Rockharz Open Air 2019

  • Datum: 3. Juli 2019 – 6. Juli 2019
  • Ort: Ballenstedt
  • Besucher: ca. 20000
  • Redakteur: Linus-Henry Meyer
Rockharz Open Air 2019

3.7. (Mittwoch)

Das 26. Rockharz ist nun leider Geschichte und wie jedes Jahr heißt es danach einmal Wunden lecken und das erlebte verarbeiten. Als Twilight-Journalist habe ich natürlich das wunderbare Privileg und die Pflicht meine Erlebnisse schriftlich zu verarbeiten. Zwar gab es dieses Jahr im Vergleich zum letzten Jahr kein wirkliches Jubiläum zu feiern, dennoch fand das Rockharz dieses Jahr zum elften Mal in Ballenstedt statt und bekanntlich müssen Schnapszahlen mit eben dieser Flüssigkeit ausgiebigst begossen werden. Genaue Statistiken zum Alkoholausschank wollte man mir von Seiten der Veranstalter nicht verraten. Der medizinisch und verhaltenspsychologisch geschulte Campground- und Infieldgänger konnte jedoch unlängst erkennen, dass Gerstensaft und Hochprozentiges auch dieses Jahr „hoch“ im Kurs standen. Denn was gibt es schöneres als in der knallenden Sonne mit einem kühlen Bier im Literhumpen vor der Bühne zu stehen und sich voller Euphorie seine Lieblingsbands hinzugeben? Richtig nichts! Und daher trieb es auch in diesem Jahr wieder an die 20.000 Metalheadzzz und Feierwütige auf den Flugplatz in Ballenstedt. Die Wettergötter Thor und Petrus - in Zeiten politischer Korrektheit müssen mehrere Konfessionen bedacht werden - waren den Zuschauern gnädig und so begann am Mittwoch die große Sause bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen.

Aufgrund beruflicher Verpflichtungen schaffte ich es erst am frühen Abend zu VADER und wurde sofort mit der vollen Breitseite des metallischen Spektrums belohnt. Die polnische Wehrmacht des Todesmetalles überrollte das noch recht beschauliche Publikum mit Blastbeats, tiefen Growls und ballernden Gitarren. Dass diese Herren auf die 60 Jahre zugehen ist, bei dieser energievollen Darbietung kaum zu glauben. Diese Breitseite saß und vor Schreck mussten erstmal einige Beruhigungspilse getrunken werden. Positiver Nebeneffekt war, dass ich dadurch weniger von den Elektronikern von COMBICHRIST mitbekam. Auch wenn das mittlerweile größer gewordene Publikum den Aggrotechern um Andy LaPlegua durchaus wohlgesonnen war, stellte ich erneut fest, dass diese Musik nicht mein Bier ist (pun intended). Der Mittwoch wurde dann von den fränkischen Klamaukmetallern J.B.O. weitergeführt, die aufgrund ihrer Vorliebe für Hopfensmoothies und grölbaren Liedern nicht nur das Publikum mitreißen konnten, sondern auch meine alkoholinduzierte Laune hebten. „Hose runter Schwanzvergleich, die Stimmung kocht gleich über“ war sodann das nicht wortwörtliche Motto des Abends. Der Hannoveraner Metalgroßvater Udo Dirkschneider stimmte am Ende des Abends kurz vor der Schlafenszeit dann mit seinen Mitkämpfern U.D.O. noch ein paar besinnlichere Töne des Heavy Metals an. Alles in allem ein gelungener erster Festivaltag, der für mich leicht angeheitert und doch unterkühlt im Zelt endete. Die Nacht war dann doch kälter als gedacht.

