Godsticks im Interview

Godsticks im Interview

Am 7. Februar 2020 veröffentlichten "Godsticks" ihr fünftes Album namens "Inescapable". Das ist mehr als ein guter Grund mit dem Sänger und Gitarristen Darran Charles ein Interview zu führen.

Twilight Magazin [TM]: Das Album "Inescapable" stellte für mich den ersten Kontakt zur Band "Godsticks" her. Mein erster Höreindruck war, das es so klingt, als sei es live im Studio eingespielt worden mit ganz wenigen Tonspuren. Andere kürzlich veröffentlichte Alben kamen mit einem sehr dichten komprimierten Klang daher, euer Album klang sehr transparent. War dieser Klang Folge einer eigenen Entscheidung oder hatte der Produzent/der Toningenieur einen Einfluss darauf?

Darran Charles [DC]: James Loughrey, unser Produzent, übt immer einen großen Einfluss auf den Klang unserer Alben aus und in einer Sache ist er sehr versiert, nämlich einen solchen Livesound hinzukriegen. Ich selbst habe die Auffassung, dass ein derartiger Klang exakt der Sound ist, den eine Heavy Rockband sucht. Außerdem hat er das Bestreben, eine solche Transparenz zu erzeugen, dass man jedes Instrument klar heraushören kann. In der Vergangenheit hatten wir eine ordentliche Anzahl an unterschiedlichen Instrumenten und Tonspuren, so dass solch eine Herangehensweise nahezu lebensnotwendig ist für unsere Art von Musik. Wie dem auch sei, bei "Inescapable" war unsere Ansicht, uns mehr an einem minimalistischen Ansatz zu üben. Auf unseren bisherigen Veröffentlichungen haben wir einen Menge an Zusatzspuren aufgewendet, um interessante Akzente unter die Hauptspur zu mischen, bei der überwiegenden Zahl der Lieder auf dem aktuellen Album wollten wir uns sinngemäß ausziehen bis auf Bass, Schlagzeug, Gesang und Gitarren. 

TM: Was waren die Einflüsse zum Komponieren oder Arrangieren dieser Lieder? Entstehen diese durch einen gemeinsamen Prozess oder gibt es einen Hauptkomponisten?

DC: Um ehrlich zu sein, beeinflusst mich niemand, wenn es ums Komponieren geht - zumindest nicht bewusst. Arrangement und Komposition folgen letztlich meiner Vorstellung, wie das Lied in seiner Gesamtheit aufgebaut sein soll. Oft ist es so, dass ich im Entstehungsprozess ein Bild vor Augen habe, wie es am Ende sein soll und dann arbeite ich einfach darauf hin. Auf der anderen Seite gibt es Situationen, da entwickelt sich ein Lied und man lässt sich einfach von der Melodie und Dynamik mitreißen. Das war auf alle Fälle beim Lied "Change" so passiert. Wenn Du mich nun fragst, aufzuschreiben wie die bei diesem Lied die Struktur ist mit den Bestandteilen Vers, Refrain, Übergang, muss ich passen. Hauptsache, wir verstehen die Logik dahinter. Und ich denke, dass ist das, was zählt. Obwohl ich bei uns der Hauptkomponist bin, durchlaufen alle Lieder einen langen Prozess in der Demophase, in den jedes Bandmitglied seine Ansichten zum Arrangement und Melodien einbringen kann. Auf diese Weise ist es also ein gemeinsamer Prozess. Sie geben Vorschläge zu Melodien und Gitarrenparts und inspirieren mich neue Ideen oder Arrangements anzugehen. Darüberhinau verbringe ich besonders in der Anfangsphase sehr viel Zeit mit Tom [Anm:. Price; Schlagzeuger]. Seine Schlagzeugparts sind dann oft maßgeblich für die Richtung, in die sich ein Lied entwickelt oder inspririeren mich zu weiteren Ideen zu Riffs oder Licks. Um es abzubinden hören sich meine Ideen erst dann nach einem "Godsticks" Song an, wenn die anderen Bandmitglieder, meine Bass- und Schlagzeugdemospuren durch ihre eigenen ersetzt haben. 

