CRITICAL MESS - Interview bei den Metaldays, Slowenien (Juli 2019)

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CRITICAL MESS - Interview bei den Metaldays, Slowenien (Juli 2019)
Red.: Wie schön, dass wir uns hier treffen können. Wie geht es euch?

Britta: Gut! Ausgeschlafen.
Marco: Warm... Ja, aber auf jeden Fall ausgeschlafen.
 
Red.: Wie kam es denn dazu, dass ihr hier seid?

Britta: Wir haben eine Booking-Agentur, die heißt Red Lion Music, und die Anett bucht regelmäßig, so auch dieses Festival.
 
Red.: Also war es nicht so, dass ihr gesagt habt "Ey, Slowenien, da müssen wir hin", sondern das kam einfach so?

Marco: Es ist bei uns ja eher so, dass wir sagen "Überall hin! Alles spielen, was geht" und Anett konnte das klar machen.
 
Red.: Naja, gut für uns! Seid ihr aufgeregt? Ihr spielt ja auf der Hauptbühne, das ist durchaus eine große Bühne und der Gig ist ja auch nicht gerade morgens.

Benny: Ja, also die Größenordnung ist natürlich eine, die man nicht so oft spielt, das ist schon cool. Aber Aufregung... ich weiß nicht, wie es bei euch beiden (Marco und Britta, Anm. d. Red.) ist, aber bei mir persönlich ist es so, die Aufregung kommt eigentlich immer erst unmittelbar vor dem Gig und schwindet dann auch spätestens ab dem ersten Spielton, dann ist das Routine.
Britta: Ja, ist bei mir auch so. Eine, zwei Minuten vor dem Gig bin ich aufgeregt und dann... aber eigentlich bin ich dann auch nicht richtig nervös, sondern eher so "Jetzt geht's los!".
Benny: Ja genau, Adrenalin halt.
Marco: Dann sag' ich jetzt mal nichts... (lacht)
 
Red.: Zu eurem neuen Album - es ist durchaus eine Entwicklung zu sehen vom ersten ("Human Praey", 2018, Anm. d. Red.) zum jetzt zweiten Album, das ist ja nun auch ein Konzeptalbum. Ich finde, beim ersten Album waren es eher so kompaktere Abschnitte in den Songs mit vielen Rhythmenwechseln, während das zweite Album viel atmosphärischer ist mit vielen Effekten darin. Wie seht ihr das?

Marco: Das war ja auch so ein bisschen der Plan. Also, wir hatten zum einen nicht die Absicht, nochmal eine "Human Praey" zu schreiben, und dann hatten wir zum anderen ja auch den Neuzugang durch Britta, die auch, wie du schon richtig gesagt hast, viel mit Effekten macht und auch mit der Stimme arbeitet und echt super coole Ideen geliefert hat. Auf der ersten Platte natürlich auch, aber da standen die Texte ja schon, und da hast du (Britta, Anm. d. Red.) natürlich auch deinen Stil reingebracht, aber jetzt beim neuen Album in der kreativen Phase dann von Grund auf. Und ansonsten haben wir viel dran gearbeitet, das Songwriting immer weiter voranzutreiben und auch was anderes zu schreiben.
Britta: Das Album "Human Praey" ist natürlich auch über einen viel längeren Zeitraum entstanden. Also, ich war ja beim Schreiben nicht dabei, aber es waren einfach viele Jahre und dann wurde halt irgendwann der Haufen an Songs, den es dann gab, aufgenommen, ohne dass man sich jetzt hingesetzt hätte mit der Absicht, ein Album zu schreiben mit konkretem Konzept. Und die Arbeitsweise hört man dem ganzen Album natürlich an.
Marco: Also ein bisschen Konzept haben wir da schon drin - Weltuntergang, der Mensch als der Hauptgrund, warum diese Erde irgendwann zugrunde geht - aber natürlich stimmt auch das, was Britta gesagt hat, das ging wirklich über einen längeren Zeitraum. Und ich glaube, in den letzten zwei Monaten haben wir dann nochmal schnell drei Songs geschrieben. Da war dann auch der Zug drin, weil wir ja ein ganzes Album brauchten... (lacht) Aber klar, wie Britta schon gesagt hat, diesmal hatten wir ja nur neun oder zehn Monate, dann mussten die Songs stehen.
Benny: Ja, die Alben sind wirklich völlig unterschiedlich entstanden. Wie Britta schon meinte, bei Human Praey sind die Songs über einen langen Zeitraum entstanden und das war dann tatsächlich auch nicht so ein fokussiertes Songwriting, sondern die Songs sind mehr oder weniger auf natürliche Art und Weise im Probenraum entstanden. Jetzt bei "Man Made Machine Made Man" war es dann fokussierter und auch so ein bisschen in Teams sozusagen, federführend entweder Marco (Schauff, Anm. d. Red.) oder Elmo (Marco Evers, Anm. d. Red.), und halt insgesamt echt eine ganz andere Art und Weise, ein Album zu schreiben. Aber hat offensichtlich ja gut geklappt.
 
