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Rockharz 2018

  • Datum: 4. Juli 2018 – 7. Juli 2018
  • Ort: Ballenstedt Verkehrslandeplatz
  • Besucher: 20000
  • Redakteur: Thorsten Zwingelberg
Rockharz 2018

Mittwoch, 4.7.2018

Kinder wie die Zeit vergeht: zum 25. Mal findet nun das Rockharz Open Air statt. Und mittlerweile auch zum 10. Mal in Ballenstedt im schönen Ostharz. Es gibt also jede Menge zu feiern. Erstmalig konnten die Veranstalter den gesamten Verkehrslandeplatz für das Festival nutzen, so dass erstmals auch zwei Zugänge existierten. So ganz trat der erhoffte Effekt dennoch nicht ein und wir standen am Mittwoch gute 1.5 Stunden zwischen Ballenstedt und Festivalgelände im Stau. Dies hatte zur Folge, dass wir den Opener des 25. Rockharz Open Airs leider verpassten. Sehr schade, denn die Briten von MONUMENT wollte ich eigentlich unbedingt sehen und hören, da sie mich mit Alben wie „Renegade“ und „Hellhound“ begeistert hatten. So kamen wir rechtzeitig zur Show von DRONE auf das Infield.
Während des Soundchecks wurde bereits eines klar: Offenbar verfügen alle Bandmitglieder über ausgesprochen große Geschlechtsteile. Und mit eben diesen wollte Frontmann Mutz dann auch die wartenden Fans begatten. Gott sei Dank blieb es dann aber doch beim musikalischen Akt. Die Niedersachsen nutzen ihre 45 Minuten Spielzeit und hauten einen Modern Thrash Song nach dem anderen in die gusseiserne Pfanne, während die Fans vor der Bühne bei hochsommerlichen Temperaturen brutzelten und feierten.

Die hohen Temperaturen und die fortgeschrittene Tageszeit waren der Grund, weshalb ich von WINTERSTORM nicht viel mitbekommen habe. Während die Band aus Bayreuth ihre Mischung aus Power, Folk und Epic Metal über das Infield ergoss, testeten wir das kulinarische Angebot und die Getränkestände. Dass der Heavy Metal mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, erkennt man nicht nur daran, dass man sich im Mutantenstadl bedienen lassen kann, sondern auch daran, dass sich die bösen Rocker des Nachts in ihrem Hotel über Ruhestörungen durch Schlagerfans beschweren sowie daran, dass ich noch nie auf einem Festival so viele (Kleinst-)Kinder gesehen habe wie auf diesem Rockharz. Bin gespannt, ob es im nächsten Jahr eine Kita geben wird. Dass sich ein Säugling wirklich an den Mittelalter-Rockern von BANNKREIS erfreuen kann, wage ich zu bezweifeln. Die zahlreichen Mittelalterfans hingegen schon. Tja, darf man die Band um Multi-Instrumentalistin Johanna Krins als Nebenprojekt von SUBWAY TO SALLY bezeichnen? Ich weiß es nicht. Ich finde ja, Delia sieht es anders. Fakt ist jedenfalls, dass neben Eric Fish am Mikro auch Bodenski, Simon Michael und Ingo Hampf bei Subway in Lohn und Brot stehen. Stilistisch orientiert man sich am 90er Jahre Sound von SUBWAY TO SALLY und entsprechend schunkelte die Fangemeinde auch vor der Bühne mit. Insgesamt ein durchaus unterhaltsamer Auftritt und so oder so wird man behaupten können, dass man zu den Ersten gehörte, der die Band auf der großen Bühne gesehen hat. Weitere Auftritte in Wacken und beim Mera Luna folgen.

ROSS THE BOSS jagt natürlich jedem truen Metaljünger einen epischen Schauer durch den Baumwollschlüpper, immerhin hat der New Yorker Ross Friedman mit MANOWAR sechs Alben aufgenommen. Dementsprechend würde man wohl auch lügen, wenn man behaupten würde, dass die Fans vor der Bühne gekommen waren, um Songs von den ROSS THE BOSS Alben zu hören. Nein, die Metalheads waren scharf auf MANOWAR Klassiker. Mittlerweile ist mit dem Ami Marc Lopes ein neuen Sänger an Bord. Und auch wenn man das Gefühl hatte, dass sich der Lockenkopf zu sehr im hinteren Teil der Bühne verstecke, so war er stimmlich doch durchweg präsent und lieferte einen richtig guten Job ab. Klar, dass Songs wie „Fighting the World“, „Blood of my Enemies“, “Battle Hyms” oder „Hail and Kill“ richtig abgefeiert wurden.

