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Party.San Open Air 2018

  • Datum: 09.-11.08.2018
  • Ort: Flugplatz Obermehler, Schlotheim, Thüringen
  • Besucher: 10.000
  • Tickets: 89.10 € Vvk.
  • Redakteur: Jens Dunemann

Running OrderDas PARTY.SAN METAL OPEN AIR ist und bleibt DIE Pilgerstätte der deutschen und mittlerweile weltweiten Metal-Szene, wenn es um Death Metal, Black Metal, Thrash Metal und Grindcore geht.

Die gute Arbeit, die Mieze, Boy und Jarne jahrein jahraus machen, um dieses einzigartige Festival auf die Beine zu stellen, zahlt sich nicht nur in konstanten Besucherzahlen aus, sondern auch in Lobeshymnen eines treuen Publikums.

Das PARTY.SAN METAL OPEN AIR ist und bleibt nicht nur für mich persönlich ein in Stein gemeißelter Termin im Kalender, fühlt man sich doch auf keiner vergleichbaren Veranstaltung nach wie vor so familiär aufgehoben. Neben einem einmal mehr großartigen Line-Up, bei dem u. a. endlich Emperor und Masters Hammer debutieren durften, kenne ich nach wie vor kein Festival, bei dem man derart entspannt Musik genießen kann, dabei kulinarisch in allen Belangen zu nach wie vor fairen Preisen rundum versorgt ist und ein so breites Angebot an (musikalischem) Merch und Tonträgern bis hin zu Musikinstrumenten selbst - in diesem Jahr präsentierte sich der Hersteller Ibanez - zum Stöbern vorfindet.

Mittwoch, 08.08.2018

Irgendwie standen die Vorzeichen für die diesjährige Auflage des PARTY.SAN METAL OPEN AIR´s noch zu Beginn der Woche alles andere als gut. Montag streikt das Auto und es ist zunächst unklar, inwieweit das Gefährt bis zum obligatorischen Anreisetag am Mittwoch wieder fit zu kriegen ist. Doch dank einer Zusatzschicht der Werkstatt meines Vertrauens wird das Auto glücklicherweise am Mittwoch-Mittag wieder fahrbereit, so dass wir, wenn auch gegenüber unseren sonstigen Gewohnheiten verspätet, endlich aus dem Harz gen Schlotheim aufbrechen können. Immerhin, einen Vorteil hat es, denn wir können davon ausgehen, dass unsere Vorhut den zentralen und massiven Pavillion zu diesem Zeitpunkt schon aufgebaut hat und wir uns lediglich um den Aufbau unseres eigenen Zeltes kümmern müssen. Dennoch rechne ich aufgrund der nachmittäglichen Stunde im Rahmen der Anreisewelle mit Stau bei der Fahrzeugkontrolle. Doch auch diese Befürchtung ist unbegründet, so dass wir uns nach der Akkreditierung völlig entspannt gen Camp aufmachen, welches wir uns einmal mehr mit den Mädels, Jungs und Kollegen vom vom Hotel 666 teilen. An dieser Stelle möchte ich noch einmal erwähnen, wie sehr ich den Mittwoch auf dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR genieße: Ankommen, Aufbauen, Runterkommen und langsam Eintauchen in die "Parallelwelt" dieser Feier, die mich wie immer im Party-Zelt mit Metal-Klassikern, vorgestellt vom Hellborn-Metalradio empfängt. Cuba Libre, Köstritzer Schwarzbier oder Pils mit den Liebsten von nah und fern inklusive. Nicht zu vergessen, der Start meiner alljährlichen Kur mit den Thüringer Bratwurst vom Holzkohlegrill. Das Leben könnte schlechter sein... (JD)