Red.: Marco, du sprachst es gerade schon kurz an - auf eurem ersten Album habt ihr ja schon ein bisschen Weltuntergangsstimmung verbreitet und das wird mit dem neuen Album jetzt noch viel schlimmer, muss man sagen. Ich fand es sehr beklemmend, das Album zu hören.

Benny: Das ist gut so.
 
Red.: Als ich das Review geschrieben und demnach einen ganzen Tag lang nur das Album gehört habe, saß ich irgendwann quasi weinend in der Ecke und war völlig fertig.

Britta: So im Sinne von "Mach endlich ein fröhliches Lied an!". (fängt an, KATRINA AND THE WAVES mit "Walking On Sunshine" zu singen)
 
Red.: Ja genau! Und eigentlich sagt euer Bandname es ja auch schon ein bisschen. CRITICAL MESS, also Kritisches Durcheinander. Ist darüber die Band entstanden, also habt ihr euch darüber gefunden, dass ihr gesagt habt "Wir finden das alle ganz schön zum Kotzen, was mit diesem Planeten passiert" und das war dann das Konzept für die Band? Oder war es eher so, dass ihr eine Band gegründet habt und dann da hingekommen seid, dass das als Konzept ganz cool ist, und dann habt ihr das so als Leitfaden weiter gesponnen?

Marco: Also es hat sich über die Jahre entwickelt. Als wir damals angefangen haben, haben wir halt einfach Death Metal gespielt... naja, erst haben wir Biere getrunken, gequatscht, und dann gab es auch tatsächlich mal eine Probe. Und jeder hat so seinen Stil reingebracht, dann haben wir Death Metal- Songs geschrieben, an denen wir Spaß hatten, also bei denen wir gesagt haben "Das ist das, was wir gerne spielen". Und dann hat sich dieses Thema einfach immer mehr herauskristallisiert, weil wir alle diese Einstellung gegenüber dem Menschen haben, also dass man einfach mehr auf sein Umfeld achten müsste, nicht nur im globalen, aber auch in seinem eigenen Umkreis. Es gibt so viel, was man machen kann, aber es wird einfach nicht gemacht. Und dadurch ist dann diese Band entstanden. Dann saßen wir irgendwann einen Abend bei Benny zusammen in seiner Dachgeschosswohnung in Linden und haben uns Bandnamen überlegt. Wie war das noch... "Nephalist", und noch zig Namen, die alle irgendwie ein bisschen crazy waren. Wir haben gebrainstormt, da kam irgendwann CRITICAL MESS, und dann gab es eine Pause und alle haben überlegt. Ist ja schon auch nicht so ein typischer Death Metal-Name. Aber damit kam dann, wie du eben gesagt hast, so ein wenig ein, naja nicht richtig Konzept für die Band, aber halt so ein Bandfeeling zusammen. Oder was sagst du, Benny?
Benny: Dem habe ich nichts hinzuzufügen.
Britta: Insgeheim heißen wir aber eigentlich Criminal Chess.
Marco: Oder Cryptical Jazz.
Benny: Oder Crystal Meth.
 
Red.: Noch eine Frage bezüglich des neuen Albums "Man Made Machine Made Man". Ich habe beim Hören die Texte zu Rate gezogen und war ein wenig hin und her gerissen, ob das Album auch eine Art Mahnung sein soll, sich nicht so von der Technik einlullen zu lassen. Also im Sinne von, alle Viere von sich zu strecken und zu sagen "Ich habe eine App, die mein Auto fährt, und einen Computer, der meine Wäsche wäscht" oder so.