4.7. (Donnerstag)

Von Katerstimmung konnte natürlich am nächsten Morgen keine Rede sein, denn Bratwurst und isotonisches Kontergetränk auf Gerstenbasis zum Frühstück sollten genug Energie bereit stellen, den Donnerstag gebührlich zu begehen. So erspähte ich zuerst die Thrashband NERVOSA, die aus drei jungen Brasilianerinnen besteht und auch bereits zur frühen Stunde das Publikum ordentlich ins Hinterteil treten konnte. Spätestens jetzt waren alle Langschläfer wach und ich auf ballernden Metal eingestellt. NERVOSAs „brothers in arms“ OVERKILL sollten leider noch etwas auf sich warten lassen. So war der Tag zunächst gefüllt von Goth- und Mittelalterrock, LACRIMAS PROFUNDERE, FEUERSCHWANZ und VAN CANTO. Auch wenn letztere in diese Kategorie nicht gehören, rufen diese Dudelbands wenig Begeisterung bei mir hervor. So inspizierte ich auf der Suche nach Nahrung die verschiedenen Fressbuden und war schließlich von Langosch, einem der ungarischen Küche entstammenden frittierten Stück Teig mit Knoblauchsoße, Schmand, Käse, Speck und Oliven mit Gurke, angetan. Kleiner musikalischer Höhepunkt des Nachmittags waren dann THE UNGUIDED, die modernen Melodic Deathmetal spielten und durch ihre Songs und Performance überzeugen konnten. Endlich: OVERKILL! Natürlich war der Name Programm und die Amerikaner überzogen das Festivalgelände mit einer ballernden Wand aus Oldschool Thrashmetal. Danach gaben sich die finnischen LORDI und die deutschen HÄMATOM die Partyklinke in die Hand. Das Festivalgelände war bereits gut gefüllt und das Publikum gut gelaunt. Den abendlichen nordischen Metal-Kreuzzug leuteten dann WINTERSUN ein. Die Finnen um Jari Mäenpaa spielten hauptsächliche Klassiker aus ihrem ersten Album und das Publikum dankte es! Höhepunkt des Thorstages waren dann zweifelsohne AMON AMARTH! Die Headlinershow war wirklich überragend und kurzweilig. Nicht nur weil das Konzert zu „The Pursuit of Vikings“ eingeläutet wurde, sondern weil AMON AMARTH mit einer beeindruckenden Feuershow, einer gelungen Auswahl an Songs und solidestem Handwerk an den Instrumenten das Publikum mitrissen.

5.7. (Freitag)

Captains Logbuch der USS Jack Daniels: Tag 3 der Reise ins Paralleluniversum Rockharz. Das Wetter ist beständig angenehm warm, die Sonne scheint, die Musik ist laut. In der Mannschaft werden erste Sonnenbrände beklagt, auch scheint der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre zu niedrig zu sein: Die Wachmannschaft torkelt ab der Mittagszeit, die Zungen sind gelöst, der Drang zur Hydrierung steigt und die Enginecrew sieht auf einmal ziegenartige Gestalten (MILKING THE GOATMACHINE) auf der Bühne. Over.

Musikalisch hatte auch der Freitag einiges zu bieten. Partyhöhepunkt sollte zu später Stunde RUSSKAJA sein, die mit ihrer metallischen Mischung aus Polka und Rock auch den tanzfaulsten Muffel zum Bewegen bringen. Doch von vorn: Für mich läutete sich der Tag tatsächlich erst mit dem NIGHT FLIGHT ORCHESTRA musikalisch ein. Die Schweden um den SOILWORK Frontmann lieferten eine amtliche rockige Partyshow ab, sodass erste Crowdsurfer zu erblicken waren. Ebenfalls retro sind KISSIN DYNAMITE. Die süddeutschen Glam-Metaller, dessen Frontmann dank blondierte Fönfrisur wie Tina Turner daherkommt, verstanden es auch am späten Nachmittag die Party weiter anzuheizen. Es folgten noch unter Anderem DRAGONFORCE, die ihre Show mit „Through the fire and flames“ beendeten und in mir dadurch großes Herzklopfen verursachten. Die Flitzefinger um Gitarrengroßmeister Herman Li bretterten ihren Powermetal gnadenlos Richtung Publikum. Schließlich durfte Björn Strid mit SOILWORK noch einmal die Bühne erklimmen und das Harzer Publikum erfreuen. Endlich wieder härtere Töne! Ins gleiche Hörn bliesen sodann auch HYPROCRISY und die Blackmetalgötter DIMMU BORGIR, die zu später Stunde standesgemäß eine abgefahrene Show ablieferten und sich zur Freude des Publikums auf die Darbietung älterer Klassiker wie beispielsweise „Morning Palace“ fokussierten.

