Full Force 2019 Bericht

  • Datum: 25.06.2021 (Fr) - 27.06.2021 (So)
  • Ort: 06773 Gräfenhainichen - Ferropolis
  • Besucher: 25000 Besucher erwartet
ImpressionenIMG 1536 KRMittlerweile schon routiniert zogen wir in Richtung Sachsen-Anhalt zum härtesten Wochenende des Jahres – das Full Force Festival in Ferropolis. Die „neue“ Location ist immer noch beeindruckend und wie geschaffen für eine Veranstaltung wie diese. Am Wochenende geben sich hier also Schwergewichte wie PARKWAY DRIVE, ARCH ENEMY und LIMP BIZKIT die Ehre und feiern unter Stahlbaggern mit tausenden von Metalheads - geil!

Die Anreise verlief gewohnt unkompliziert, die Security vor Ort wusste bestens Bescheid und lenkte die feierwütige Meute auf ihre Campingplätze. Auch in diesem Jahr wurden einige Änderungen vorgenommen, um sich stetig zu verbessern und die Festivallocation immer besser nutzen zu können. ImpressionenIMG 2404 KRSo gab es mittendrin das neue „Green Camp“ und das „FullForceValley“ wurde hinterm VIP Camp angegliedert. Die große „Sanitäter-Basis“ in der Mitte des Geländes war von allen Seiten gut zu erreichen und hatte leider auf Grund der Hitze wieder viel zu tun. Abkühlung versprachen auf jeden Fall die viel aufgestellten Sprenkler-Anlagen und natürlich der Strand mit Seezugang. Neu war in diesem Jahr das „Awareness-Team“, welches für Sicherheit und Wohlbefinden aller Festivalbesucher sorgte und die „Schnitzeljagd“ im Programm-Heft, bei der man sich an verschiedenen Ständen Stempel holen konnte. Auch das „[Fair]opolis“ auf dem Campinggelände mit seinen vielfältigen Aktionen und Angeboten war neu und für die „alten Metalheads“ echt ungewohnt, wurde aber ziemlich gut angenommen. Mit „the ocean in your mind“ konnten Wünsche und Ängste aufgeschrieben und aufgehangen werden, beim „Foodsharing“ wurden Nahrungsmittel getauscht und „Sea Shepherd“ gab Infos über das Meer und seine Lebewesen. Mit workshops und schwarzem Yoga konnte man sich hier gut die Zeit vertreiben und allerlei Nützliches erfahren, auch über sich selbst. Besonders gefreut hat uns die Verleihstation von Utopia Camping und die nachhaltigen Toiletten von Goldeimer, welche wir im letzten Bericht angesprochen hatten und prompt umgesetzt wurden – nice! Ebenso neu für die Festivalgemeinde waren zwei heftige Kracher, welche das beliebte Acker-Spektakel nochmal auf eine neue Ebene bringen sollten – das eigene Bier! und ein Waldkino! Verrückt aber wahr – nach langem Tüfteln, Schnüffteln und Probieren wurde es in diesem Jahr dem Ausschank freigegeben – das festivaleigene FULL FORCE PILS mit dem Prädikat „wertvoll & trinkbar“ ging an den Start und wurde unter den Massen verteilt. ImpressionenIMG 1554 KRDies konnte man auch im Waldkino genießen – eine wundervoll atmosphärische Idee zum Abend, bei der die Doku von Parkway Drive „Home Is For The Heartless“ und der Knaller „Lords Of Chaos“ gezeigt wurden.

Für das leibliche Wohl sorgten wieder verschiedene Anbieter auf der Getränke- und Fressmeile. Kulinarisch kam so gut wie jeder auf seine Kosten, ob vegan oder deftig Fleisch, und natürlich war auch in diesem Jahr wieder die allseits beliebte Erdbeerbowle am Start. Die kurzen Laufwege auf dem Festivalgelände an sich und die logistisch gut aufgestellten Bühnen waren ebenfalls ein Genuss. Vor allem die Strandbühne, welche man bequem vom Wasser aus betrachten konnte, bot Sommer-Festival-Stimmung vom Feinsten. Die Stimmung auf dem Campingplatz war auch in diesem Jahr wieder gewohnt durchgeknallt und durchgehend laut, mit Musik aus allen Genres und Sphären und Partywilligen aus den verschiedensten Ländern - für dieses gediegen abgedrehte Publikum lieben wir das Full Force!