Britta: Aus meiner Sicht wollen wir auf gar keinen Fall eine Mahnung aussprechen. Wenn ich Texte schreibe, versuche ich immer, einen Standpunkt einzunehmen und eine bestimmte Perspektive zu zeigen. Und wir machen halt Death Metal und keinen Pop, daher schreibe ich über die negativen Sachen, die aufkommen können, wobei man sich natürlich auch immer fragen kann: Ist es negativ, wenn die Menschheit ihren Platz an der Spitze der Nahrungskette verliert? Vielleicht ist es auch einfach die nächste Evolutionsstufe, eine technische Evolutionsstufe. Also, aus Sicht des Menschen ist das natürlich eine ziemlich blöde Sache, aber Technik ist nicht nur böse, auf gar keinen Fall. Es hat ganz viele negative Aspekte, und wenn man sich auf die konzentriert, kann man ein sehr düsteres Bild malen. Und das wollte ich machen. (lacht) Ich glaube, wie es dann rüber kommt, entsteht im Ohr des Hörers, und so offen soll es dann auch sein.
Benny: Also technologischer Fortschritt ist auf jeden Fall eine gute Sache, aber man sollte schon gucken, was man da genau macht, wenn man so Sachen entwickelt.
 
Red.: Das Albumcover von "Man Made Machine Made Man" finde ich persönlich sehr interessant. Man guckt von unten auf einen menschlichen Schädel und dann ist da dieses eckige Loch drin, wo man sich fragt, was gehört da nun rein? Eine Stange mit Kabeln drin? Es wirkt irgendwie wie ein Mensch-Maschinen-Gemisch. Habe ich das richtig interpretiert?

Marco: Ja, auf jeden Fall. Es ist auch die Absicht des Bildes, dass da jeder ein bisschen was rein interpretieren kann. Da spielt auch der Titel mit rein: "Man Made Machine", also der Schritt, der jetzt stattfindet, und dann der nächste Schritt "Machine Made Man", im Sinne von "Was kommt danach? Wird die Maschine irgendwann einen Menschen herstellen, der nicht schwach und scheiße ist?". Das war auch ein Vorschlag von unserem Graphiker Jonathan (Noor, Murky Waters Design, Anm. d. Red.), dort dieses Element mit einzubauen. Der hat sofort verstanden, was wir da machen wollen, und hat das dann vorgeschlagen und gesagt "Ja geil, machen wir so".
Benny: Die zweite Evolutionsstufe ist dann auch der Grund für die Ansicht von unten. Die Überlegung war, für uns Menschen ist die gewohnte Ansicht auf einen Schädel von vorne mit Kiefer unten, Schädelplatte oben, aber wie würde eine Maschine diesen Schädel betrachten? Was ist für eine Maschine wichtig an diesem Schädel zu sehen in einer graphischen Darstellung oder wie auch immer? Naja und unten ist halt quasi der Anschlussbaum, wo die Drähte durch kommen.
Britta: Und dann haben wir halt anstatt von diesem runden Loch, wo das Stammhirn rauskommt und sich mit der Wirbelsäule verbindet, das Loch dann einfach fünfeckig gemacht, um dem Ganzen einen etwas anderen Kick zu geben. Und das ist dann eben auch eine runde Sache; wir haben bei dem Cover lange überlegt, weil wir auf jeden Fall vermeiden wollten, dass es in Richtung Terminator geht oder dass es nach Matrix aussieht, also so 90er-Jahre-Style.
Marco: Das kann man eigentlich gut als Zitat rausnehmen, dass das eckige Loch eine runde Sache ist. (lacht)
 
Red.: Was für Musik hört ihr denn privat so?

Benny: Also ich persönlich höre tatsächlich relativ wenig aktiv Musik, muss ich gestehen, aber wenn, würde ich sagen, sind es ungefähr 90% Death Metal und die restlichen 10% so ziemlich alles andere. Also eigentlich habe ich einen relativ breit gefächerten Musikgeschmack, aber der Fokus liegt tatsächlich auf Death Metal in allen Facetten, die der so zu bieten hat.
Britta: Also ich höre ganz viel unterschiedliche Musik und ich kann auch nicht sagen, dass sich das gewichten lässt. Ich glaube, die einzigen Musikrichtungen, die ich nicht mag, sind Schlager und so Bonbon-Pop. Ich höre auch gerne mal Popmusik, aber ich höre auch gerne Death Metal. Es ist immer lustig, wenn meine Spotify-Playlist "zuletzt gehört" anzeigt und dann ist es irgendwie INFANT ANNIHILATOR und danach BILLIE EILISH oder sowas. 
Marco: Die ist aber auch krass...
Britta: Also ich finde die super! Ich finde sie sehr inspirierend.
Marco: Bei mir ist es ähnlich. Schlager kann ich auch nicht hören, und so Sachen wie Happy Hardcore oder Schranz, aber ansonsten... viel Metal, klar, aber auch viel anderes. Sehr gerne sogar, ab und zu auch Jazz oder Blues, so wie es kommt.
 