TM: Mit was fängt der Entstehungsprozess eines Songs an? Mit einem Titel, Text oder musikalisch, also mit einem Riff, Akkordfolge usw.? 

DC: Fast ausschließlich bringt ein Gitarrenriff oder eine Akkordfolge den Balls ins Rollen - und an das schließt sich unmittelbar die Gesangsmelodie an. Bei mir ist es in der Regel so, dass ich die Idee verwerfe, wenn ich nicht in der Lage bin, über das Riff eine Gesangsmelodie zu entwickeln. Für mich ist das ein guter Indikator, ob sich diese Idee zu einem guten Song entwickeln kann. Sollte mir allerdings das Riff so gut gefallen, kann es passieren, dass ich durch meinen Starrsinn und meine mangelnde Bereitschaft aufzugeben Monate brauche, um eine passende Melodie zu finden. Das Texten kommt bei mir immer als letztes. Für mich ist es so, dass die Melodie den Text bedingt. 

TM: Als wie groß bewertest Du den Einfluss von bestimmten Instrumenten (z. B. bestimmte Gitarren, Bässe, Schlagzeuge) oder Equipment auf das Komponieren?Wie sieht es aus mit alternativen Stimmungen bei den Instrumenten? 

DC: Der Einfluss ist größer, als man denken mag. Neues Material, lass´ es eine Gitarre sein oder ein Verstärker, wirken inspirierend. Wenn ich z. B. eine neue Gitarre gekauft habe, fühle ich mich nahezu gezwungen, damit gleich einen neuen Song zu schreiben. Quasi wie eine Rechtfertigung. Ein neues Lied wischt allerdings auch die zwangsläufige Reue des Käufers beiseite. 

Alternative Stimmungen bei Gitarren sind zwar für den Kompositionsprozess sehr gut, aber für die Logistik auf Bühnen aus meiner Sicht unzweckmäßig. In jüngster Vergangenheit habe ich mit der Offenen-C-Stimmung experimentiert, was zur Folge hatte, dass zwei unserer bekanntesten Nummer, nämlich "Below The Belt" und "Hard To Face" entstanden. Ungewöhnliche Stimmungen bedingen das Entstehen neuer Töne, wenn man bekannte Akkordgriffe nutzt. Auf der anderen Seite behindert die Anfangsunfähigkeit die Steuerung des Instruments mit jedem Grad des Abstützens auf bekannte Muster [Anm.: z. B. Griffe], so dass man dabei dann über neue Akkorde und Ideen ins Straucheln kommt. 

Aber wie ich bereits erwähnte, hat diese Art des Ausprobierens auch ihre logistischen Schattenseiten. Dies führte nämlich dazu, dass Gavin [Anm.: Bushell; der andere Gitarrist] und ich aufgrund all der alternativen Stimmungen zehn Gitarren auf der Bühne zwischen uns stehen hatten. Damit hatte der Rest der Band fast keinen Platz mehr! 

TM: Der nächste Fragenkomplex zielt mehr auf Gitarren und Bässe ab. Welches Equipment habt Ihr für das Album verwendet? Was für Gitarren und Bässe? Welche Verstärker? Oder nutzt Ihr Profiler oder Modeller? Verwendet Ihr auf der Bühne anderes Material als im Studio?

DC: Wir haben schon die Angewohnheit, viel Material für den Aufnahmeprozess eines Albums einzusetzen. Glücklicherweise bin ich in der Position, über die Jahre eine ordentliche Sammlung an Gitarren aufgebaut haben zu können. Wobei ich den Begriff 'Sammlung' für mich unpassend finde, da ich nämlich kein Sammler bin. Ich liebe einfach Gitarren und finde sie hochgradig inspirierend, wenn man an den Punkt kommt, ein Album aufzunehmen. 