Vorab muss man sagen, dass auch an diesem Wochenende wieder das Wetter mitgefeiert hat und der Acker mit seinen Gästen von sengender Hitze gequält wurde. Dementsprechend entspannt starteten wir am Freitag mit MUNICIPAL WASTE auf der Medusa Stage, welche bei gut gelauntem Publikum ordentlich ablieferten und der Hitze trotzten. 3. Sick of it AllKBO 1368 KRAuch SICK OF IT ALL auf der Mainstage hatten sichtlich Spaß an ihrem Auftritt und zeigten, wie auch NAPALM DEATH im Hardbowl, dem Publikum gegenüber keine Gnade. Sänger Mark “Barney” Greenway tobte sich in charakteristischer Manier aus und ließ nichts aus, um die Meute nach allen Regeln der Kunst zu zerhacken. Die Songauswahl der Briten ließ sich ebenfalls sehen und so durfte auch der Gassenhauer “You Suffer” nicht fehlen. Atmosphärisch wurde es dann wieder am Strand bei AMENRA, welche ihren Gig auf der Seebühne wirklich gut nutzten und auch die Zuhörer im See einfingen.
Das Abendprogramm gestalteten für uns 6. Parkway DriveKBO 2346 KRBEHEMOTH und PARKWAY DRIVE die beide eine starke Leistung zeigten und jeden, ob Fan oder nicht Fan, mitzogen. Die Energie von Parkway Drive, die sich durch Feuerwerk und Fackelträger direkt ins Publikum übertrug, prallte ungebremst zurück und die Fans drehten richtig auf. Während Winston McCall aus dem Grinsen nicht mehr raus kam, schüttelte der Mob zum vielschichtigen Mix aus Hard- und Metalcore, den markanten, eingängigen Riffs und dem Funkenregen alles von sich ab, was sich in einem Jahr FullForceAbstinenz angestaut haben mag. Für beide Seiten war das eine absolut gelungene Show und ein grandioser Auftritt. Nachts ging es nochmal zu BATUSHKA, die uns die letzten Energiereserven aus dem Körper zogen und mit ihrer schwarzen Messe irgendwann verdient in den Schlaf entließen.

Samstag Geweckt von der großen hellen Scheibe, die viel zu früh und viel zu stark am Himmel stand, musste der Kreislauf nun erstmal langsam hochfahren und sich an das Wochenende gewöhnen – man sind wir alt geworden! Für CROWBAR haben wir uns dann doch irgendwann zum Festivalgelände geschleppt und mit Kirk in der Hitze gelitten. Die Hauptbühne ist für die Truppe aus Louisiana definitiv angemessen, nur leider fand sich das Publikum hier nur spärlich zusammen. Dennoch gelang es den Amis spielend leicht, die anwesenden, vor Hitze brütenden Gehirne, in ein sludgiges Doom-Parallel-Universum zu kicken. Zu den schweren Riffs und Rhythmen will schließlich mitgebangt werden und Songs wie “All I had I gave” oder “Planets Collide” laden auch wunderbar zum Mitgröhlen ein. Weiter ging es mit INFECTED RAIN auf der Seebühne und JINJER im Hardbowl – beide stark und irgendwie passend auf ihren Bühnen. Jinjer Fronfrau Tatiana Shmaylyuk nahm in ihrem schrill goldenen Outfit und ihrer unfassbaren Energie sogleich die Bühne in Besitz und sollte sie für den Rest des Auftritts auch nicht wieder hergeben. Passender hätte “Dying in heat is a rehearsel for being in hell” an diesem Tag nicht sein können!ImpressionenIMG 1421 KR Dennoch peitschte Jinjer ihr fanreiches Publikum gnadenlos weiter nach vorn und mit damönischer Präsenz geradewegs ins Metal-Fegefeuer. Bei AT THE GATES und KNORKATOR auf der Mad Max Stage war es dann wieder vorbei mit Schonhaltung und es durften alle Muskeln strapaziert werden. Mit ihrem melodischen Death Metal, der keine Ermüdungserscheinungen und keine moderne Sänfte an den Tag legt, haben sich At the Gates um ihren Legendenstatus verdient gemacht. Tompa Lindberg, mit seinem mittlerweile zum Markenzeichen gewordenen Look im Cappy, ist in stimmlicher Bestform und führt gekonnt durch das Set, das sich die Waage aus Klassikern und neuem Material hält. Bereits der Bühnenaufbau von KNORKATOR ließ auf einiges hoffen. Grundsätzlich gehören die Auftritte von Knorkator zum Full Force wie die Erdbeerbowle. Wo andere Bands Balsam für den Körper sind, sind Knorkator purer Urlaub für die Synapsen. Als Verstärkung holte man sich aus Österreich zwei vollkommen durchgeknallte Vögel, die unter dem Namen dummeSau.lol für allerlei Schabernack sorgten. Anscheinend boten sie Ersatz für den am Knie verletzten Stumpen, und so wurde von Leitern auf Tapezier-Tische gedivet, mit einem Gummistiefel an einer Wippe dem Gegenüber mit ordentlich Schmackes ins Gemächt getreten oder mit einer Pümpelkanone aufeinander geschossen. Auch vor den eigenen Tourmitgliedern wurde nicht Halt gemacht und so wurde das diesjährig auserwählte Opfer in einen großen Plexiglas-Kasten gesteckt, in dem dann via Fernzündung eine riesige Schwarzwälder-Kirsch-Torte explodierte. Aber das FullForce-Publikum wäre nicht das FullForce-Publikum, wenn es diesen Mann anschließend nicht ehrenvoll beim crowdsurfen wieder sauber geleckt hätte. Neben den eigenen Kindern gehörte diesmal auch Kumpel RUMMELSNUFF zur Bühnenshow, der eine sehr klare und verständliche Version von “Mich verfolgt meine eigene Scheiße” darbrachte. Abwechslung boten SMOKE BLOW mit gewohntem Live-Potential und ihrer schweißtreibenden Hardcore-Punk-Variante im Hardbowl und ALCEST mit ihren stimmungsvollen Instrumentals am Strand – was eine abgefahrene Mischung! Mit ihren dichten Klangwelten lockte der anfangs noch ziemlich leere Sandstreifen immer mehr neue Zuhörer. Auch wenn der Bass leider stark übersteuert war, ließen Alcest das Publikum in der geschaffenen Atmospshäre andächtig im nun kühler werdenden Sand träumen. Abgerundet wurde der Samstag für uns mit TERROR in der Tentstage, die alles zerlegten und die sowieso schon ausgelaugten Leiber nochmal ordentlich durch die Schwitz-Presse jagten. Kein Wunder also, dass ARCH ENEMY mit beeindruckender Bühnenkulisse und ordentlich Feuerwerk mehr entspannte „Zuschau-Unterhaltung“ boten, als Anreiz zur Bewegung.