Donnerstag, 09.08.2018

Ich wache in meinem Zelt auf, es ist immer noch oder bereits wieder zappenduster? Draußen am Pavillon im Zelt scheint jedoch noch reger "Betrieb" zu sein. Irgendetwas passt nicht. Mir geht es gut, ich habe keinen Schädel oder aber es ist der Restalkohol, der den "Festival-Kater" überdeckt. Handy, Brille, Geldbörse, sonstige Wertsachen. Nachdem ich erleichtert Feststelle, dass alles an seinem Platz und vorhanden ist, beginnt es mir zu dämmern, dass ich zwar gerade einen der intensivsten Party.San-Nachmittage mit dem wahrscheinlich besten Tages-Billing der gesamten Festival-Historie verbracht habe. Der finale Höhepunkt als persönlicher Kollateralschaden in Form von ENDSEEKER, EMPEROR und MASTER´S HAMMER quasi im Schlaf an mir vorbeigerauscht ist... Eine Ahnung, die beim Schlussakt der Tschechen, den ich unter dem Pavillon gerade noch zu Hören bekomme, von den Kollegen mit einer gewissen Ironie und Schadenfreude zur bitteren Realität wird. Doch der Reihe nach.

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master´s hammer

Nach dem traditionellen Salutschuss, mit dem das Festival-Gelände täglich eröffnet und geschlossen wird, überraschen die Ösis von OUR SURVIVAL DEPENDS ON US mit sphärischen und ätherischen Klängen aus Doom und Dark Metal. Wurde ich im Vorfeld vom Infosheet des Begleitheftes eher abgeschreckt, so zeigt die Band auf der Bühne tatsächlich, dass der Titel des auf Ván Records erschienenen Debuts "Scouts on the Borderline Between the Physical and Spiritual World" keinesfalls übertrieben ist. Hier sind musikalische Schamanen am Werk, die mit Sicherheit nicht nur bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

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our survival depends on us

GRUESOME huldigen im Anschluss Chuck Schuldiner und Death und wissen dabei sehr gut zu unterhalten, auch wenn die Amis für mich musikalisch erst auf den kommenden Alben so richtig interessant werden, sobald sie sich in der Stilistik zu meinen persönlichen Favoriten "Individual Thought Patterns" und "Symbolic" vorarbeiten. Auch wenn ich mich mit der frühen Death-Phase nicht ganz so verbunden fühle, wie manch anderer, so sind Gruesome eine wahrlich großartige Tribute-Band, die dem Erbe von Chuck nicht nur authentisch verbunden ist, sondern ihm mehr als gerecht wird.

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gruesome

In der Zwischenzeit fühlt sich der Nachmittag - um es mit einem Zitat der Jungs von Deserted Fear zu sagen - auf dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR einmal mehr wie "...Klassentreffen, bloß dass niemand mehr fahren muss..." an. Egal ob an den zahlreichen Fressbuden und Merch-Ständen beim Stöbern, an den Bierständen, im Whisky-Pub oder bei den "Giftmischern" von Brutz & Brakel und natürlich vor der Bühne. Der besondere Reiz dieses Festivals liegt für mich persönlich neben der Musik im Wiedersehen mit den zahlreichen Freunden, Bekannten, Musikern und Kollegen aus Nah und Fern, denen man nahezu an jeder Ecke und zu jeder Zeit über den Weg läuft und die einem Grund geben sich auszutauschen und das Leben, sich selbst und die Musik zu feiern. Zehn Jahre ist es schon her, dass die seinerzeit reformierten Kult-Schweden UNANIMATED ihr Debut auf dem P:S:O:A gaben, neun Jahre ist das Comeback "In The Light Of Darkness" mittlerweile her, so dass sich die Rückkehr in diesem Jahr wiederum nach einem Wiedergang anfühlt. Im Gepäck haben Unanimated dieses Mal die ofenwarme EP "Annihilation". Letztere zeigt die Band mit deutlich aufstrebender Tendenz, der Gig ist jedoch nicht mehr als solide, ohne dass Unanimated die Magie ihrer Klassiker "In The Forest Of The Dreaming Dead" und "Ancient God Of Evil" erreichen. Das Stage-Acting wirkt nur wenig mitreißend. Sein Übriges erledigt der nach der sengenden Mittagshitze zunehmend auffrischende Wind, der den Sound ordentlich verwäscht.