Mittlerweile ging die Sonne über dem Metal-Zeltlager des Rockharz unter und es wurde Zeit für den ersten Headliner des Festivals: KREATOR! Seit fast 20 Jahren sitzt die in Essen gegründete Band um Frontmann Mille ja wieder fest auf dem Thrash Metal Thron. Ebenso lange gab es keine Veränderungen im Line Up mehr, so dass es durchaus verständlich ist, dass die Band sich vor allem auf Songs seit dem „Violent Revolution“ Album konzentrierte. Aus der Pre-Yli-Sirniö Zeit wurden am heutigen Abend lediglich „Plessure to Kill“, „Flag“ of Hate“ und „People of the Lie“ gespielt. Natürlich sind Songs wie „Enemy of God“, „From Flood Into Fire“ oder „Hordes of Chaos” mittlerweile die Visitenkarte der Band, dennoch macht sich bei mir eine gewisse Enttäuschung darüber breit, dass “Extreme Aggressions” mit gar keinem Song bedacht wurde. Ob es anderen wohl auch so ging? Doch das war auch schon fast der einzige Kritikpunkt, denn das Quartett legte von der ersten Sekunde an mächtig los. Mille sparte sich lange Ansagen und stattdessen brettern die Jungs durch die Playlist, während die Bühne in ein wahres Lichtermehr verwandelt wurde. Leider war der Sound mitunter etwas undiffiniert – jedenfalls rechts neben der Bühne – und Ventors Drums klangen teilweise wie von einem MINISTRY Album, während vom Gesang oder den Riffs nur ein Brei zu hören war. Trotzdem waren KREATOR definitiv ein würdiger erster Headliner und ein Höhepunkt des ganzen Festivals!

 

Donnerstag, 5.7.2018

 

Ein gutes Festival beginnt mit einem guten Frühstück. Entsprechend sind wir erst zu den letzten Tönen von DIABLO BLVD. wieder auf dem Infield angekommen. Zu spät also, um SKALMÖLD zu sehen – leider –, aber früh genug, um die GRAILKNIGHTS nicht zu verpassen.
Nachdem die hannoverschen Superhelden in den vergangenen Jahren ein wenig auf dem Besetzungskarussell gefahren sind, präsentierten sich Sir Optimus Prime und seine Gefährten bei strahlendem Sonnenschein und tropischen Temperaturen in bester Spiellaune. 45 Minuten blieben den fünf Superhelden für ihre Mischung aus melodiösem Power- und Death Metal. Nun wird man sich über die Superheldenkostüme – die stellenweise an die Garderobe früher Batman-Serien erinnern – streiten dürfen, aber mir haben die Jungs gefallen: Eingängige Songs, gute Bühnenshow und viel Spielfreude. So kann es weitergehen.

Allerdings kamen die niederländischen GOD DETHRONED schon eine ganz Ecke ernsthafter rüber. Mit dem neuen, starken Album „The World Ablaze“ im Gepäck enterte das Quartett die Dark Stage und konnte eine recht ansehnliche Metalmeute vor der Bühne versammeln. Zwar wurde das neue Album mit dem Titeltrack und „Annihilation Crusade“ bedacht, ich hatte jedoch auf die erste Single „On the Wrong Side of the Wire“ gehofft. Leider vergeblich. Aber bei mittlerweile elf Alben wird die Auswahl natürlich irgendwann schwer. Unterm Strich blieb eine kraftvolle Death Metal Show ohne große Überraschungen. Weiter ging’s mit den Mittelalterrockern LETZTE INSTANZ. Nun gehört Mittelalterrock nicht zu meinen Lieblingsgenres, aber LETZTE INSTANT kann man ertragen. Im Verlauf des Festivals hörte man allerdings an verschiedenen Ecken des Infields Kritik an der hohen Zahl von Mittelalterbands in diesem Jahr. Wie auch immer. Die Dresdner gaben von Anfang an Vollgas, Frontmann Holly sieht nach wie vor nicht wie ein Mittelalter-Sänger aus, was ich auch nicht schlimm finde. Blickfang war sicherlich Cellist Benni. Manchmal war man versucht zu glauben, dass der Herr an ein Starkstromkabel angeschlossen war. Die Fans schienen begeistert und ich fühlte mich nach einer knappen Stunde jedenfalls gut unterhalten. PRIMAL FEAR konnte ich nur aus der Ferne vom Tagesparkplatz verfolgen. Die Süddeutschen um Mat Sinner konnten an diesem Donnerstag jedenfalls den längst überfälligen Metal-Farbtupfer setzen und als Frontmann Ralf Scheepers seine Metalsirene erklingen ließ, pilgerten die Headbanger auch brav vor die Dark Stage, um die Matte zu schütteln. Der Sound war – zumindest aus der Ferne – nicht immer ideal. Dennoch brachen die Herren heute mit Songs wie „In Metal We Trust“, „Chainbreaker“ oder dem finalen „Metal is Forever“ eine Lanze für den traitionellen Metal á la JUDAS PRIEST & Co. Gefällt!