1. IgniteKBO 3953 KRSonntag
– wir haben bis hierher überlebt, also warum jetzt schonen?! Die Hardcore-Punk-Legende IGNITE aus Orange County hatte die Stimmung und die Festivalmeute trotz der enormen Hitze gut im Griff. Die Kalifornier um Goldkehlchen Zoltán Téglás hauten praktisch einen Hit nach dem anderen raus und der energetische Sound, der brachial von der Bühne geschmettert kam, zerlegte die schwitzenden Leiber wie von selbst. Starten wir entspannt mit IGNITE auf der Hauptbühne um uns auf den nächsten Act auf unserer Liste vorzubereiten – haben wir gedacht. Was wir nicht bedacht haben – nichts und niemand bereitet dich auf GUTALAX vor – es passiert einfach. 2016 hier auf dem Festival entdeckt waren wir von Anfang an fasziniert von diesen „wilden Tschechen“ mit ihrer abgefahrenen „Bühnen-Kultur“ und ihrem ganz eigenen Verständnis von „Grindcore“. Passend platziert auf der Seebühne genossen wir die geile Mischung aus Sonne, Strand, Wasser – und eben Gutalax. Die Jungs machen ihren Job richtig gut, da kann man nix meckern, einfach Luft anhalten und genießen. Am besten sind sowieso die verstört irritierten Blicke die man kassiert, wenn man so einen „Scheiß“ am Nachmittag in brütender Hitze vom Wasser aus auch noch mitfeiert. Deutlich „humaner“ ging es bei THE OCEAN zu, welche vor allem auch musikalisch einen heftigen Kontrast boten und nochmal die Vielfältigkeit auf dem Full Force unterstrichen. Mit einem sphärischen Intro und konsequentem Stimmungsaufbau kühlten The Ocean mit ihrer Mischung aus Sludge und Progressive Metal zumindest die Gemüter etwas ab. Ganz ohne Berührungsängste warf sich dann Sänger Loic Rossetti während des dritten Songs seinen Fans entgegen und crowdsurfte ganz entspannt vor stimmungsvoller Kulisse. Lauter und aggressiver wurde es dann wieder mit BEARTOOTH auf der Hauptbühne, die ordentlich abfeuerten und nochmal alles forderten, was die Meute zu bieten hatte. Auch POWER TRIP zeigten kein Erbarmen und zerlegten die Gemeinde im Zelt, als hätte hier keiner unter den letzten Tagen gelitten. LAMB OF GOD als Einleitung in ein würdiges Finale der 26. Ausgabe vom „härtesten Acker der Welt“ ließen uns dann doch wieder melancholisch werden – letzter Tag, morgen geht´s nach Hause, also nochmal genießen! Ebenso auf diesem Festival entdeckt haben wir vor Jahren MANTAR, damals noch auf dem alten Gelände in Roitzschjora, am frühen Nachmittag bei brütender Hitze auf den schmelzenden Gummimatten vor der Mainstage, haben sie uns damals komplett den Kopf abgerissen. Diesmal, abends auf der Bühne am See, haben sie uns in scheiß-gemütlicher Strandatmosphäre einfach die Energie ins Hirn zurückgeblasen, die wir die Tage zuvor abgelassen hatten – 4. Lamb of GodKBO 4426 KReinfach ein krankes Duo! Damit waren wir also bestens gerüstet, um bei FLOGGING MOLLY wieder alles rauszutanzen, was nicht mit nach Hause genommen werden soll. 6. Limp BizkitKBO 5182 KRDie Festivalgemeinde nahm es dankbar an und eskalierte Tanzbein-schwingend zu den Melodien der Amis. Den Abschluss auf der Hauptbühne bildeten LIMP BIZKIT und entfesselten hierbei kurzerhand eine Art 2000er-Nu-Metal-Nostalgie im Infield. Textsicher und kraftvoll genoss das Publikum die letzten Atemzüge vom Full Force 2019 und strahlte zufrieden und glücklich über beide Backen – der Abriss hat sich auch in diesem Jahr wieder gelohnt!

 

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