BURNING RAGE FESTIVAL

  • Datum: Samstag, 26 November 2005
  • Ort: Celle CD-Kaserne
  • Redakteur: Jens Dunemann

Es ist die Zeit der Weihnachtsmärkte und es zieht mich nach Celle, wo an diesem Abend ein interessantes Festival auf mich wartet. Ein Benefizfestival, initiiert von der Cellaner Band Riefenstahl und dem KRONOS e.V. Achim. Dieser Verein macht sich für Aufklärung, für sexuell missbrauchte Kinder und gegen die Verbreitung von Kinderpornographie im Internet stark. Und an diesem Abend heisst es, Flagge zu zeigen, die Stimme zu erheben und ein musikalisches Statement abzugeben. Den Anfang machen gegen 19 Uhr die Thrash Metaller von Drone in einer gut gefüllten Location und sie schaffen es, die Meute zu so früher Stunde so richtig in Wallung zu bringen. Sepultura, Machine Head, man könnte meinen diese junge Band, die gerade noch an der Veröffentlichung ihrer ersten Eigenproduktion Octane arbeitet, könne an diesem Abend jede so richtig etablierte Band in Grund und Boden walzen. Nicht zuletzt kommt ihnen der hammermäßige und überdruckvolle Sound zugute, der an diesem Abend auch nicht mehr überboten werden wird. Und so bangt, groovt, hüpft und brüllt man sich durch einen Set, bei dem eine schwermetallische Riffsalve nach der anderen abgefeuert wird und hinterlässt definitiv keine Gefangenen, diese Band sollte man sich auf jeden Fall einmal vormerken.

Anschließend machen sich Treibhaus auf die Bühne, mit einer modernen Mischung aus Oomph, Rammstein und Weissglut deren Musik mich allerdings nicht wirklich überzeugen kann, da sie mit zunehmender Spielzeit immer langweiliger und vorhersebahrer wird.Soleilnoir bekomme ich aufgrund eines Interviews mit Korpiklaani leider nur am Rande mit aber das was ich da noch zu sehen und zu hören bekomme ist zwar nicht ganz so meine Welt, jedoch absolut überzeugend. Schleppender, psychedelischer Metal gekrönt von einem charismatischen Sänger, der brüllt und schreit, als gelte es den seelischen Schmerz der ganzen Welt aus sich heraus zu würgen.


Mit Occulture entern anschließend die Paradiesvögel dieses Abends die Bühne. Dieses Duo aus Frankfurt/Main, welches mit einer schwer verdaulichen und anstrengenden Mischung aus Gothic, EBM und Industrial aufwartet mag zwar für Szenekenner durchaus gut sein, doch in den heutigen Abend passen sie überhaupt nicht, was nicht zuletzt dazu führt, das schon zur Mitte des Gigs nur noch eine handvoll Leute vor der Bühne stehen und sich der Rest der Druckbetankung hingibt. Hoch anzurechnen ist den Hessen jedoch, das sie ihren Set würdevoll und bis zum Ende professionell durchziehen, so das es mir sogar ein wenig leid tut.

Danach ist es auch schon Zeit für Riefenstahl, die hier ihre aktuelle CD Seelenschmerz vorstellen und die bemüht sind, den noch anwesenden Gästen wieder so richtig einzuheizen. Anfangs klappt das auch sehr gut und die etwas eigenwillig klingende Mischung aus Weissglut und den Onkelz geht jedenfalls mit ihren ambitioniert dargebotenen Hooks ihres Sängers, der visuell ein wenig an den Sänger der Schinder erinnert, gut nach vorne los, doch auch hier wird es mit zunehmender Spielzeit immer vorhersebarer und langweiliger. Hinzu kommt die vorgerückte Uhrzeit, die die noch verbliebenen Gäste zunehmend müder macht.

Ein wenig leid tut es mir schon als weit nach Mitternacht die Rednex aus den finnischen Wäldern, Korpiklaani, eine Stage betreten, vor der nur noch rund 50 Nasen erwartungsvoll ausgeharren aber davon lässt sich der Finne an sich wohl wenig beeindrucken. Jedenfalls legen sie mit einer Spielfreude los, als gelte es ein großes Sommerfestival zu rocken. Band und Publikum fangen schon bei den ersten Tönen an, sich gegenseitig aus den Händen zu fressen, es wird getanzt, gelacht und gefeiert bis zur absoluten Erschöpfung. Korpiklaani ziehen sämtliche Register ihres könnens und spielen einen Querschnitt aus ihren beiden Alben Spirit Of The Forest und Voice Of The Wilderness und verbreiten dabei Spass und Lebensfreude, wie ich es bis dato nur sehr selten erleben durfte. In dieser Verfassung muss man diese Jokels, wie sie sich selbst gerne nennen nicht nur einfach als die finnische Antwort auf die legendären Skyclad sehen, sondern wohl schon in bälde als deren legitime Nachfolger! Sogar zu einem ausgedehnten Zugabenteil lassen sich Korpiklaani noch hinreissen und hinterlassen eine kleine, erschöpfte aber absolut zufriedene Fanschar.Fazit, ein vor allem durch Drone, Korpiklaani und durch die engagierte Aufklärungsarbeit der Mitglieder des KRONOS e.V. ein überaus gelungener Abend, so das ich der Meinung bin, das dieses Festival durchaus eine Neuauflage verdient hat. Dann jedoch sollte man das Billing auf maximal fünf Bands reduzieren, um so dem doch sehr überstrapazierten zeitlichen Verzug vorzubeugen.

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