Auch EQULIBRIUM habe ich nur aus sicherer Entfernung gehört. Wie sich später zeigte, wurden den Jungs am Ende der Saft abgedreht. Aber bis dahin klang es gut. Gespannt war ich auf SODOM. Meine letzte ROCKHARZ Erinnerung an SODOM geht zurück in eine Zeit als das Festival noch in Osterode stattfand und der damalige Drummer Bobby in einem amerikanischen Schnellrestaurant in einen Streit über kostenlosen Ketchup geriet. Ketchup gab es heute auch nicht, dafür aber eine kostenlose Fleischbeschau. Alt-Neu-Gitarrist Frank hatte offenbar sein Shirt noch in der Reinigung und betrat als erster die Bühne. Gefolgt wurde er nach kurzem musikalischem Intro von Bandkopf Tom, Drummer Husky und Gitarrist Yorck Segatz sowie einer Reihe Uraltsongs aus den Tiefen der Bandgeschichte. Wenn ich mich nicht verhört habe waren „Agent Orange“ und „Remember The Fallen“ so ziemlich die neusten Songs auf der Playlist – und die stammten immerhin aus dem Jahr 1989. Nur „The Saw is the Law“ war noch jüngeren Datums. Dafür gab es ein wahres Freundenfest für alle Freunde der Anfangstage der Ruhrpottthrasher: „Sodomy And Lust“, „Nuclear Winter“, „Outbrek of Evil“, „Christ Passion“, „Blasphemer“. Da kann auch ein 70er Jahre Vorwerkstaubsauger ohne Schalldämpfer kaum mehr kakophonische Glücksmomente erzeugen. Zum Abschluss gab es „Bombenhagel“, so dass ich wie ein begossener Pudel zurückblieb. Wenn so die Frischzellenkur bei SODOM aussieht, dann aber gute Nacht. Zwar verstehe ich den Gedanken hinter der Playlist – allerdings erklärt der nicht, weshalb man „Bombenhagel“ spielt und nicht lieber „Ausgebombt“ oder „Stalinorgel“ –, dennoch war ich enttäuscht vom Auftritt der Altmeister des deutschen Thrash. Bei der Setlist kam man sich ohne Patronengurt und automatische Waffe fast schon underdressed vor. Und so ganz schlecht waren die letzten 18 Jahre musikalisch nun auch nicht. Während viele Oldschooler erfreut gewesen sein dürfen, spreche ich wohl noch einige Sitzungen mit meinem Therapeuten über diese Show.

Etwas Linderung brachten AMORPHIS, auf die ich mich ebenfalls gefreut habe. Meine letzten Liveerfahrungen mit den Finnen liegt wohl in den Jahren vor dem Logo-Relaunch Mitte der 90er Jahre. Ob beim Wacken oder im Capitol in Hannover, die Band hatte seinerzeit stets mit miesem Sound zu kämpfen und einen wahrlich schlechten Ruf als Liveband. Insofern war ich gespannt, was die Jungs um die Axtmänner Tomi Koivusaari und Esa Holopainen anno 2018 zu bieten haben würden. Los ging es bei strahlendem Sonnenschein mit dem Opener des aktuellen Longplayers „Queen of Time“: „The Bee“.
Mit „The Golden Elk“, „Wrong Direction“, „Heart of the Giant“ und „Daughter of Hate“ war das Album gut in der Playlist vertreten. Ich wünschte, dass man das auch über das Jahrhundertalbum „Tales from The Thousand Lakes“ hätte sagen können. Mit „The Castaway“ gab es gerade mal einen Song – Hits wie „Black Winter Day“, „Into Hiding“ und „Drowing Maid“ fehlten. Enttäuschend. Trotz dieses Makels und einem nicht immer perfekten Sound gelang es Frontmann Tomi Joutsen und seinen Mitstreitern die Fans und auch mich zu begeistern. Fazit: AMORPHIS sind 2018 deutlich besser als im 20. Jahrhundert.

Um 21.40 Uhr stand der nächste Mittelalter-Act auf der Bühne: SCHANDMAUL. Trotz vehementer Empfehlungen aus dem Freundeskreis kann ich mit dieser Band nichts anfangen – noch weniger als mit anderen Mittelalterkapellen. SCHANDMAUL versammelten eine ansehnliche Meute vor der Dark Stage doch so wirklich düster erschienen mir die Bayern nicht. Einerseits nervt Frontmann Thomas zwar nicht – wie viele Genrekollegen – durch übertriebene Betonungen oder rollende Rs, dafür klingt die Band aber irgendwie eher nach einer Mischung aus Rolf Zuckowski und Peter Maffey. Nun gut. Ein Song wie „Walpurgisnacht“ durfte im Harz natürlich nicht fehlen und mit „Bunt und nicht Braun“ wurde ein politisches Statement gesetzt. Insgesamt ein erträglicher Auftritt, ne Stunde Tankard wäre mir aber lieber gewesen.

