Nino Helfrich - Hourglass

CD Reviews, Nino Helfrich - Hourglass

Vielleicht ist es der Tatsache geschuldet, dass man als Torhüter beim Eishockey nicht so wirklich dynamisch aktiv agieren kann, dass Nino Helfrich seine Montur und seinen Schläger gegen die Gitarre eingetauscht hat. So ließ der Hamburger die Kälte der Eishalle hinter sich und bringt nun nicht nur die Saiten, sondern mit seinem Sound auch die Hallen zum Glühen, hat er sich doch dem energetischen Metal verschrieben, der zudem durch allerlei Anleihen benachbarter Genres wie dem Rock oder Metalcore angereichert wird.

Dass sich auf seinem nunmehr zweiten Album zudem Szenegrößen wie Björn Strid (SOILWORK), Chris Clancy (MUTINY WITHIN, WEARING SCARS) und Christoph Wieczorek (ANNISOKAY) hinter dem Mikro die Ehre geben, spricht natürlich Bände. Schon der Opener 'Your Own Way' zieht den Hörer aufgrund der Dynamik sofort in seinen Bann. Mitreißende Riffs treffen auf die zwischen Growls und Klargesang changierenden Vocals, die vor dem Hintergrund von organisch zusammenpassender Brutalität und melodischer Eingängigkeit eine ganz besondere Atmosphäre erzeugen. In 'The End' steht eine quirrlige leidenschaftliche Zornigkeit im Mittelpunkt, der nur durch hintergründige und sporadische Eingängigkeit Einhalt geboten wird. Mir kamen da sofort IN FLAMES in den Sinn. Hammer!

'Let Me Sleep' lässt bisweilen phasenweise ein wenig Raum um Luftholen, besticht dann aber sehr durch seine klassische Metalligkeit inklusive der obligatorischen Soli. In 'Day Of Reckoning' treffen thrashmetallische Bretter auf growlige Infernalität und versöhnlich melodische Düsternis. Der Titeltrack ist dann fast schon ein Rock-Song mit Metal-Elementen, der gekonnt gefühlvollen Optimismus versprüht. Ähnliches gilt für 'Facing Fear', ein Song, der seine Intensität aus der Spannung durch seine „Beauty-and-beast-Attitüde“ zieht. Die innere Apokalypse (' Apocalypse Inside') treibt dann ihr Unwesen zwar in rauer Umgebung, scheint aber atmosphärisch aufgrund der nachdenklich frohgemuten Stimmung aber wohl gar nicht so schlimm zu sein. Der Rausschmeißer kommt dann wieder martialischer und vor allem grooviger daher und zeigt auch den sich immer wieder offenbarenden Hang zur kompositorischen Verspieltheit.

Fazit: Nino Helfrich legt mit „Hourglass“ ein gelungenes zweites Album vor, welches in überaus dynamischer Manier dem Metal in klassischem Gewand frönt und im Spannungsfeld von riffiger Härte und melodischer Eingängigkeit seine mitreißende Wirkung entfaltet. Dass der Hamburger dafür auch Björn Strid (SOILWORK), Chris Clancy (MUTINY WITHIN, WEARING SCARS) und Christoph Wieczorek (ANNISOKAY) gewinnen konnte, spricht für das Potenzial seines Schaffens.