Captains Logbuch der USS Jack Daniels: Tag 3 der Reise ins Paralleluniversum Rockharz geht zu Ende. Die Crew ist erschöpft, doch Dezibelgehirnmassage und Desinfizierung von innen mit ethanolhaltigen Produkten wird die Crew noch einige Zeit am Leben erhalten. Over.

6.7. (Samstag)

Kaum zu glauben, aber bereits am vierten Tag angelangt und noch immer voller Elan (ja ich weiß, Konterbier wird anders geschrieben) freute ich mich bereits auf die nächsten Künstler. Mit Erschrecken war festzustellen, dass sich auf dem Campground bereits die Reihen lichteten, erste Recken des Metal die Festivität verließen, um gen Heimat zur holden Maid zu reiten. Sollte es am Programm liegen? Mitnichten, denn der Freitag sollte erst richtig spannend werden!

Für mich eröffneten die Powermetaller FREEDOM CALL den letzten Tag. Wie sagte schon Sokrates? Eine gute Portion Powermetal am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen. Motiviert und wach sollten dann BURNING WITCHES, fünf Mädels aus der Schweiz, mein Metalherz höher schlagen lassen. Die dräschende Breitseite wurde gekonnt durch Shouts und cleanem Gesang der Frontfrau Laura Guldemond unterstützt, die aufgrund ihrer Kleiderwahl nicht nur durch ihre Stimme überzeugen konnte. Hart metallisch ging es dann auch mit den Schweden von GRAND MAGUS weiter. Die Mischung aus klassischen Metalriffs, einer dicken Prise Doom und dem cleanen, aber rauhen Gesang von Frontmann JB waren eine gelungene und erfrischende Abwechslung zu früher Stunde. Auch wenn der Sound bei LEGION OF THE DAMNED zu wünschen ließ, konnte man sich hier amtlich die Gehörgänge freiblasen lassen. Zwar mit neuem Album im Gepäck wurden vornehmlich die Klassiker der letzten zwei Jahrzehnte dargeboten und so waren die holländischen Legionäre nach Härtegrad der vorzeitige Höhepunkt des Festivals. Doch nun sollten noch die Größen MONO INC und EPICA den frühen Abend einläuten und die Fans dankten es ihnen. Mittlerweile war das Infield rappelvoll und die Masse lauschte gespannt Simone Simons. Dabei konnten EPICA durch ihre Mischung aus harten Riffs und symphonischen Anteilen auch mir ein Grinsen über die Lippen jagen, was natürlich nicht an dem Anblick der hübschen Frontfrau liegen konnte. Zu guter Letzt sollten noch skandinavische Legenden das Rockharz abrunden. KORPIKLAANI machten den Anfang und brachten mit ihrem Folkmetal das gesamte Publikum zum Tanzen und Feiern. Zum Ende des Sets spielten die Finnen dann noch ihre englischen Klassiker „Beer Beer“ und „Vodka“ und die alkoholisierte Menge bedankte sich durch Crowdsurfing und ausgelassenes Tanzen und Jubeln. Schließlich betraten meine Helden der Jugendzeit die Bühne. CHILDREN OF BODOM sollten nicht enttäuschen und lieferten eine fulminante Show mit Gitarren- und Keyboardsoli ab. Dem Habitus von Frontmann Alexi geschuldet sah man hier richtige Rockstars, die amtlich zockten und dem Rockharz als Headliner ein würdigen Abschluss bescherten. Spätestens bei „Sixpounder“ hatte auch der letzte Metalhead verstanden, wo der Frosch die Locken hat.

Captains Logbuch der USS Jack Daniels: Wir verlassen das Paralleluniversum, tanken auf und kommen nächstes Jahr mit noch mehr Elan wieder. Danke Rockharz! Over.

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