Kurz vor Elf war dann die Zeit für den heutigen Headliner gekommen: POWERWOLF. Die Wölfe hatten ihr neues Album „Sacraments of Sin“ im Gepäck, boten ihren Jüngern jedoch vor allem Altbekanntes. POWERWOLF liefern tatsächlich eine großartige Show ab. Zahlreiche Backdrops, die ausgefeilten Bühnenoutfits, gute Choreographie, Explosionen und Feuer: Die Wölfe ziehen an diesem Abend alle Register.
Neben den optischen Highlights konnte die Band auch musikalische Akzente setzen. Der letzte Auftritt beim ROCKHARZ war kurz vor der Veröffentlichung des „Blood of the Saints“ Albums und fand damals noch am Nachmittag statt. Drei Alben später füllen die Brüder Greywolf & Co die Rolle des Headliners perfekt aus. Mit „Blessed & Possessed“, „Resurrection by Errection“, „Amen & Attack“, „Fire & Forgive“ und “Werewolfs of Armenia” wurden zahlreiche Klassiker durch die Boxen geballert. Leider fehlte „Catholic in the Morning…“, welches gerne statt des eher schwachen „Lust for Blood“ in die Playlist gekonnt hätte, dafür steigerte sich die Band mit „Sanctified With Dynamite“ und „We Drink Your Blood“ zum wahren Höhepunkt. Und mit dem Ende der Show war klar, dass es schwer werden würde diese Show an den kommenden Tagen zu toppen. POWERWOLF gehörten ohne Zweifel zu den absoluten Höhepunkten des Festivals – eine Professionalisierung, die sich auch zunehmend im Umgang mit der Untergrundpresse zeigt – leider im negativen Sinne!

Freitag, 6.7.2018 

Der Freitag startete Abwechslungsreich mit so unterschiedlichen Kapellen wie AEVERIUM, OBCURITY, den Lieblingen des Kollegen Lison ANNISOKAY, den Düsterpunker THE OTHER und den Melancholierockern EVERGREY. Wir kamen rechtzeitig, um CREMATORY auf der Dark Stage zu sehen. Hier passten Bühne und Band auch tatsächlich zusammen, denn CREMATORY haben sich in den letzten Jahren ja irgendwie immer mehr in die düstere Gothic-Ecke entwickelt und passen vielleicht besser auf das MERA LUNA als auf eine Metal-Festival. „Salvation“ vom aktuellen Album „Oblivion“ beweist dies eindrücklich. Nun war ich ohnehin nie ein großer Fan der Band, sondern konnte mich nur für das Album „Awake“ sowie die Evergreens „Shadows of Mine“ und „Ist es wahr“ erwärmen. Beide Songs fehlten auf der Playlist, genauso wie „For Love“. Stattdessen wurden u.a. „Shadowmaker“ und „Tears of Time“ runtergezockt. Die Performance war routiniert und okay, aber letztlich kein unvergesslicher Auftritt – jedenfalls für mich. Irritierend ist auch, dass Frontmann Felix offenbar in bester OZZY-Manier ohne Textbuch nicht durchs Set kommt.

Da waren AMARANTHE doch von ganz anderem Kaliber. Auf die Schweden, die ich noch nie live gesehen hatte, habe ich mich am meisten gefreut. Und es sollte sich zeigen, dass die Veranstalter mit dem „Einkauf“ der Truppe definitiv ein gutes Händchen bewiesen haben. Mit dem Opener „Maximize“ vom aktuellen Album „Maximalism“ konnte Sechser die Bühne und das Infield sofort in seinen Bann ziehen. Das Trio Nils Molin (der im letzten Jahr Jake E. Lundberg ersetzt hatte), Henrik Englund Wilhelmsson und Elize Ryd füllte die Bühne von der ersten Sekunde an aus und strahlte fast mehr Energie aus als die brennende Julisonne. Mit „On The Rocks“ ging es aktuell weiter – das umstrittene „That Song“ sparte man sich. Wäre live allerdings interessant gewesen. „Digital World“ leite zum brachialen „Dynamite“ über, bevor es mit „1000000 Lightyears“ den ersten Superhit gab. Grandioser Song, grandiose Performance! Mit „Invincible“ wurde den Fans kaum Zeit zum Durchatmen gegeben. Erst mit dem langsamen, aber doch genialen „Amaranthine“ gab es eine kurze Verschnaufpause im Modern Metal Zirkus. Das Ende der Show kam viel zu früh und mit „Hunger“, „Drop Dead Cynical“ und „The Nexus“ sogen die Schweden nochmal alle Register. Ich bin bekanntlich kein Modern Metal oder Metalcore Fan, aber AMARANTHE holten sich an diesem Freitag ohne Probleme den Pokal für die beste Band des Tages. Und wie sich zeigen sollte, konnte auch im weiteren Verlauf des Festivals keine Band an die energiegeladene Performance von Elize und ihren Jungs herankommen. AMARANTHE ist gelungen, was vielen Bands nicht gelingt: sie haben das  Publikum mit ihrem Auftritt bestens unterhalten. Alle Daumen hoch für AMARANTHE!

