Listening session: AMORPHIS – Under The Red Cloud

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Listening session: AMORPHIS – Under The Red Cloud

In diesem Jahr hatten sich die Jungs, und Mädels, von Nuclear Blast ein ganz besonderes Leckerchen für alle Tuska-Gänger überlegt. Einen Tag vor Festivalbeginn wurde eine Handvoll JournalistInnen zu einer exklusiven Listening session für das neue AMORPHIS Album eingeladen. Das neue Werk der Finnen wird den Titel „Under The Red Cloud“ tragen, und am 4. September über Nuclear Blast erscheinen. Aufgenommen wurde das Album von Jens Bogren, der auch an dieser Veranstaltung teilnahm.  Nicht nur die malerische Idylle der Festungsinsel Suomenlinna sorgte für ein entsprechendes Maß an Vorfreude. Auch die kurze Begrüßung der Band, und vor allem deren Schwämerei, steuerten ihren Teil bei.
Aber was kann man denn nun vom neuen Silberling der Finnen erwarten? Eine kurze Ausführung gibt’s nun hier.

01. Under The Red Cloud
Im Gegensatz zum Vorgänger Album „Circle“ geht es hier recht entspannt los. Die sanften Pianoklänge werden nach und nach von den anderen Instrumenten unterstützt. Bis die ersten Klänge von Tomis Stimme aus den Boxen schallen, ist schon eine kleine Weile vergangen, in der die instrumentale Fraktion ihre Harmonie unter Beweis stellen durfte. Wie immer darf man die kraftvollen Shouts erwarten, die die Band auszeichnen. Vor allem der Refrain geht ordentlich nach vorne und lädt zum Abgehen ein. Highlight des Songs ist dann aber eindeutig das Keyboard-/Gitarrensolo, welches mich kaum ruhig sitzen lässt. Den Titeltrack der Platte würde ich jetzt schon als einen meiner liebsten Songs der Band einstufen.

02. The Four Wise Ones
Beim zweiten Song geht es dann direkt voll zur Sache. Ein gewaltiges Gitarrensolo, kombiniert mit ordentlichem Doublebassfeuerwerk, sorgen für einen kräftigen Einstieg. Allerdings wird direkt hiernach die Bremse gezogen, und das Tempo wird gewaltig gedrosselt. Vielmehr steht hier der Gesang im Vordergrund. Hierzu bleibt mir eigentlich nur eins zu sagen: Holla die Waldfee! Ich kann mich nicht daran erinnern, bei AMORPHIS, schon einmal solche harten Growls und Shouts gehört zu haben. Kaum vorzustellen dass Tomi wirklich solche Töne aus sich pressen kann. Der ruhige Mittelteil, welcher von zum Großteil aus Flöten- und Orgeleinlagen besteht, stellt hierzu einen angenehmen Kontrast dar.

03. Bad Blood
Mit prägnantem, recht groovigen Synthie-Intro legt dieser Song los. Dieses weicht dann aber einem fetten Riff, bei dem der Kopf gewiss nicht mehr ruhig auf den Schultern sitzt. Allerdings scheinen in diesem Song eher die clean Vocals im Vordergrund zu stehen, welche auch eindeutig einen sehr guten Einsatz finden.  Vor allem gefällt mir hier das Keyboard sehr gut, da es überdurchschnittlich gut mit dem Rest des Songs harmoniert. Die eher untypischen, „Breakdown“-ähnlichen Elemente versetzen mich nicht gerade in Jubelstürme, passen aber sehr gut zum Konzept des Songs.

04. The Skull
Bei diesem Song wird es dann mal etwas ruhiger, so jedenfalls mein Gefühl. Keinesfalls geht hierbei aber die Härte verloren, die bisher durchaus mitzureißen weiß. Vor allem stechen hierbei die betörenden Vocals hervor, die zusammen mit den sanfteren Klängen, ihre Wirkung zeigen. Nach einem kurzen, aber dennoch sehr bestimmten, Pianoteil geht es dann mit treibenden Riffs weiter. Im Allgemeinen ist der Grundrhythmus dieses Songs sehr eingängig, dennoch wollen die einzelnen Bestandteile nicht so recht zusammenpassen.