Red.: Das lockert ja zwischendrin auch einfach mal die Ohren auf.

Marco: Auf jeden Fall. Gibt einem ein bisschen Lebensmut zurück. (lacht)
Britta: Ich finde es auch immer schön, wenn man sich aus allen möglichen Dingen inspirieren lassen kann. Also nicht nur musikalisch. Ich weiß nicht, man kann mit Musik irgendwie unglaublich gut die Stimmung für den Tag setzen oder unterstreichen. Freitag-Abend-Fertig-Mach-Musik ist halt eine ganz andere als Montag-Morgen-Zur-Arbeit-Geh-Musik.
Marco: BILLIE EILISH zum Beispiel... äh nee. Ich meine, BILLY IDOL zum Beispiel, da krieg ich Energie von, unglaublich.
Britta: Genau, BILLY IDOL, GUNS'N'ROSES und so, das höre ich, wenn ich mich zum Weggehen fertig mache.
Marco: Oder DIRE STRAITS. Wenn ich die zum Billiard Spielen höre, mache ich kaum Fehler.
 
Red.: Naja, sie heißen ja auch Dire Straights, vielleicht deswegen. Ist tourmäßig was in Aussicht für euch?

Britta: Wir bemühen uns um eine Tour, aber es nicht so, als ob wir jetzt gerade was Konkretes in Aussicht hätten. Das ist halt immer eine sehr schwierige Sache in unserem Status als kleine Band. Du kriegst natürlich was angeboten, aber das ist auch immer ein sehr hohes Invest, so eine Tour. Wir werden noch nicht dafür bezahlt, dass wir touren, sondern wir werden zur Kasse gebeten, damit wir mitfahren dürfen. Das haben wir letztes Jahr auch zwei Mal gemacht, das war super, aber ist natürlich auch immer die Frage, ob man sich das zum einen zeitlich leisten kann, und dann natürlich auch finanziell. Und außerdem wollen komischerweise natürlich auch immer viele Band die Support-Slots haben, die angeboten werden. (lacht) Da muss man sich dann nochmal ranhalten, dass man die dann auch kriegt.
Marco: Also der Wille ist grundsätzlich da, und der Wunsch auch, aber es ist genau das, was Britta sagt. Es ist schon auch tricky.
Britta: Ja, man kann sich das ja ausrechnen. Du hast ungefähr zwischen 200 und 400 Euro Buy-In pro Show, dann musst du noch deinen Tourbus bezahlen bzw. selber fahren und was mieten, Sprit... wenn du einen mittelmäßigen Support-Slot hast, der dich nicht über den Tisch zieht aber auch nicht besonders günstig ist, bist du bei zwei Wochen mit rund 11.000-12.000 Euro dabei. 
Marco: Und für einen Monat kannst du es fast verdoppeln.
Britta: Genau. Und dann musst du ja auch noch T-Shirts produzieren und in Vorkasse gehen und CDs abkaufen und in Vorkasse gehen, und das ist auch ein enorm hohes Risiko, die Band dann einfach finanziell mal eben zu ruinieren.
Marco: Wobei es natürlich auch wichtig ist, zu spielen. Also ob es jetzt die SIX-FEET-UNDER-Tour war oder die Tour mit SINSAENUM. Auch die musikalischen Kontakte, die man da knüpft, oder wenn du auch nur fünf neue Fans mit nimmst, ist das für uns als Band schon wichtig, weil die das dann vielleicht auch weiter tragen und vielleicht zur nächsten Show auch kommen und dann ein, zwei Kumpels oder Kumpelinen mitbringen, und dann ist das halt auch echt cool. Aber der Invest ist schon groß.
Britta: Ich weiß gar nicht, wie das in anderen Musikrichtungen ist, die so populär sind wie Metal. Ich meine, Metal wird ja auf der ganzen Welt gehört und geliebt und hat sehr viele Anhänger, aber hat verhältnismäßig wenig Möglichkeiten Kulturgelder zu beantragen und sowas. Das verteilt sich immer schön auf Jazz und ich weiß nicht was. Ich meine, vielleicht wissen die auch einfach besser, wie man sowas macht, aber der ganze Metal lebt eigentlich von Leuten, die freiwillig kostenlos arbeiten. Oder halt vielleicht sogar noch Geld reinstecken, um die Szene am Leben zu erhalten. Also, Menschen wie du (gemeint ist die Red., Anm. d. Red.), die in ihrer Freizeit dann auch Reviews schreiben oder die hier auf dem Festival zum Beispiel Zelte mit aufbauen und photographieren und so weiter. Das würde alles gar nicht funktionieren, wenn nicht so viele Menschen das alles kostenlos machen würden. Und ich finde es auch okay, was kostenlos zu machen, aber manchmal ist man eben dann an der Schwelle von "Wie viel Zeit kann ich in ein Projekt investieren, ohne dass ich meinen Job kündigen muss? Aber wie viel Zeit müsste ich eigentlich rein geben, damit ich davon dann irgendwann mal leben kann?".
Marco: Ja genau. Und wenn ich das mache - "Kann ich dann noch essen? Oder muss ich mir dann beim Catering drei Lunchpakete basteln für den nächsten Tag?" 
Britta: (lacht) Eigentlich eine gute Idee! Also, wir wollen uns nicht beschweren. Aber ich finde es auch gut, da einfach mal drüber zu sprechen, dass es eben doch schwierig ist in so einem Status zu sein, wie wir es sind, einfach weil man ohne Ende Kohle da reinbuttert. Es ist eigentlich ein Luxus, eine Metal-Band zu haben, würde ich sagen.
 