An diesem Freitag gab es kaum Zeit, um einmal durchzuatmen: BATTLE BEAST luden vor die Dark Stage. Für mich war es das erste Mal, dass ich die Band nach ihrem Zerwürfnis mit Anton Kabanen wieder live gesehen habe. Frontbiest Noora Louhimo konnte die Fans von der ersten Sekunde an in ihren Bann ziehen – und genügend gutes Songmaterial hatte die Band natürlich auch im Gepäck. Mit Songs wie „Straight to the heart“ und „Black Ninja“ wurde den Fans ordentlich eingeheizt. Highlight war natürlich „Out of Control“. Positiv war auch, dass die Songs live wesentlich härter klingen als auf CD, wo die Produktion ja oft eine etwas poppigere Note einfließen lässt.
Und während die FINNTROLL Fans schon mit den Hufen scharten, waren die BATTLE BEAST Fans im Land der Glückseligkeit, denn ihre Heros hörten einfach nicht auf zu spielen, obwohl 18.40 schon längst verstrichen war. Der Grund: ENSIFERUM schafften es nicht rechtzeitig zu ihrem Auftritt, so dass einige Zeit überbrückt werden musste. Davon profitierten dann auch die finnischen Folk Metaller FINNTROLL, die ihren Set ebenfalls etwas ausdehnen konnten. Fans der Band erfreuten sich an Songs wie „Drap“, „Blodsvept“, „Trollhammaren“ oder „Under bergets rot“. Wir trollten uns erstmal zum Auto und genehmigten uns einen ersten Snack, um für den Abend gerüstet zu sein. Und zum Entschleunigen war die halbe Stunde Spielpause auf den Bühnen auch mal ganz nett. ENSIFERUM schafften es nämlich nicht rechtzeitig und so wurde ihr Auftritt kurzerhand in die Nacht verlegt.

Mit ALESTORM wurde dann das Abendprogramm des ausverkauften Freitags eingeleitet und die Schotten boten erwartungsgemäß feinsten Piraten Metal. Neben neueren Songs wie „Mexico“, „Fucked with an Anchor“ und dem Titelsong des aktuellen Longplayers „No Grave But the Sea“ wurden auch Stimmungssongs wie „Wooden Leg“ und „Shipwreck“ dargeboten. Ein Highlight für die partywilligen Fans war natürlich die Coverversion von „Hangover“… Oh oh oh oh oh, I'm on the roof… Tja, guter Auftritt.

Mit EISBRECHER kam nun etwas NDH ins Programm am Fuße der Teufelsmauer – ein Zugeständnis an den Musikgeschmack des Ostharzes? Wie auch immer, es war ziemlich voll vor der Dark Stage und der MEGAHERZ Ableger heizte den Fans (z. T. wohl extra angereiste Tagesgäste) mit ihrem brachialen Deutschrock ordentlich ein. Zeit für einige Kuttenträger, um sich die Verkaufsstände nochmal genauer zu betrachten.

Um kurz vor Elf war dann die Zeit für den heutigen Headliner HAMMERFALL gekommen. Die Schweden hatte – passenderweise – eine „Harz on Fire“ Show angekündigt. Die Erwartungen waren hoch. Ursprünglich war die Power Metal Band ja ein Projekt von IN FLAMES Klampfer Jesper Strömblad und Oscar Dronjak, der damals noch bei der Death Metal Band CRYSTAL AGE klampfte. Das hatte sich nach den schnellen Erfolgen mit HAMMERFALL jedoch bald erledigt und 1997 löste „Glory to the Brave“ einen wahren True Metal Boom aus – und leitete für das Label Nuclear Blast eine neue Ära ein. Wie auch immer, Frontmann Joacim und seine Jungs stürmten die Bühne und feuerten ihr True Metal Feuerwerk ab.
Und getreu dem heutigen Motto, knallte und loderte es an allen Ecken und Enden der Bühne und sogar der Mischertürme. Das war dann aber auch tatsächlich schon der Höhepunkt der Show. Zwar zeigte sich vor allem Oscar durchaus spielfreudig, aber insgesamt wirkte die Band sehr routiniert und statisch. Die Songauswahl war für meinen Geschmack nicht wirklich gelungen und nachdem gerade der Geburtstag des Debüts mit Re-Release usw. gefeiert wurde, fehlten mit Songs wie „The Dragon lies Bleeding“ oder „Steel Meets Steel“ in der Playlist. Natürlich gaben auch Songs wie „Hammer High“ oder „Last Man Standing“ genügen Anlass zum headbangen, trotzdem vermisste ich z.B. „Templars of Steel“. Mit dem obligatorischen „Hearts on Fire“ fand die Band zumindest ein versöhnliches Ende. Fazit: Mit den Headlinern der Vortage konnten HAMMERFALL nicht mithalten. Ihr Auftritt lebte vor allem von der Feuershow, die aber auch jeden anderen Auftritt des Festivals aufgewertet hätte. Die Band selbst konnte mich mit ihrer Show nicht überzeugen. Schade.

Der Abend klang dann mit VERSENGOLD, EISREGEN und ENSIFERUM aus. Da haben wir uns aber schon ins Bettchen verzogen, um für den finalen Tag gerüstet zu sein. 

Samstag, 7.7.2018

Während die Sonne auch an diesem Vormittag wieder auf die schwarzen Seelen des ROCKHARZ 2018 niederbrannte, schoben AHAB ihren Funeral-Doom durch die Boxen. Die nach Käpt’n Ahab benannte Band hatte zur frühen Mittagszeit die Netze ausgeworfen, um ihre Jünger vor der Bühne zu versammeln und womöglich noch neue Fans hinzuzugewinnen. Ich glaube, dass ich noch nie einen Song der Band – die sonst in Begleitung von Bands wie DORNENREICH ihr Unwesen treibt – gehört habe. Und auch um 13.10 Uhr musste ich feststellen, dass ich wohl kein Funeral-Doom Fan werde.

