Wolfszeit 2021 - Bericht

  • Datum: 26.08. - 28.08.2021
  • Ort: 07924 Crispendorf - Ferienland Crispendorf
  • Besucher: 2000
  • Tickets: Festivalticket (ab): ca. € 99,90

Obwohl ein Jahr später noch lange keine Normalität in die Eventbranche eingekehrt ist, schafft das Wolfszeit Festival es auch im Jahr 2021 wieder, trotz aller Umstände seine Türen für die nach Live-Musik und Geselligkeit ausgehungerten Metalfans zu öffnen. Dieses Jahr sogar wieder auf dem üblichen Gelände in Crispendorf, nachdem die Teilnehmer im Jahr davor auf dem Gelände des In Flammen Open Air Zuflucht suchen mussten.

Wie schon letztes Jahr gelten besondere Corona-Bedingungen. So muss das Ticket unter Angabe weiterer Camp-Mitglieder online freigeschaltet und die Maskenpflicht beachtet werden. Außerdem gilt die 3G-Regel, zu deren Zweck vom Festival zu den Anreisezeiten aber auch ein eigener Testservice auf dem Gelände geboten wird, um für die Teilnehmer minimalen Aufwand und maximalen Komfort und Sicherheit zu gewährleisten.

bra 003 01 blodtake 1220Nachdem die Grundregeln also gesetzt sind, ist es endlich Zeit, dass BLODTÅKE das Festival eröffnen. Wie groß die allgemeine Euphorie ist, merkt man daran, wie voll das Infield trotz der frühen Uhrzeit und dem ausgelassenen Vorglühen am Vorabend ist. Obwohl es keine zehn Minuten dauert, bis der strömende Regen, der die Wölfe das ganze Wochenende über begleiten soll, die Zuschauer unter die nahegelegenen Bierzelte treibt, geben die Black Metaller Herzblut und verdienen sich zu „Elapsed“ die ersten in die nasse Luft gereckten Fäuste. Ein würdiger Opener!

Von hier aus übernehmen MAAHES, deren Name vom ägyptischen Gott des Krieges übernommen ist. Ganz im Sinne der Sicherheit und natürlich auch etwas im Sinne der Atmosphäre und generellen Grundthematik trägt die Band auf der Bühne Masken – optisch allerdings eher durch ägyptische Gottheiten als medizinische Beweggründe inspiriert. Die Bayern brettern ihren Black Metal brutal ins Publikum, das sich bereitwillig mitreißen lässt und langsam aber bestimmt anfängt, sich zu bewegen.

Als erste internationale Band des Festivals profitieren die Litauer ŪKANOSE von der langsam steigenden Energie der Festivalteilnehmer und lassen keine Langeweile aufkommen. Passend zum Folk Metal in mittelalterliche Gewandung gekleidet, verbreiten ŪKANOSE gute Laune und sorgen mit Querflöte und einem breiten Grinsen bewaffnet durch ihre melodischen, folkigen Klänge dafür, dass sowohl vor als auch auf der Bühne ausgelassen getanzt und gefeiert wird.

THORMESIS haben keine Probleme damit, die aufgebaute Energie zu übernehmen, wandeln diese mit ihrem Post-Black-Metal aber von der ausgelassenen, fröhlichen Stimmung der Vorgänger in eine eher ernstere, angenehm angepisste Energie um. Die Bayern spielen diverse Stücke von ihrem neuesten Album „The Sixth“ und tun sich dabei nicht nur durch die Atmosphäre der Stücke an sich, sondern auch durch die saubere technische Ausführung hervor.

Ein besonderes Highlight des Festivals und ein großartiger Weg, die bereits durchlebten Emotionen noch einmal zu neutralisieren und sich so auf die Headliner des Abends vorzubereiten, ist das Ein-Mann-Projekt FORNDOM. Multiinstrumentalist Ludwig Swärd hat einen Altar auf der Bühne aufgebaut und nimmt das Publikum im Stil von Heilung oder Wardruna mit durch ein meditatives Ritual, das die Füße unweigerlich zum Tippen und die Schultern zum Schunkeln bringt.

bra 102 06 varg 2387Trotz der intensiven Emotionen brauchen VARG nicht lange, um ihre Wölfe wieder aus der Trance zu reißen. VARG spielen viele ihrer neueren Stücke und zu Liedern wie „Auf die Götter“, „Blutaar“ und „Fara Til Ránar“ dauert es nicht lange, bis die euphorische Stimmung sich im ersten kleinen Pit des Festivals entlädt. Als die Coburger zum Ende ihres Auftritts kommen, hat das Publikum noch lange nicht genug und gibt zur Zugabe „Zeichen“ noch einmal alles, bevor

MARDUK die Wolfszeit-Bühne erobern. Nach einigen technischen Problemen zu Beginn des Auftritts starten die Schweden mit „Werwolf“ von ihrem neuesten Album „Viktoria“ und kommen mit ihrem intensiven, angepissten Black Metal direkt zum Punkt. MARDUK zeigen mit ihrer Setlist einen Querschnitt durch die gesamte Diskografie, sodass für Fans jeder Ära mindestens ein Highlight mit dabei ist. Mit „Christraping Black Metal“ schließen die Schweden ihren Auftritt und entlassen das glückliche Publikum nach einem intensiven und abwechslungsreichen ersten Festivaltag zurück in die regendurchweichten Camps.

Als BOÖTES VOID den zweiten Tag des Festivals eröffnen, kommt es zu einem kleinen Déjà-vu. Wie schon bei der ersten Band des Vortags, herrscht zu Beginn des Auftritts noch (mehr oder weniger) strahlender Sonnenschein, doch die Würzburger mit ihren Widderschädel-Masken brauchen nur zehn Minuten, um den völligen Weltuntergang heraufzubeschwören. Einige eiserne Fans ziehen zwar trotz der frühen Stunde und des intensiven Regens durch, trotzdem wäre es dank der leidenschaftlichen Performance unter anderen Umständen deutlich voller vor der Bühne gewesen.