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unanimated

DEAD CONGREGATION zünden danach ein klassisches Todesblei-Inferno US-amerikanischer Prägung, an dem vor allem Freunde der frühen Morbid Angel ihre Freude haben. Die Griechen prügeln sich mit Dynamik und Technik aber auch mit Gespür für´s Songwriting durch ihren Set und beschwören im wahrsten Sinne des Wortes einen Orkan herauf. Der Wind frischt im Laufe des Sets mehr und mehr auf bis sich am Firmament eine unheilvolle wie bedrohliche Sandsturm-Front zeigt. Während die Organisatoren den geordneten Rückzug in Form der Evakuierung des Infields proben, fegt der Sturm bereits über den Zeltplatz. Pavillons, Zelte und alles was sonst nicht niet- und nagelfest ist, fliegen spielend von der Kraft der Elemente erfasst, umher und sorgen für eine beängstigende Atmosphäre der etwas anderen Art. Doch so schnell der Sturm aufgezogen ist, so schnell ist er auch wieder vorbei.

 

Orkan:







Es ist bezeichnend, wie professionell und gelassen nicht nur die Veranstalter, sondern auch der überwiegende Teil des Publikums mit den Naturgewalten umgehen. Wobei glücklicherweise größere Schäden ausbleiben. So ertönt nach gut einer Stunde erneut der Salutschuss, mit dem das Festival fortgesetzt werden kann. Wirklich schlimm hat es den Stand von Grau Records getroffen, der vom Wind nicht nur in Mitleidenschaft gezogen, sondern nahezu komplett zerstört wurde. Auch die hinter und neben dem Regieturm mit Bierzeltgarnituren ausgestatteten, neu geschaffenen Areale müssen im weiteren Verlauf des Festivals ohne Beschattung auskommen, hatten die Pavillons den Windböen doch nichts entgegen zu setzen.

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Während ANAAL NATHRAKH danach mit dem unnachahmlichen Sänger Dave Hunt und einer wahnwitzigen Performance samt einem musikalischen Death-/Black - Metal-Inferno der extraklasse den Faden wieder aufnehmen, beginnt mein Körper seelig von Bier, Schnapps und sonstigen flüssigen Leckereien ganz langsam aber sicher Tribut zu zollen. Obwohl ich TOXIC HOLOCAUST ziemlich sicher noch einen amtlichen Thrash-Abriss bescheinigen kann, beginnen die Erinnerungen dann leider spätestens mit den Ägyptern von CRESCENT, die im Zelt eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass Nile sich in Sachen Atmosphäre zukünftig ordentlich strecken müssen, mehr und mehr zu verschwimmen. Während Endseeker eigentlich für mich das musikalische Finale des ersten Festivaltages einläuten sollten, musste ich mich zu dieser Zeit dann wohl schon im eigenen Zelt befunden haben... Kollege Eric hat die Hamburger jedoch wie folgt in Erinnerung: "Nach mehr oder weniger gut überstandenen Sandsturm nebst Evakuierung des Geländes war der Zeitplan des P:S:O:A doch etwas durcheinander geraten. Doch zumindest konnten nach dem erneuten Startschuss der Kanone Esmiralda doch noch alle Bands auftreten. ENDSEEKER können nach dem Emperor-Auftritt endlich starten und fegen ihrerseits wie ein Sturm über die durchgepustete Meute. Es gibt sicher momentan keine Band, die den Spirit früherer Entombed authentischer am Leben hält, als die fünf Hamburger Jungs. Ein feinstes schwedisches Gitarrenbrett trifft auf eingängige Songstrukturen bei Nummern wie "Flesh Hammer Prophecy" oder "Corrosive Revelation". Mit Lenny hat man einen wahren Gesichtsakrobaten als Frontmann, der es versteht, die Massen zu unterhalten. Bis jetzt hatte ich Endseeker vor nie mehr als 100 Leuten gesehen aber es ist schön, die Freude der Musiker daran zu sehen, von einer größeren Menge abgefeiert zu werden. Mit dem neuen Vertrag bei Metal Blade in der Tasche sind für Endseeker sicher auch noch höhere Weihen nicht ausgeschlossen." (EO)