Erster Pflichttermin am Samstag waren die Österreicher von SERENITY Frontmann erklimmt stimmlich ebensolche Höhen wie so mancher seiner bergsteigenden Landsläute und an der Spielfreude der Band änderte auch das pralle Sonnenlicht nichts. Dass es mit dem Opener „United“, mit „Hero“ und „Lionheart“ gleich drei Songs des aktuellen Albums gab verwunderte kaum. Am Napalm Records Stand wurde anschließend sogar das passende Shirt für 5€ verramscht – allerdings ist das Coverartwork im Vergleich zu manch älterer Scheibe auch nicht besonders inspiriert. „Codex Atlanticus“ wurde immerhin mit zwei Songs („Spirit in the Flesh“ und „Inquity“) bedacht, während „Fallen Sancuary“ mittels „Rust of Coming Ages“ gewürdigt wurde. Das Beste hoben sich die Österreicher für das Ende auf und da bekamen die Fans „Legacy of Tudors“ vom genialen „War of Ages“ Album geboten. In der bratenden Mittagssonne bemühten sich zwar keine Massen vor die DARK STAGE, aber doch eine recht ansehnliche Menge Musikfans mit gutem Geschmack. Die Art von progressivem Melodic Metal der sich SERENITY verschrieben haben ist live – und gerade auf so einem Festival – wohl immer eine etwas schwer verkäufliche Kost. Das bierlaunige Partyvolk feiert simple Uftata-Bands leider mehr ab als so qualitativ hochwertige Kapellen wie SERENITY. Egal, denn ich fand den Auftritt der Truppe sehens- und hörenswert. Gerne mehr davon.

Kinder, wie lange liegt es zurück, dass ich SKYCLAD live gesehen habe. Jüngst sind ja die alten Klassiker der britischen Vorzeigeband neu aufgelegt worden und mit „Forward Into The Past“ haben die Damen und Herren ja auch ein recht aktuelles Album im Gepäck gehabt. Um 14 Uhr, also genau dann wenn der gute deutsche Kleingartenmetaller die Füße hochlegt, erklommen die Briten die Bühne. Mit den beiden SATAN Musikern Steve Ramesy und  Graeme English sind ja zwei Gründungsmitglieder in den Reihen der Band und auch der Rest der Truppe ist im Grunde schon recht lange dabei. Trotzdem wurde mir recht schnell klar, dass die gewisse Magie eines Martin Walkyier fehlte. Hinzu kam wohl, dass die Truppe doch besser in der verrauchten Gemütlichkeit eines Irish Pubs aufgehoben ist als auf der sonnenüberfluteten Festivalbühne. Ohne Frage hatten SKYCLAD mit Songs wie „Spinning Jenny“, „The Parliament of Fools“ oder „Penny Dreadful“ einige Gassenhauer sowie auch neue Songs im Gepäck, doch wirklich überzeugend war das Herumgehopse der Folk-Metal Veteranen nicht. Irgendwie konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Band als Headliner beim Straßenfest oder als Überraschungsgast beim Sommerfest der städtischen Musikschule besser aufgehoben gewesen wäre. Den Leuten hat es trotzdem gefallen, ich zog mich etwas enttäuscht zurück.

TROLLFEST und AVATARIUM gaben dann den Soundtrack zur Mittagspause ab. Kleiner Snack, ein kühles Getränk und auf geht’s zu einer weiteren Runde durch die Shoppingmeile. Aus der Ferne klingen AVATARIUM auch durchaus sehr annehmbar. Entgegen anderslautender Gerüchte aus dem Mund einiger Szenegrößen stammt die Band auch nicht aus Wolfenbüttel, sondern aus Stockholm.

„Schon wieder Kostüme.“ hat sich so mancher Purist gedacht. Doch eine große Mehrheit der Rockharzer hatte den Auftritt der Heroic Fantasy Power Metaller GLORYHAMMERsehnsüchtig erwartet. Die 2010 von ALESTORM Frontmann Christopher Bowes gegründete Band nahm die Bühne im Sturm. Angus McFife XIII, Prince of the Galactic Empire of Fife, seines Zeichens “Voice Modulated Star Nucleus”, hat nicht nur einen bescheuerten Bühnennamen, sondern auch ein grenzwertiges Kostüm, trotzdem versprühte der sonnenbebrillte Frontmann jede Menge Energie und gute Laune.
Mit Songs wie „Legend of the Astral Hammer“ oder dem Hit „Hollywood Hootsman“ gelang es den Schotten im Handumdrehen die Fans in einen brodelnden Mob zu versetzen. Die Band verstand es einfach Melodie und Heavyness in mitreißender Art und Weise zu verbinden, so dass an Langeweile gar nicht erst zu denken war. Bisher der überzeugendste Auftritt am Samstag.