Red.: Das ist offenbar wirklich eine feine Linie - wenn man die überschritten hat, ist es genau umgekehrt, dann hat man nicht mehr das Problem.

Marco: Genau. Man hat das ja gestern zum Beispiel auch beim DECAPITATED-Auftritt gesehen. Da wurde es dann langsam richtig voll und da hast du dann auch ein anderes Team dahinter. Oder HYPOCRISY, da sieht man, wie das dann wächst. Aber wie viele Alben man macht, wie viele Touren man spielt, wie viel Equipment man kauft... als Musiker musst du natürlich auch dein Equipment ständig updaten, das fängt bei mir bei der Klampfe an, dann brauchst du noch dies und das, und dann bist du plötzlich viele Zehntausende Euros los.
Benny: Und da ist es dann natürlich mega geil, wenn man solche Shows spielen kann wie hier auf den Metaldays, wo man bei dem eigentlich Procedere des Auftrittes und im unmittelbaren Vorfeld in der Vorbereitung Unterstützung kriegt von einer Crew. Dass es Leute gibt, die einem Sachen abnehmen, die einem beim Aufbau helfen und so weiter. Man setzt sich gewissermaßen in ein gemachtes Nest und kann das ganze Ding total genießen. Das sind dann die Momente, wo man denkt "Ja, so muss das sein!". Da zahlt es sich dann aus.
Marco: Naja, sonst ist halt echt Schleppen angesagt und bei dir (Benny, Anm. d. Red.) zum Beispiel eine halbe Stunde Drumkit aufbauen. Bis du das erstmal zusammen hast... Und dann gibt es einen Change-Over von 20 Minuten...
Britta: Was wirst du auch Drummer? (lacht)
Benny: Ich wollte ja Gitarrist werden! Ich war in der Schule in der Gitarren-AG und wollte Gitarre spielen, aber der Lehrer hat herausgefunden, dass ich Schlagzeug spielen kann, und ab dem Zeitpunkt habe ich keine Gitarre mehr angefasst in der AG. Ich musste immer am Schlagzeug sitzen und alle begleiten.
Marco: Ja, Benny spielt tatsächlich Leadgitarre und schreibt auch Songs. Auf der Human Praey ist tatsächlich auch ein halbes Riff von Benny drauf. Die Melodie von "Creation Of Abomination". Hat er zwar keinen Credit für gekriegt... (lacht) Nee, im Ernst, früher hast du (Benny, Anm. d. Red.) echt viele Songs geschrieben.
 
Red.: Na dann müsst ihr ihn gut pflegen, sonst läuft er euch irgendwann weg. Und steigt als Gitarrist ein bei...

Marco: ...CANNIBAL CORPSE! (lacht)
 
Red.: Ich freue mich nun sehr auf euren Auftritt nachher. Wird mit Sicherheit geil. Nur vielleicht ein bisschen warm und staubig. Vielen Dank auf jeden Fall für das schöne Interview!
 
 
 

Line Up

Benny Komatitsch - Schlagzeug
Christian Wiesener - Bass
Britta Görtz - Gesang
Marco Evers - Gitarre
Marco Schauff - Gitarre