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endseeker

Ich weiß nicht, was schwerer wiegt. Die Kaiser des norwegischen Schwarzmetalls, die in diesem Jahr auf dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR das einzige Deutschland-Konzert spielten oder die tschechischen Urgesteine und Wegbereiter sowie Paradiesvögel des Black Metals verpasst zu haben. Beides tut irgendwie weh aber immerhin kann ich den kommenden, zweiten Festival-Tag fit und mit ein wenig Demut in Sachen Getränke-Konsum angehen...


Freitag, 10.08.2018

Freitag, High Noon auf dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR, die Sonne brennt wieder und der Auftakt erfolgt traditionell mit Grindcore. In diesem Jahr mit den Italienern von GUINEAPIG.

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Musikalischer Standard und auch darüber hinaus business as usual vor der Bühne: Grindcore-Circle-Ringelpietz mit Anfassen, alle sind wach und alle haben sich lieb.THE COMMITTEE laufen für mich unter dem Siegel "Überbewertet Pt. l". Die Männer mit Säcken über dem Kopf und Rednerpult auf der Bühne sind mit ihrem athmosphärisch-schleppendem, angeschwärzten Metal zwar irgendwie nicht schlecht, aber so richtig packen können sie mich nicht, selbst wenn sie mitunter auch mal das Gaspedal durchtreten. Vielleicht liegts aber auch einfach nur an der frühen Tageszeit samt blauem Himmel inklusive Postkarten-Bewölkung. Darum scheren sich die Franzosen von BENIGHTED einen Dreck. Auch wenn es die Band schon seit 2000 gibt, ist sie in Deutschland noch ein unbeschriebenes Blatt, was sich mit diesem Gig aber ändert. Technisch versiert, straight auf den Punkt und ultrabrutal, so prügelt und stampft sich der Fünfer aus dem Season Of The Mist - Stall mit seinem modernen Todesstahl am Rande des Slam-Deaths in die Herzen des Publikums und sorgt darüber hinaus für uneingeschränkte Anerkennung.

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PILLORIAN lasse ich danach aus, da mich die Kanadier um John Haughm schon mit Agalloch zuletzt nicht mehr abgeholt haben. Weiter geht es stattdessen mit COFFINS. Die Japaner sind längst über den Exotenstatus hinaus und eine weltweit gefragte wie geschätzte Underground-Institution. Warum, das zeigen sie eindrucksvoll am Nachmittag auf der großen PARTY.SAN-Bühne. Simpler, schleifendender Midtempo-Death Metal, mal doomig-groovend samt ultratief gestimmter Gitarren und noch tieferem Gesang. Damit erschaffen Coffins eine einzigartig, morbide Atmosphäre und gehören damit zu der Sorte Bands, die mit sehr wenig Mitteln Überragendes erschaffen. Für mich die Essenz des Death Metals alter Schule und damit live wie auf Scheibe vollkommen zeitlos. Das gilt auch für die Schweden von RAM, auf die ich mit dem aktuellen Werk "Rod" erst aufmerksam geworden bin. Mit dem klassischen Heavy Metal, der sich im Spannungsfeld zwischen Priest-Riffing und Maiden-Leads bewegt, fällt der Fünfer stilistisch etwas aus dem Rahmen, sorgt aber wie Night Demon und Grand Magus in den Vorjahren für Frische und Abwechslung zwischen all dem Getrümmer. Und diese Dreiviertelstunde nehmen die PARTY.SANen nicht nur mit den aktuellen Highlights vom Kaliber "Gulag" und "Wings Of No Return" dankbar an.

