholik, der durch elektronische Elemente und durch die wandlungsfähigen Vocals von Benjamin Schenk das gewisse Etwas verliehen wird. Bestes Beispiel dafür ist das hitverdächtige 'The Path', das ja auch schon vorab veröffentlicht wurde. Hinzu kommt der Hang zum ausgeklügelten Song, der sich auf der einen Seite scheinbar wie von leichter Hand entwickelt, aber bei jedem neuen Hören andere Facetten zum Vorschein bringt. KATATONIA lassen grüßen. 'Suspire' ist solch ein Song, der darüber hinaus unter Beweis stellt, dass der Bass und die Drums überhaupt keine untergeordnete Rolle spielen, sondern einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für die einzigartig dichte und druckvolle Stimmung leisten.

Wahrlich mitreißende sphärische Soundwände gibt es bei 'Anything', ein Track, der zudem überaus vielfältig daherkommt. Von einem ganz anderen Charakter ist dann 'Youth', ruhiger, meditativer, gemächlicher, aber dadurch nicht weniger intensiv, ebenso der Rausschmeißer 'Transcend' aufgrund seiner kämpferisch, leidenschaftlichen Attitüde.

Fazit: Die Schweizer von LAST LEAF DOWN legen mit ihrem zweiten Longplayer "Bright Wide Colder" einen gekonnten Soundtrack für kalte, einsame Frühlingstage vor. Denn mehr durchdringende Atmosphäre, Intensität und Melancholie im Shoegaze-Gewand geht fast nicht, auch wegen der unverkennbaren KATATONIA- und ALCEST-Einflüsse.