Die GOITZSCHE FRONT war dann vielleicht das nächste Zugeständnis an die ostdeutschen Festivalbesucher. Jedenfalls schossen am späten Nachmittag plötzlich überall Deutschrocker mit entsprechenden Shirts aus der Sandwüste, die mal der Ballenstedter Verkehrslanddeplatz war. Und der BÖHSE ONKELZ inspirierte Deutschrock der Bitterfelder Band kam an. Für 45 Minuten dröhnten Songs vom Leben des kleinen Mannes, Blut, Schweiß und Streetcredibility über die Felder Sachsen-Anhalts. Da ich bislang mit dem Material der Jungs kaum Kontakt hatte, kann ich nicht wirklich qualifiziert über die Qualität des Auftritts urteilen. Aus der Entfernung schien die Band um Frontmann Maxi jedenfalls alles richtig gemacht zu haben. Mitgröl-Musik für die Massen.

Der erste große Metalmagnet des ausverkauften Samstags war zweifellos die Bay Area Thrash Legende EXODUS. Während sich Klampfer Gary Holt weiterhin mit SLAYER vergnügt, thrashten sich Steve Souza & Co freudig durch deutsche Lande und gastierten nun also auch in Ballenstedt. Den Gitarrenposten an der Seite von Lee Altus übernahm ein weiteres Mal sein HEATHEN Mitstreiter Kragen Lum, der optisch auch gut ins Line Up passt. Mit wehenden Haaren und jeder Menge Spielerfahrung donnerte der kalifornische Fünfer neues und altes Material durch die Boxen, z. B. „Blood In, Blood Out“, „And then there were none“ oder „A Lesson In Violence“. Der Höhepunkt der Show war natürlich der Schluss mit Klassikern wie dem genialen „Blacklist“, „Toxic Waltz“ und „Bonded By Blood“. Wieder einmal bewiesen die Amis weshalb sie seit so vielen Jahren zur Speerspitze des internationalen Thrash Metal gehören. Trotz einer gewissen Routine auf der Bühne versprühte die Band doch auch Spielfreude und am Ende war klar: Für diese zentnerschweren Riffs müssen die Jungs im Flugzeug sicher Übergepäck bezahlen.

Fünf Minuten Zeit für den Seitenwechsel und schon warfen CANNIBAL CORPSE den Motor an, um die zahlreichen Death Metal Fans vor der Dark Stage einfach überzuwalzen. In den fordersten Reihen vor der Rock Stage waren diverse Die Hard Fans auszumachen und diese lechzten nur so nach Blut und Gedärmen in musikalischer Form. Und „Corpsegrinder“ & Co enttäuschten die hungrige Meute nicht. Gesprochen wurde wenig, stattdessen ging es mit Hochgeschwindigkeit durchs Set und Frontgrunzer „Corpsegrinder“ stellte den Haarventilator an und brüllte aus tiefster Brust ins Mikro.
Wie ein eingespieltes Formel 1 Team ballerten sich Alex Webster (Bass), Paul Mazurkiewicz (Drums) & Co durch ein Set, welches (so gut es ging) die 14 Studioalben der Bandgeschichte wiederspiegelten: Von jüngeren Songs wie „Only One Will Die“ oder „Red Before Black“ bis zum obligatorischen „Hammer Smashed Faced“ prügelte man sich quer durch die Bandgeschichte. Für Fans ein Hochgenuss bei tropischen Temperaturen, für all diejenigen die mit dem Songmaterial der Amis nicht so vertraut sind, eine höllische Kakophonie jenseits der Schallmauer. Ohne Zweifel der brutale Höhepunkt des diesjährigen ROCKHARZ OPEN AIR.

Ohne Zweifel dürften einige der eher gemäßigten Fans an diesem frühen Abend das Gefühl gehabt haben, der Apokalypse ins Auge geschaut zu haben. Dementsprechend passte der Auftritt der APOKALYPTISCHEN REITER zeitlich bestens ins Programm. Mit „Der Rote Reiter“ hatten die Thüringer im vergangenen Jahr ihre höchste Chartsplatzierung feiern dürfen. Mit entsprechend gestärkter Brust warfen sich die Herren ins Gefecht und ballerten den Fans vor der Bühne erstmal den Opener des aktuellen Albums um die Ohren. Mit Songs wie „Der rote Reiter“, „Auf und Nieder“ oder „Franz Weiss“ gab es dann auch noch eine Reihe anderer aktueller Songs. Mit „Reitermania“ und dem abschließenden „…vom Ende der Welt“ ging man bis zum „All You Need Is Love“ Album zurück. Die Performance der Band war gewohnt stark und auch wie gewohnt skurril. Den Fans hat es auf jeden Fall gefallen.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit war die Zeit reif für die Pioniere des Gothic Death Metal von PARADISE LOST. Während der Kollege Lison schon beim Aussprechen des Namens schwitzige Hände bekommt, konnte mich die Band seit „Icon“ eigentlich nicht mehr so richtig begeistern. Mit „Host“ ging die Band musikalisch durch ein tiefes Tal und ich ging seinerzeit an ihrer Seite und kämpfte mich durch die dazugehörige Tour – im Vorprogramm darkwavten seinerzeit KREATOR. Schön war es nicht, aber die Zeiten sind ja vorbei. Trotzdem konnten mich PARADISE LOST das letzte Mal live so richtig überzeugen als sie als Support auf SEPULTURAs „Chaos A.D.“ Tour die Music Hall in Hannover erschütterten. Entsprechend paarte sich an diesem Abend Spannung mit Vorfreude auf den Gig der Briten. Los ging es mit „No Hope In Sight“ vom „The Plague Within“ Album, bevor sich Holmes & Co durch „Blood and Chaos“ vom aktuellen Longplayer „Medusa“ quälten. Gitarrist Aaron Aedy schunkelte sich verzückt dreinschauend durch seine Riffs, während Basser Steve Edmondson und Klampfer Gregor Mackintosh mit schmerzverzerrten Gesichtern herumstanden.
Frontmann Nick Holmes schien sich mindestens so sehr zu langweilen wie ich mich bei der Setlist der Band. „Gothic“ oder „Eternal“ hatten es erst gar nicht in die Playlist geschafft, ebenso wenig Highlights wie „Mortals Watch The Day“ oder „Pity The Sadness“. Da konnte auch „Forever Failure“ vom „Draconian Times“ Album wenig Land wieder gutmachen. Hätte es an diesem Abend eine Vorspultaste gegeben, so hätte man getrost zum Ende es Sets vorspulen können. Hier zeigten die Engländer, dass sie einmal zur Sperrspitze ihrer Zunft gehört hatten: Mit „Embers Fire“ vom genialen „ICON“ Album und „As I Die“ wurde das Set beendet und ich wurde zumindest mit diesen knapp 10 Minuten für eine knappe Stunde Langeweile enttäuscht. PARADISE LOST beim ROCKHARZ 2018 waren ungefähr so spannend wie eine Doppelstunde Lateinunterricht am letzten Schultag. Den Gesichtsausdrücken nach zu urteilen sah die Band dies genauso.