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the black dahlia murder

Für mich eines der Hightlights des Festivals. THE BLACK DAHLIA MURDER schwänze ich im Camp, um Kraft zu tanken für die Lokalmatadore von DESERTED FEAR. Schon bei ihrem ersten Hauptbühnen-Auftritt 2015 investierten Eisenbergs-Finest die eigene Gage in die Pyro-Show. Wenn man mutmaßt, dass der Marktwert des Trios mit dem Wechsel zu Century Media und der Veröffentlichung von "Dead Shores Rising" noch einmal gestiegen ist, dann wird klar, wieso mit den Pyros zum Auftakt in diesem Jahr gleich ein Teil der Backline in Flammen aufgeht. Selbst wenn Gitarrist Fabian unter dem Eindruck des offenen Feuers auf der Bühne (um die sich zunächst auch kein Backliner so richtig kümmern will) beteuert, dass das wohl nicht so geplant war. Bei Deserted Fear wird seit jeher geklotzt und nicht gekleckert. Und das nach wie vor erfreulicherweise ohne erkennbare Abnutzungserscheinungen. Die Thüringer versprühen nach wie vor eine absolut ansteckende Energie und treffen mit einem gelungenen Querschnitt aus den drei Alben den Nerv des Publikums, dass ihnen spätestens beim finalen "My Empire" zu Füßen liegt.

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deserted fear

Die Ami-Thrasher EXHORDER und deren Kult-Album-(Cover) zu "Slaughter In The Vatican" sind mir zwar ein Begriff, allerdings bin ich mit dem Material musikalisch nicht wirklich vertraut. Folglich erwarte ich nicht wirklich viel um dann festzustellen, dass Exhorder eine überaus unterhaltsame Thrash-Keule auspacken, die sowohl ins Genick wie auch ins Gebein geht. Es gibt deutlich schlechtere Musik, um die Zeit bis zu meinen Jugendhelden UNLEASHED zu überbrücken. Nach einer Phase, in denen die eigenwilligen Schwedendeather musikalisch aus meiner Sicht am Rande der Bedeutungslosigkeit dümpelten und live zu einer Karikatur verkommen waren, hat sich das Quartett in den letzten Jahren wieder mehr als berappelt und trumpft mit einem, zahlreiche Klassiker der frühen Werke umfassenden, Set grandios auf. "The Final Silence", "Before The Creation Of Time", "The Dark One", "Dead Forever", dazu ein gut aufgelegter Johnny, der die Massen nicht nur beim obligatorischen "Death Metal Victory" nach belieben dirigiert.

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unleashed

Wer jetzt glaubt, dass mehr Entertainment nicht geht, der hat die Rechnung tatsächlich ohne VENOM gemacht. Wobei ich die Amis von DYING FETUS nicht verschweigen möchte, die auf dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR eigentlich für Auftritte bei Regen bekannt sind, aber die sich im Trockenen ebenfalls amtlich durch ihren Auftritt prügeln können, so dass ich mich diesem akustisch selbst unter dem Pavillion im Camp nicht entziehen kann. Hatte ich mich den Urvätern des (Black) Metal 2013 noch verweigert, so bin ich fest entschlossen, mir die Briten um Basser/Sänger Cronos verstärkt um Rage an der Gitarre und Danté am Schlagzeug anzusehen, während sich Original-Drummer Abbadon jüngst im Ruhestand und Gitarrist Mantas unter dem Banner von Venom Inc. die Bühnen unsicher macht. So wirklich viel hatte ich mir im Vorfeld also nicht zu erhoffen gewagt, außer im ungünstigsten Fall eine Cover-Show mit Original-Sänger. Das was man hier unter dem Banner von Venom allerdings auf die Bühne bringt, ist nicht nur große Unterhaltung und großes Showbiz, sondern selbst bei dem aktuelleren Material auch musikalisch durchaus ernstzunehmender und relevanter Metal, der mit dem Chaos, aus dem die zahlreichen Klassiker, die die stilistische Ursuppe zahlreicher heute auf dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR vertretenen Formationen bilden, kaum noch etwas zu tun hat. "Black Metal", "Welcome To Hell", "Countess Bathory", "Witching Hour" oder "In League With Satan" mögen zwar niemandem mehr wirklich Angst einjagen aber sie funktionieren dennoch nach wie vor. Und so beschließen Cronos & Co. den Freitag mit einer Mischung aus Kult, Slapstick und farbenfrohem Heavy Metal - Entertainment.