Für dieses Album wie auch für die letzten beiden war meine siebensaitige Vigier Excalibur mein Hauptinstrument. Ausnahmslos setze ich sie ein, wenn es um die Aufnahme großer Tonumfänge geht. Außerdem besitzt sie einfach einen sehr guten Grundton für Heavy Rock Stilistiken.
Auf den beiden vorherigen Alben nutzte ich Axe FX2 als digitalen Ampmodeller. Für dieses Album war ich in der glücklichen Situation, den neuen Axe FX3 gekauft zu haben. Dieses Ding ist einfach phantastisch. Auch wenn das Angebot an unterschiedlichen Sounds einen einfach überfordert, wollte ich mich auf ein Verstärkerprofil beschränken für dieses Album. Mein Credo ist, dass die mögliche Vielzahl an digitalen Verstärkersimulationen zwangsläufig nicht dazu führen darf, auch alle zu verwenden! Die Verstärkersimulation, die ich im wesentlichen nutzte, basierte auf einem 
Diezel VH4. Dessen Ton steht für mich perfekt zwischen dem Charakter der Marshall JVM Serie und einem Mesa Boogie Dual Rectifier. Ich liebe diesen Verstärker einfach. Für die Sololinien verwendete ich eine PRS Custom 24, die eine Verstärkersimulation eines Marshall Plexi ansteuerte. Das ganze noch angefeuert mit einem Tubescreamer als Vorschaltgerät.

 Auf der Bühne nutze ich ein Ax8, was im Grunde genommen eine Pedalversion des Axe FX2 ist. Allerdings mit verringerter Prozessorleistung. Ich setzte live schon viele Jahre digitale Modeller ein. Neben der Praktikabilität liegt der Vorteil auf der Konstanz des Klanges von Konzert zu Konzert. Und der Sound ist für unsere Ohren einfach phantastisch.

TM: Was sind Eure kurz-, mittel- und langfristigen Pläne und Ziele? Gibt es schon Ideen für das nächste Album? Zeichnen sich Entwicklungen ab hinsichtlich des Klanges oder des Stiles oder zu einem Konzeptalbum? 

DC: Auf der kurz- und mittelfristigen Ebene wollen wir soviele Shows und Festivals spielen wie nur möglich. Wir sind richtig heiß darauf unsere neuen Songs live zu Spielen. Aber jetzt in dem Moment, in dem wir das Interview führen, ist die Covid-19 Epidemie in vollem Gange. Damit ist schwer vorstellbar, was kurzfristig überhaupt möglich ist.  

Bezogen auf neues Material ist dies scheinbar das erste Mal nach Veröffentlichung eines Albums, dass ich nicht gleich mit dem Schreiben neuen Materials begonnen habe. Letztlich ist mir aktuell bewusst geworden, dass mit einer Veröffentlichung eines Albums weiterhin noch viel Arbeit verbunden ist - nämlich mindestens das Promoten. 

Aber ja, nach jedem neuen Album fängt es an, dass wir Dinge feststellen, die wir besser machen können und auch bei diesem Album bin ich mir sicher, dass es Bereiche gibt, in denen wir uns weiterentwickeln und verbessern können.  
Jedes von uns geschriebene Album ist das beste, was wir zu diesem Zeitpunkt erreichen können - aus diesem Grund gibt es auch nichts zu bereuen.
Und außerdem verlagert sich unser musikalischer Geschmack immer wieder zu einem gewissen Teil, was bedeutet, dass Dir das, was Dir heute beim Anhören gefällt, in einem Jahr grundverschieden sein kann. 

TM: Darran, vielen Dank für Deine Ausführungen! 

Bildrechte: Eleanor Jane

Line Up

Darran Charles: Gesang, Gitarre, Keys, Synths
Dan Nelson: Bass
Gavin Bushell: Gitarre
Tom Price: Schlagzeug

Daniel Tompkins: Backgroundsänger bei ‘Denigrate’

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