Nach den eher melancholischen Tönen von PARADISE LOST lud die Dark Stage zum Kontrastprogramm mit KNORKATOR. Mit ihrem Debüt „The Schlechst of“ konnte ich mich Ende der 90er ja noch irgendwie arrangieren. Doch anno 2018 musste ich feststellen, dass ich mit dem Blödel Metal der einstigen ESC Kandidaten nicht mehr viel anfangen kann. Das bierseelige Publikum sah dies glücklicherweise zu weiten Teilen anders und feierte die Berliner ordentlich ab. Für mich reduzierte sich der hörenswerte Teil der Setlist auf „Böse“, mehr hätte ich eigentlich nicht gebraucht. Der Tiefpunkt der Show war bei der Tourette-Extended Version von „Ich will nur ficken“ erreicht. Als jemand der den flachländischen Humor von Leuten wie Fips Asmussen sehr zu schätzen weiß, kann man mir sicherlich nicht vorwerfen zu anspruchsvoll zu sein, aber ich fand KNORKATOR irgendwie nur medium lustig – und damit meine ich gar nicht. Und fürs nächste Jahr wurden nun auch noch J.B.O. angedroht. Dieser Wahnsinn muss doch irgendwann mal ein Ende haben. Es ist ja nicht so, als gäbe es nicht auch genügend gute Rock und Metal Bands. Also dann doch lieber Helene Fischer, die sieht wenigstens nocht gut aus bei dem was sie tut.

Ticket-Kauf-Grund Nr. 1 für viele Samstagsgäste waren natürlich nicht KNORKATOR, sondern die Schweden von IN FLAMES. Zugegeben hat mich „The Jester Race“ 1996 aus den Puschen gehauen und ich habe der Scheibe damals im NO COMPROMISE ohne zu zögern die Höchstnote verliehen. Damit war meine Begeisterung für die Göteborger aber auch schon wieder zu Ende. Die letzte Begegnung mit Anders Fridén liegt dementsprechend auch schon mehr als ein Jahrzehnt zurück. Doch genug der Vorrede. Als die Schweden die Bühne betraten versprühten sie sofort mehr Energie als ein Atomkraftwerk, allerdings zog die schrille Lichtshow wohl auch mindestens genauso viel Strom. Auf der Playlist standen Songs wie „My Sweet Shadow“, „Pinball Map“, „Delight and Angers“ oder „Everything’s Gone“ – hatte ich alle noch nie gehört. Kein Wunder, denn weiter zurück als zum „Clayman“ Album ging man an diesem Abend auch nicht. Fazit: IN FLAMES erwiesen sich sicherlich als würdiger Headliner des Samstags. Ungeachtet jeglicher Vorurteile oder meines Desinteresse an der Band musst man der Truppe doch neidlos anerkennen, dass sie einen wirklich kraftvollen Auftritt hingelegt haben, der von der grellen Lichtshow passend in Szene gesetzt wurde. Enttäuschte Fans dürfte es an diesem Abend jedenfalls nicht gegeben haben. Musikalisch sind sie nicht mein Ding, aber einen Achtungserfolg muss ich den Schweden doch zugestehen. Nicht schlecht.

 Für 2019 sind bereits wieder große Namen angekünigt: Neben CRADLE OF FILTH oder WINTERSUN kehren auch die New Yorker Thrasher von OVERKILL zum Rockharz zurück. Wird also wieder gut.

Thorsten & Delia