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venom

 

Samstag, 11.08.2018

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gorilla monsoon

Die Nacht war kurz, heißt es beim PARTY.SAN-Samstag traditionell früh aufzustehen, beginnt doch der finale Festival-Tag um 10 Uhr bzw. um 11:00 Uhr mit dem alljährlichen Frühschoppen im Zelt. Anlässlich dessen, was uns da bevor steht, beginnen wir den Tag feierlich und sorgen mit Rührei, Speck und Sekt für eine gediegene Grundlage. Die darf man bei GORILLA MONSOON auch haben. Die Dresdener, die sich unter dem Banner "Hellrock Inc." ihr eigenes Trademark geschaffen haben, welches treffender kaum sein könnte, beweisen einmal mehr, welches überragende Niveau diese Band zwischen klassisch, dreckigem Rock ´N´Roll, Stoner Rock und Doom Metal nicht erst seit ihrem 2015er Meisterstück "Firegod - Feeding The Beast" hat. Unterbewertet ist noch weit untertrieben, wenn man fit genug ist, der leidenschaftlichen Performance von Sänger/Gitarrist Jack Sabbath und seinen Mannen beizuwohnen. Rockig, treibend, groovend mit einem kraftvollen Sound so packen Gorilla Monsoon die frühen Vögel im Zelt nicht nur bei Übersongs wie "March Of The Hellrock Inc." oder "Law Of The Riff" bei ihren niedersten Instinkten. Jack Sabbath erweist sich wiederum trotz der frühen Stunde als Entertainer der sein Publikum im Griff hat und mit Augenzwinkern für mich das Zitat des Festivals liefert: "Ich muss erstmal schauen, ob sie gerissen oder nur verstimmt ist. Ist halt wie bei der Alten." Fazit: Besser kann der Festival-Samstag kaum beginnen. Nach der gediegenen, süffigen und schweißtreibenden Angelegenheit im Zelt setze ich bei den RAZORRAPE und den Iberern von GRAVEYARD aus, dünkt es mich doch zu diesem Zeitpunkt eher wenig nach Standard-Grindcore bzw. -Death Metal. Auch die Finnen WOLFHEART um Tuomas Saukkonen, einst bei Before The Dawn lasse ich noch verstreichen, bevor es mich zu HARAKIRI FOR THE SKY zurück auf das Gelände zieht. Den Österreichern eilt der Ruf als derzeit eine der angesagesten Schwarzmetallformationen voraus. Insbesondere Ernie von KrachmuckerTV hat in seinen Sendungen ja keine Gelegenheit ausgelassen, Harakiri zu loben und zu empfehlen. Demensprechend gespannt bin ich auf die Vorstellung. Doch das, was ich zu hören und sehen bekomme ist aus meiner Sicht und für meine Gehörgänge leider ein völlig behäbiger und vor sich hinplätschernder mit süffisant-sehnsuchtsvollen Melodien getragener Post-(Black-)Metal, der mich so rein gar nicht mitreißen kann. Fans und Kritiker mögen es mir verzeihen aber mir ist das zu beliebig und austauschbar. Beim Festival-Samstag leider das Prädikat "Überbewertet, part l".

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harakiri for the sky

Wenn man CARPATHIAN FOREST mit "Black Shining Leather" oder dem Live-Dokument "We´re Going To Hell For This" assoziiert, dann kann man sich schon ernsthaft fragen, ob heute auf dem PARTY.SAN METAL OPEN AIR tatsächlich die selbe Band auf der Bühne steht, die einst die rohe Urgewalt und die geschmacklichen Grenzen des norwegischen Black Metals im Wortsinn bis zum Erbrechen immer wieder auf´s Neue auslotete. Sicher, ein Chaos mit wie vor 20 Jahren mit allerlei dunklen und bösen, wie auch mehr oder weniger erotischem Beiwerk auf der Bühne schockt heute niemanden mehr. Stattdessen hat sich Altmeister Nattefrost mit seinen Mannen im rockenrolligen Schwarzmetall eingenistet, der live jenseits von gut und böse, bieder, brav und ohne Biss wie Spirit rüberkommt. Da helfen auch Interpretationen und Cover von The Cure und Turbonegro nicht weiter.