05. Death Of A King
Nanu?
Hat da jemand aus Versehen einen Track von ORPHANED LAND mit auf die CD geschummelt? Nach anfänglicher Verwunderung finden die orientalischen Klänge dann aber doch Gefallen. Insgesamt wirkt dieser Song dann aber doch irgendwie sehr gefühlvoll und seicht. Einen solch „exotischen“ Song hätte ich definitiv nicht auf einem AMORPHIS Album erwartet. Diese Art von Überraschung ist immer gerne gesehen.

06. Sacrifice
Schon nach wenigen Takten ist es unschwer zu Überhören, um welche Band es sicher hier Handelt. Dieses Intro, und auch der übrige Track, könnten sich seines AMORPHIS-Stempels nicht einmal dann entziehen, wenn sie sich alle Mühe dieser Welt geben würden. Hier wummst vor allem die Bassline gewaltig aus den Boxen. Aber auch der Refrain ist unglaublich kraftvoll, und kennt nur eine Richtung – Nach vorne.

07. Dark Path
Auch im Mittelteil dieses Songs wird man wieder einen seichten Klavierpart vorfinden. Vor allem der fetzige Übergang nach diesem Teil sammelt gewaltige Punkte. Das Einsetzen vom Bass und den Drums, nach diesem ruhigen Teil, wirkt so gleich doppelt so hart. Vor allem die Keys sind in diesem Song relativ prägnant gehalten, und lassen sich nur schwer wieder aus dem Gehörgang spülen. Was mir hier allerdings besonders gut gefällt sind die „dreckigen“ Vocals.  

08. Enemy At The Gates
Wie schon einmal auf dieser Platte findet man auch hier erneut den orientalischen Flair. Allerdings stellt dieser Song keinen Vergleich zu „Death Of A King“ dar, da dieser hier in eine komplett andere Richtung geht. Ein eingängiger Rhythmus steht hier im Vordergrund, der durch kraftvolle Shouts untermauert wird.  Erneut sammelt das Keyboardsolo die meisten Punkte, aber leider kann ich mich trotzdem nicht mit diesem Track anfreunden.

09. Tree Of Ages
Hiermit haben wir dann auch schon den folkigsten Track des Silberlings erreicht. Chrigel Glanzmann (ELUVEITIE) hat sich hier auch direkt als Gast eingeschlichen, und zeigt seine Fähigkeiten an der Flöte. Insgesamt erinnert der Song ein wenig an den Track „Elán“ von NIGHTWISH. Allerdings ist „Tree Of Ages“ wesentlich härter aufgezogen, und macht auch wesentlich mehr Laune. Gute Laune ist beim Anhören vorprogrammiert.

10. White Night
Als ungewöhnliche Überraschung wird man in diesem Song nicht von Tomis kräftigen Shouts begrüßt. Vielmehr wird man hier von einer sanften, weiblichen Stimme umgarnt. Aleah Stanbridge (TREES OF ETERNITY) steuert in diesem Duett den sanften Part bei, wobei Tomi mit harten Growls antwortet. Im Großen und Ganzen sind seine Vocals allerdings clean. Die häufigen Wechsel zwischen ruhig und hart werden auf Dauer zwar ein wenig anstrengenden, bieten aber doch den epischen Schluss, den dieses Album verdient hat.

Fazit:
Im direkten Vergleich zum Vorgängeralbum („Circle“, 2013) bin ich von „Under The Red Cloud“ ein wenig enttäuscht. Nichtsdestotrotz ist die neue Scheibe von AMORPHIS ein erstklassiges Album, welches die Vielseitigkeit der Musiker unter Beweis stellt. Insgesamt ist das Album härter als gewöhnlich ausgefallen und wird für einige Überraschungen sorgen. Auf den Punkt gebracht: Härterer Sound, aber trotzdem noch 100% AMORPHIS!

Line Up

Vocals - Tomi Joutsen
Guitar - Esa Holopainen
Guitar - Tomi Koivusaari
Bass - Niclas Etelävuori
Keyboard - Santeri Kallio
Drums - Jan Rechberger