Witherfall - Nocturnes and Requiems

CD Reviews, Witherfall - Nocturnes and Requiems

Es ist wohl schon länger her, dass ich eine neue Platte gehört habe, deren erster Song mit einem Gitarrensolo beginnt. Aber genau diese Freiheit nehmen sich WITHERFALL auf ihrem Debütalbum „Nocturnes and Requiems“, und es klingt erfrischend unkonventionell.

Der Stil lässt sich wohl am besten als Mischung aus Old-School-Power-Metal -Thrash (man lese: NEVERMORE) und abgefahrenem Prog beschreiben. Obwohl es ein Debütalbum ist, merkt man den Musikern an, dass sie schon jahrelang im Geschäft und mit allen Wasser gewaschen sind. Die Drums vom (inzwischen verstorbenen) Schlagzeuger Adam Sagan klingen ultratight, das Gitarrengefrickel von ICED EARTH-Virtuose Jake Dreyer ist über jeden Zweifel erhaben und der starke Sänger Joseph Michael klingt wie eine Mischung aus NEVERMOREs Warrel Dane und DREAM THEATERs James LaBrie im Vollbesitz seiner Stimmkräfte.

Und auch beim Songwriting lässt sich die Band nicht die Butter vom Brot nehmen. Neben dem progressiven Power Thrash gibt es immer wieder überraschende Wendungen, wie ein akustisch griechisch-folkloristisch angehauchtes Gitarrensolo bei „What We Are Dying For“ und instrumentelle Zwischenstücke („Act II“, „Finale“) sowie ein akustisches Zwischenstück namens „The Great Awakening“, die das Tempo aus dem ansonsten großteils rasend schnellen Werk nehmen. Gerade bei den drei längeren Stücken merkt man die Qualität des Arrangements, da diese nie langweilig werden und die Musik mit ihren überraschenden Wendungen auch in diesem Jahrzehnt aktuell erscheinen lässt.

Wer also immer noch der Auflösung von NEVERMORE hinterhertrauert und offen für Blicke über den Tellerrand ist, sollte WITHERFALL auf jeden Fall mal antesten.

Ein sehr starkes Debütalbum!