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carpathian forest

Biss, den haben die Urgesteine von EXCITER nach wie vor. Zwar bin ich, mal abgesehen von "Heavy Metal Maniac" mit den Klassikern des Kanadischen Trios nicht vertraut, aber die Spielfreude und die abwechslungsreiche Speed-/Thrash Metal-Breitseite macht Lust, sich mal intensiver mit dem Backkatalog der Band auseinander zu setzen. Die nächsten "Dinosaurier" hatte ich bisher auch noch nicht auf dem Schirm. SADISTIC INTENT lärmen auch bereits seit Ende der Achtziger Jahre und liegen dabei stilistisch zwischen dem Death Metal der alten skandinavischen und amerikanischen Schule. Live kommt es mir wie eine Kreuzung aus alten Morbid Angel und Unleashed vor, wobei der Soundgenuss durch den Auffrischenden Wind ein ums andere Mal getrübt wird. Trotzdem sind die Amis eine positve Überraschung.

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pestilence

Auch PESTILENCE waren nie der ganz große Favorit in Sachen Death Metal bei mir. Ausgerechnet das progressive 1993er "Spheres", umstritten wie begnadet, landete irgendwann mal in meiner Sammlung. Wobei die Niederländer heute auf die alte und klassische Schule setzen. Das klingt hier ebenfalls nach Aufarbeitung der Diskografie und verkürzt mir die Zeit zur Ostfriesen-Todesstahl-Legende OBSCENITY im Zelt. Die Oldenburger haben ebenfalls lange warten müssen, bis ihnen in den Hallen des PARTY.SAN eine späte Anerkennung wiederfahren ist. Die deutschen Genre-Vorreiter stammen noch aus einer Zeit, in der sich technisches Gefrickel, Blastbeats, Grooves und Melodien noch nicht ausschlossen. Obscenity legen einen Death Metal - Gig hin, wie ich in einer solchen Intensität lange keinen mehr gesehen habe. Die Jungs trümmern alles in Grund und Boden und treffen dabei auf eine hungrige Meute vor der Bühne dem Quintett aus der Hand frisst. Für mich ein weiteres persönliches Highlight des Festivals.

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Auf der Hauptbühne folgt nun für viele aus meinem Umfeld "die beste Band des gesamten Festivals". Doch der Auftritt von TRIBULATION ist nicht dazu geeignet, meine persönliche Meinung von der Mucke der Schweden zu revidieren. Der tiefere Sinn und die vermeintliche Exklusivität des verspielten und rockigen Dark Metal will sich mir auch live trotz allerlei visuellem Bohei, Corpsepaint und albernem Rumgetanze nicht erschließen. Gehypt, überbewertet, beliebig, Punkt.

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Parallel dazu zeigen ESSENZ im Zelt, wie man mich in den Bann ziehen kann. Hypnotischer Black Metal in blutrot-getränktem Bühnenlicht und weihrauchgeschwängerter Atmosphäre. Manchmal ist weniger soviel mehr. Viel erwartet hatte ich dagegen ebenso wenig von den Chaoten BRUJERIA. Die Mexikaner sind nicht unbedingt bekannt dafür, eine konstante und überragende Live-Formation zu sein, auch wenn sie auf ihre Art und Weise immer intensiv sind. Aber die immer maskiert auftretenden Anarchos sind heute einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort, nutzen das Momentum und blasen dem Publikum knochentrocken und arschtight ein Death-Grind-Brett nach dem anderen um die Ohren. Simpel und ohne jeglichen Firlefanz voll auf die Zwölf. Selten hatte ich bei einem Brujeria-Konzert soviel Spaß.

