OPETH & ANATHEMA

  • Datum: Freitag, 23 November 2012
  • Ort: Christuskirche, Bochum
  • Redakteur: Jens Dunemann

Das Konzert in der Bochumer Christuskirche ist neben London und Frankfurt zudem eines von drei Orten der Tour, in denen beide Formationen spezielle unplugged bzw. semiakustische Darbietungen zum Besten geben. Und da Location, Bandkonstellation sowie die Form der Aufführung das ohnehin schon große Interesse an beiden Bands im Vorfeld noch einmal potenziert haben, war die Show in Bochum auch flugs ausverkauft.

Aufgrund der freien Platzwahl finden sich dann auch die meisten Fans äußerst pünktlich in der, im Herzen der Ruhpottstadt gelegenen, Christuskirche ein.
Feierliche Sakralatmosphäre vermittelt die Kirche jedoch leider nur von außen. Ähnlich der Berliner Gedächtniskirche wurde der Großteil des Gebäudes am Ende des zweiten Weltkrieges zerbombt, so dass das Kirchenschiff am historischen Turm in den Nachkriegsjahren durch einen modernen Zweckbau ersetzt wurde.

Der guten Stimmung tut das jedoch keinen Abbruch, als ANATHEMA Punkt 20 Uhr mit ihrem Set beginnen. Die einstige englische Doom/Death-Legende und heutige Progressive Metal/Rock-Größe um den Cavanagh-Brüderclan spielt in kleiner Besetzung mit dem Gitarren-/Gesangsduo Vincent und Danny auf halber Bühne. Auch die Light-Show lässt nur relativ wenige optische Finessen zu.
Die beiden Herren machen das Beste aus der Situation und konzentrieren sich, als Duo zeitweise unterstützt von Sängerin Lee Douglas und Les Smith am Piano, vor allem auf Kompositionen neueren Datums.

 

Anathema


Stimmlich ist die Performance zunächst unnachahmlich und mitreißend. Musikalisch arbeiten die Cavanagh-Brüder aufgrund der halben Besetzung mit Drumloops, Sequencern und darüber hinaus sampelt man die eigenen Gitarren live. Was zu Beginn des zweifelsohne herausragenden Songmaterials erfrischend anders wirkt und nicht zuletzt beim Cover des Pink Floyd-Klassikers „Another Brick In The Wall Pt. ll" frenetisch gefeiert wird, sorgt mit zunehmender Spielzeit zumindest bei mir für Irritationen. Denn für mich persönlich werden die grandiosen Titel so sehr zerspielt und zersampelt, dass sie mitunter karikaturen gleichen. Höhepunkt dieser Wahrnehmung ist das abschließende „Fagile Dreams", ein Klassiker des „Alternative 4"-Albums, der -im Original mit wahnsinnig emotionalen Spannungsbögen- an diesem Abend zu einem fast lächerlichen Zerrbild seiner Selbst wird.
Fazit: Anathema schlagen sich in Bochum unter Wert. Gesanglich herausragend bleibt man musikalisch weit hinter den eigenen Möglichkeiten zurück. Schade.

Anathema - Setlist:
01. Thin Air
02. The Beginning And The End
03. Dreaming Light
04. Untouchable, Part 2
05. A Natural Disaster
06. Another Brick In The Wall Part 2 (Pink Floyd Cover)
07. Fragile Dreams

Nach kurzer Umbaupause untermauern OPETH eindrucksvoll ihre Ausnahmestellung sowie den Headliner-Status.
In voller Besetzung präsentieren die Schweden einen abwechslungsreichen und weitgefächerten Strauß aus den verschiedensten Phasen ihres künstlerischen Schaffens.
Mastermind Mikael Akerfeld ist gut gelaunt wie eh und jeh und führt im Stile eines Entertainers und Charmebolzens durch die abendliche Revue. Akerfeld gibt Wissenswertes, Komisches und Unterhaltsames über den Sinn und Unsinn des Begriffs „Unplugged", Kirchen, Orgeln sowie seinem Verhältnis zu Dan Swanö, Jonas Renkse oder auch Leonard Cohen zum Besten. Trotzdem gelingt es ihm dabei, die knisternde und mitunter greifbar-elektisierende Spannung zwischen den einzelnen Musikstücken nicht abreißen zu lassen.

Opeth


Das eigene umarrangierte Repertoire wird von Coverversionen des Black Sabbath-Klassikers „Solitude", des unbekannten Hansson De Wolfe United-Cover „War Kommer Barnen In" und - man höre und staune trotz Augenzwinkerns - Napalm Death´s „You Suffer" aufgelockert.
Unterstützt von einer fantastischen Licht-Show und einem glasklaren Sound erschaffen Opeth im Rahmen ihres Konzertes etwas Denkwürdiges. Etwas, dass weit über das Ende des Abends hinaus nachhallt.

Zugaben sind an diesem Abend zwar grundstätzlich erwünscht aber auch ohne den Nachschlag stehen das Dargebotene und jene Protagonisten, die es vorgetragen haben, für einen einzigartigen Abend. Und so entschwinden wohl die meisten der Anwesenden auch ohne musikalisches Sahnehäubchen überglücklich in die noch junge Bochumer Nacht.

Opeth – Setlist:
01. Heritage
02. Credence
03. In My Time of Need
04. Häxprocess
05. Var Kommer Barnen In? (Hansson de Wolfe United cover)
06. You Suffer (Napalm Death Cover)
07. Solitude (Black Sabbath cover)
08. Benighted
09. Demon of the Fall
10. Hope Leaves
11. Atonement
12. Marrow of the Earth

Dank gilt an dieser Stelle Iris und Marco von CMM Hameln dafür, dass sie diesen Bericht möglich gemacht haben.

Pics by Arthur Harste: www.metalglory.de

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