Auch DELIVER THE GALAXY haben noch leicht mit der Müdigkeit des Publikums zu kämpfen, lassen sich davon aber nicht irritieren. Die Band beschreibt ihre Musik selbst als Sci-Fi-Metal und präsentiert sich in halbherzigen Weltraum-Outfits inklusive Knieschonern. Zum Glück nehmen sie ihre musikalische Darbietung deutlich ernster als die optische und sorgen so trotz der frühen Stunde für einen Mini-Moshpit im frisch aufgelegten Heu vor der Bühne und sorgen mit teils lustigen, teils eher fragwürden Ansagen für allgemeines Schmunzeln.

Die darauffolgenden Ungarn DALRIADA bauen mühelos auf der bereits etablierten Stimmung auf und sorgen in mittelalterlicher Gewandung mit folkigem Metal für weitere Mosh- und Circle Pits. Der guten Ausstrahlung kann sich nicht einmal das Wetter entziehen, die Sonne kommt wieder hinter den Wolken hervor und der Regen hört auf. Einzig diejenigen, die katerbedingt mit Kopfschmerzen zu kämpfen haben und aufgrund der relativ frühen Uhrzeit noch nicht genug gegenangetrunken haben, haben vielleicht etwas mit dem hohen, opernhaften Gesang von Sängerin Laura Binder zu kämpfen.

FIRTAN sind was das Thema Tempo und Stimmung angeht ein ziemlicher Bruch zum Vorgänger, aber auf die bestmögliche Art und Weise. Neben Songs von ihrem aktuellen Album spielen die Black Metaller mit „Hypnos & Thanatos“ und „Wogen der Trauer“ auch einige ältere, schon länger nicht mehr gespielte Stücke und verwöhnen das Publikum sogar mit den völlig neuen Stücken „faðir“ und „Labsal“ vom kommenden Album, die absolute Livetauglichkeit beweisen. Kein Wunder, dass nach dem letzten Song „Siebente, letzte Einsamkeit“ unwillige Protestrufe aus dem Publikum laut werden.

Die nächste Band des Abends wären eigentlich BLACK MESSIAH gewesen, die aufgrund eines Notfalls in der Familie aber leider ausfallen. Das Wolfszeit Festival schickt mental Kbra 298 13 eisregen 7564raft und Unterstützung und feiert als Ersatz eine Black Messiah DJ-Party mit auf den Zeitslot limitierten Signature-Cocktail „Asenblut“, der aus Pfeffi und Milch besteht und deutlich trinkbarer ist, als die Kombination vermuten lassen würde.

Als dann NACHTBLUT die Bühne betreten, sind die Wölfe warmgetrunken und bereit. Das Mitsingen bei „Multikulturell“ klappt auf Anhieb und auch sonst ist ordentlich Bewegung vor der Bühne. Der erste Versuch einer Wall of Death ist noch recht verhalten und es dauert eine Weile, bis zu „Leierkinder“ ein richtiger Pit zustande kommt. Hier lässt sich Sänger Askeroth aber nicht lange bitten und hüpft selbst für eine Runde mit ins Gedränge, bevor AblaZ bassspielend auf Crowdsurfing-Reise geht.

Auch EISREGEN bieten den Fans einen ganz besonderen Abend. Alte Klassiker wie „Scharlachrotes Kleid“ lassen in Erinnerungen schwelgen, danach bringt Roth das mittlerweile headlinerwürdig gefüllte Infield mit „Panzerschokolade“ zum Tanzen und die Stimmung zum Kochen. Das Medley kurz vor Schluss krönt die Setlist vor allem für die Fans älterer Stücke. EISREGEN haben ihr Publikum fest in der Hand und bieten sowohl für alte als auch für neue Fans einen abwechslungs- und stimmungsreichen Auftritt.

Viel zu schnell steht mit TÝR schon die letzte Band des Festivals auf der Bühne. Sänger Heri Joensen macht souverän deutsche Ansagen, wirkt vor allem im Kontrast zum deutlich übermotivierten Bassisten Gunnar Thomsen aber sehr unentspannt und reserviert. Die Färöer haben heute Abend leider die Melancholie- statt Partyplaylist eingepackt und nehmen ihre Rolle als Rausschmeißer etwas zu ernst, sodass „Hold the Heathen Hammer High“ als letzter Song des Abends nicht einmal ansatzweise sein volles Potenzial erreicht. Auch für die ausdauernden Zugabe-Rufe des Publikums bleiben TÝR leider taub. Schade.

Da es dieses Jahr leider keine gewohnte Aftershowparty im Infield gibt, trudeln die müden, in verschiedenen Ausprägungen alkoholisierten, aber sehr glücklichen Wölfe langsam in ihre eigenen matschigen Camps zurück, um das Wolfszeit 2021 noch einmal im kleineren Kreis Revue passieren zu lassen und den letzten Abend für dieses Jahr in Crispendorf ausklingen zu lassen.

bra 165 07 marduk 4809Wie schon letztes Jahr ist es dem Wolfszeit-Team auf fast unerklärliche Art und Weise wieder gelungen, trotz aller äußeren Hindernisse und Umstände ein abwechslungsreiches und reibungslos verlaufendes Festival auf die Beine zu stellen, das den Besuchern ein Wochenende Sorglosigkeit und Euphorie und vor allem ein kleines bisschen Hoffnung für die Zukunft geschenkt hat. Danke Wolfszeit und bis nächstes Jahr!

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