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Dass es die Bembel-Thrasher und Spacebeer-Liebhaber von TANKARD im Herbst ihrer Karriere noch einmal und dann zu so später Stunde auf die Hauptbühne des PARTY.SAN METAL OPEN AIR´s schaffen, damit hätte ich nicht gerechnet. Noch weniger allerdings mit der Resonanz, die sie damit ernten. Es sei ihnen gegönnt, veröffentlichen die Frankfurter doch nach wie vor in steter Regelmäßigkeit starke Thrash-Alben, die aber in der breiten Öffentlichkeit oftmals untergehen zu scheinen. Doch heute Abend können Tankard endlich mal eine fette Ernte einfahren wohingegen die Fans einen mit Klassikern der Marke "Spacebeer", "Zombie Attack", "Freibier" und natürlich "Empty Tankard" gespikten Gig serviert bekommen. Lange war die Stimmung zum Finale des Festivals nicht mehr so ausgelassen und gelöst vor der Bühne.

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Der Schlussakt ist dann den Schweden von WATAIN vorbehalten. Die mitunter polarisierenden Nordmänner weiß ich mittlerweile zwar streckenweise auf Tonträger zu schätzen und muss ihnen so manches infernalische Meisterstück neidlos anerkennen. Allerdings war und ist mir das Gehabe und Auftreten größtenteils "over the top", so dass ich die mich nach ein paar Eindrücken vom monumentalen Bühnenbild aus dem Flammen- und Kerzenschein in den Feierabend zurück ziehe, um bei einem Absacker dem Salut der Esmiralda entgegen zu fiebern...

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 Was bleibt also vom PARTY.SAN METAL OPEN AIR 2018?

Hitze, Sandstürme, Wind und ein verschwommener Donnerstag mit bitteren Erinnerungslücken und musikalischen Aussetzern. Starke Konzerte von COFFINS, RAM, DESERTED FEAR, UNLEASHED, GORILLA MONSOON und BRUJERIA. Überraschungen durch OUR SURVIVAL DEPENDS ON US, OBSCENITY und ESSENZ sowie die Empfehlung einer zwischenzeitlichen Alkoholabstinenz bei der nächsten Ausgabe des Festivals. Ob das anlässlich des 25jährigen Jubileums im kommenden Jahr tatsächlich angebracht oder gar sinnvoll ist, werde ich im kommenden Jahr zu berichten wissen. Ansonsten war das Treffen in Schlotheim einmal mehr das alljährliche Highlight im Festival-Kalender oder wie Kollege Siggi von Torturized und vom Zephyrs Odem es treffen als das Weihnachten der Festival-Saison betitelte, dem man in jedem Jahr so sehr entgegenfiebert, wie man traurig ist, dass es dann so schnell vorbei ist, wie es begonnen hat. Ich merke gerne noch an, dass das P:S:O:A entgegen der familiären Jahresendsause jedoch ohne jegliche äußere Zwänge und nur mit den coolsten Familienmitgliedern über die Bühne geht.

In diesem Sinne sehen wir uns auch im kommenden Jahr in Schlotheim!


Weitere Stimmen zum PARTY.SAN METAL OPEN AIR 2018:

 MDR:

https://www.mdr.de/thueringen/nord-thueringen/unstrut-hainich/heavy-metal-partysan-obermehler-100.html

 Thüringer Allgemeine:

https://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Metal-mit-Sturm-Tausende-feiern-beim-Party-San-Open-Air-2020712886

 Goreminister - Aftermovie:

  

Bisher sind für das PARTY.SAN METAL OPEN AIR 2019 vom 08.-10. August die folgenden Acts bestätigt:

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TESTAMENT

SOLSTICE

CRAFT

BELPHEGOR

GUTALAX

VOMITORY

SATAN

FIRTAN

ASCENSION

 

Der Ticketpresale via cudgel Vertrieb hat bereits begonnen:

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tel.: +49 (0) 3643 495 300
fax: +49 (0) 3643 495 30 28

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Zwiebel Assault 2018 - Supported By PARTY.SAN METAL OPEN AIR:

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