Protzen 2018 Livebericht

Protzen 2018 Livebericht

Es ist Protzen Zeit. Was heißt das jetzt genau? Protzen bedeutet eine 2stündige Anfahrt, bei der die Mundwinkel immer weiter nach oben wandern und man sich mit jedem Kilometer mehr auf das Wochenende freut. Traditionell wird der Donnerstag mitgenommen, um einfach runterzu kommen und das Festival in voller Gänze genießen zu können. Die Einfahrt aufs Gelände ist super entspannt und ab hier beginnt der Wochenend Urlaub. Auf dem Caming Ground angekommen, ist es ein fröhliches Wiedersehen mit allerhand Gesichtern, die man zum Teil seit Protzen 17 nicht mehr gesehen hatte. Umso länger ziehen sich die Gespräche in die Nacht des Donnerstags. Am Freitag kmmt dann auch unser Schreiber dazu: aufgrund von der leidigen Erwerbsarbeit und den Baustellen sind wir ziemlich spät in Protzen angekommen. Gut, dass es beim Familientreffen keine Staus beim Fahren auf das Gelände oder der Bändchenausgabe gibt. Also flott das Zelt aufgestellt, zwei Willkommensbiere mit den Nachbarn verhaftet und dann ab in den Hangar.

Da spielen bereits LIFELESS, deren grundsolider Elchtod überzeugt mich live genauso wie auf Platte. Grandios liefern wieder die Malayen von HUMILIATION, die schon letztes Jahr das Zelt auf dem Party San unter die Panzerketten genommen haben. Der druckvolle, groovige Metal ist einfach großartig für ein Festival. Das Gleiche gilt für ILLDISPOSED. Auf Scheibe ist der sehr Party taugliche Death Metal nicht mein Favorit, live machen die Jungs aber immer richtig Spaß. Das sehen die Besucher wohl ähnlich, denn der Hangar feiert die Dänen einmal mehr richtig ab. Gerade weil ILLDISPOSED bereits in der Vergangenheit schon so überzeugt haben, verstehe ich nicht ganz, warum FIRESPAWN den Headliner geben. Ich finde, dass auch prominente Mucker erstmal mit neuer Band liefern müssen. Sicher sind die beiden Alben der Schweden gut. HUMILIATION und ILLDISPOSED haben da aber mehr vorzuweisen. FIRESPAWN schaffen es nicht, die Stimmung zu halten, liefern aber einen soliden Gig. Da wären ILLDISPOSED als Headliner geeigneter gewesen.

Der erste Abend klingt im Partyzelt aus, leider ist DJ Kecksgrinder irgendwann nicht mehr in der Lage, seiner Aufgabe nachzukommen. Er muss ja nicht nüchtern bleiben, zum Auflegen sollte es aber noch reichen...

Der Samstag beginnt mit Kaffee, Mettbrötchen, Rührei und CASHLEY, die Covertruppe ist perfekt für einen entspannten Start in den Tag. Der Schnack an den Händlerbuden und mit alten Bekannten gehört ja genauso zu einem Festivalbesuch. ARTLESS eröffnen heute im Hangar und machen ihre Sache recht solide. Aufgrund der frühen Zeit ist es aber noch sehr überschaubar im Publikum. Bei THORNAFIRE sieht das Ganze schon ein wenig anders aus. Und während der Gitarrist sich fast den konpletten Gig hinter seiner wedelnden sehr langen Matte versteckt, kreisen auch im Publikum die ersten Haarschöpfe.

Ein erster gelungener Farbtupfer sind INFIGHT, die mit ihrem metallischen Hardcore doch Exoten im Billing sind. Ich mag diese Mucke, die mehr Druck hat als manche Death Metal Kapelle. Das erste richtige todesmetalische Ausrufezeichen setzten die Schweizer von REQUIEM, die das hohe Niveau der letzten Scheibe locker auf die Bretter bringen. Gleich danach entern DEW SCENTED die Bühne. Die Jungs um Shouter Leif haben ja ihre Auflösung angekündigt und so freue ich mich, die Thrasher auf der Abschiedstour noch einmal mitzunehmen. Erstaunlich ist, dass die Jungs auch soundmäßig einen fetten Auftritt hinlegen, obwohl sie auf den verhinderten Bassisten verzichten müssen. Und als dann noch ´Cities Of The Dead´ gezockt wird, dass ich auf dem letzten Party San noch vermisst habe, bin ich doch etwas wehmütig wegen des Ablebens der Band. Danke und ByeBye, war immer schön mit euch.

Das kann ich von DEBAUCHERY nicht sagen. Ich mag die Band nicht, sie setzten mir zu viel und zu plump auf Effekthascherei. Ich schau mir gern eine GWAR Show an, das ist aber eine andere Liga. Und wenn man eine Frau auf dem Cover einer Death Metal Scheibe hat dann bitte wie bei PUNGENT STENCHs ´Dirty Rhythm And Psychotic Beats´ und nicht so ´ne Hochglanzmieze wie bei ´Germanys Next Death Metal´. Damit kann man am Ballermann werben. Die Musik bietet für mich auch nichts wirklich Besonderes. Da sind mir die Jungs von HUMILIATION wesentlich lieber, die liefern musikalisch ordentlich und haben beim Schnack auf dem Gelände erzählt, dass sie ein Angebot von Nuclear Blast abgelehnt haben. Sie wollen die Kontrolle behalten. So geht´s auch. Gerade wegen meiner Bedenken hab ich mir den Gig angeschaut und sehe mich leider bestätigt. Zum Glück zeigt auch Protzen, dass es um den nächsten Death Metal aus Deutschland an sich gut bestellt ist. Nun könnten mir DEBAUCHERY ja einfach egal sein, ich finde es aber ärgerlich, dass sie mit der billligen Nummer, die sie fahren, die meiste Aufmerksamkeit in der Lokalpresse bekommen, die wenig Ahnung von Musik hat aber auf doll krasse Fotos setzt. Diese Aufmerksamkeit hätte ich anderen Bands gewünscht.

Dann gings ins Partyzelt, zur 2. Halbzeit Deutschand – Schweden. Das waren wirklich undankbare Slots für DEMONICAL und JUST BEFORE DAWN. Beim würdigen Headliner ENTOMBED AD war der Hangar dann aber wieder proppevoll. Nach einer kurzen Aufwärmphase legten die schwedischen Death Metal Pioniere richtig los und überzeugten auf ganzer Linie. Ein würdiger Abschluss eines unterm Strich mal wieder sehr gelungenen Festivals, das neben den meisten Bands auch wieder durch die unglaublich entspannte Stimmung überzeugte.

Wie üblich klang der Abend dann noch mit Partyzelt und Lagerfeuer aus. Danke und bis zum nächsten Jahr.

 

 

 

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