FULL OF HATE FESTIVAL

FULL OF HATE FESTIVAL

Nachdem wir nach einer Speedomat-Terror Beach Fahrt von Alfeld nach Hildesheim angekommen waren und über Baustellen beim Capitol eintrafen, war es 19 Uhr. Am Eingang gab es vom einem NB Kollegen einen Legion of the Damned Best of Sampler mit Videos in die Hand, was den Eintrittspreis von über 40 Euro für manche wieder ein kleines bisschen weg machen dürfte.

Normalerweise würde jetzt Keep of Kalessin spielen, aber irgendwie hörte ich das Intro von Legion of the Damned.? Super, Keep of Kalessin hatten schon 40 Minuten vorher angefangen, was für eine super Organisation!!!

Nach dem geilen Intro von Legion of the Damned ging es auch gleich mit Druckvollem Sound und peitschenden Gitarrenriffs los. Die Niederländer hatten im Gegensatz zu einer anderen Band an diesem Abend den besseren Sound und mehr Spielfreunde.

LOTD versuchten ab und zu das Publikum mit einzubeziehen, was leider nicht immer gelang. Die Thrasher spielten u.a. Ihre schon fast legendären Songs "Legion of the Damned", "Malevolent Rapture", den obergeilen Track "Sons of the jackal" und "Feel the lade". Insgesamt ein guter Anheizer für die Machtgewalt Obituary? (Hübi)

OBITUARY

Zugegeben, Legion of the Damned hatten durchaus dazu beigetragen, dass meine eingefrorenen Körperteile (man hatte mich 35 Minuten vor dem Eingang warten lassen) wieder etwas aufgetaut waren. Die Jungs hatten mächtig Druck auf den Boxen! Eben dies war es dann auch, was ich mir von den Death Metal Abrissbirnen von Obituary ebenfalls versprochen hatte.
Zunächst kam ein armer Irrer ohne Haar auf die Bühne und veranlasste das Publikum zunächst zu verdutzten Blicken. Zwar weiß ich bislang nicht, wo dieser arme Irre herkam, aber es schien irgendeine Art von komisch veranlagtem Anheizer zu sein. Seine Mission: die Aggressionen durch Beleidigungen zum Sieden zu bringen. Dies wurde dann mit zunächst leeren, dann auch vollen Bierbechern honoriert. Ich fand das panische Gesicht des Obituary Roadies am lustigsten, als dieser im Kopf die kosten für durch Bier zermahlene Backlinies kalkulierte!

Als die Jungs aus Florida dann die Bühne betraten, musste man sich zunächst an die Bartmode von Gitarrist Trevor Peres, der seinen Marshall mit der Confederate Battleflag abgedeckt hatte, und Drummer Donald Tardy, der wie der übelste Redneck aussah, gewöhnen. Gewohnt dumpf donnerte Peres’ seine Riffs durch die Boxen – der Gitarrensound von „Aushilfssechssaiter“ Ralph Santolla (u.a.Deicide, Death, Iced Earth) kann die Riffgewitter von Schnapsdrossel West nicht ersetzen – über dessen Verbleib konnte ich allerdings so schnell nichts herausfinden. Sitz wohl noch im Knast. Während die Floridaianer also ihre zentnerschweren Riffs über die Meute rollen ließen, fing ein selbsternannte Musikkenner unserer Redaktion (der bei den Buchstaben ACDC sofort in orgastische Schreie verfällt und bei jeder anderen Band die Monotonie der Songs bemängelt) natürlich sofort über fehlende Spielfreude und Songauswahl an zu mosern. Die beiden Damen unserer Redaktion, Sarah und Hübi, taten sich durch einen Haufen unqualifizierter Bemerkungen hervor und schnell wurde wieder klar: mit Musik kennen sich nur Beach und ich aus!

Doch auch ich bin ja – und das wird oft durch die Ignoranz meiner Kolleginnen unterschlagen – durchaus kritisch. So muss man sagen, dass die Herren „20 Years of Death Metal from Florida“ tatsächlich nicht ihre stärkste Show gespielt haben. Woran lag es? Der Sound hatte viel weniger Druck als noch bei Legion of the Damned. Und zu leise war es auch. So hatte man weniger das Gefühl eine Abrissbirne an den Kopf zu bekommen, als vielmehr nur den Abriss einer Gartenlaube im Fernsehen zu verfolgen. Auch die Songauswahl war nicht meine Wunschplaylist und man hatte bis zum genialen „The End Complete“ eher das Gefühl, dass sich die Herren noch warmlaufen müssten. Das Set litt aber insgesamt an zu wenigen Highlights: „Cause of Death“, „Slowly We Rot“, „Threatening Skies“. Dabei hat man doch so viel mehr im Petto. Insgesamt wurde zu viel Wert auf langsame Stücke gelegt, was – man höre und staune – etwas Tempo aus der Vorstellung nahm. Nichtsdestotrotz waren Obituary die wahren Headliner des Abends, wie ausgesuchte Szenekenner im Fachgespräch noch vor Ort bestätigten. Hätten sie die Lichtshow und den Sound der Skandinavier gehabt, hätte es gestern ein Death Metal Massaker erster Güte gegeben.

Noch eine Bemerkung zu Modefragen, die von den vorwiegend metrosexuellen Herrschaften unserer kleinen Expertentruppe diskutiert wurden: Tardy und Peres zeigten, dass man im Frühjahr durchaus auch eine kurze Militärhose tragen kann. In der Regel muss man ja nicht 35 (!!!) Minuten in der Kälte auf die Weggefährten warten.
Wie auch immer: Obituary räumten das Feld und nun wurde es Zeit, dass auch die Mädchen im Publikum auf ihre Kosten kamen: Amon Amarth standen auf dem Programm! (TZ)

AMON AMARTH

Nach den einigermaßen überzeugenden Legion Of The Damned und den zumindest teilweise hüftsteif wirkenden Obituary, war es dann Zeit für den wirklichen Headliner des Abends (nicht wahr, Beach und Thorsten?).

Und dass Amon Amarth diese Position völlig zu Recht bekleideten, wurde in den folgenden 75 Minuten mehr als deutlich. Los ging es mit „Twilight Of The Thunder God“ und „Free Will Sacrifice“ vom neuen Album, gefolgt von „Asator“ vom letzten Geniestreich. Die ganze Band wirkte einfach spielfreudiger als vorher noch Obituary. Johann lies es sich nicht nehmen, immer wieder das Publikum anzufeuern und auch die Gitarristen brachten sich immer wieder in Position um ihre mächtigen Riffs in die Menge zu feuern.

Die Setlist war ausgewogen und bot die Highlights nahezu aller Phasen, wie „Fate Of Norns“, „Death in Fire“, „Ride For Vengeance“ oder „Hermonds Ride To Hel“ (könnte mit anderem Gesang auch von Manowar stammen). Das Publikum im nicht komplett gefüllten Capitol (sicher ein Ergebnis des happigen Eintrittspreises von über 40 Euronen) ging jedenfalls einigermaßen steil. Die Security erwies sich jedoch als weniger humorlos. Ein übereifriger Journalist (Name ist der Redaktion bekannt), der in früheren (noch nicht verheirateten) Tagen mit seinem Objektiv eher auf der Suche nach leicht beschürzten Schönheiten war, wurde gar beim Versuch die Band zu filmen, beinahe aus der Halle verwiesen. Amon Amarth ließen sich davon natürlich nicht beeindrucken und beendeten den regulären Set mit dem obligatorischen „Victorious March“.

Als Zugaben gab es dann noch „Cry Of The Black Birds“ und „Pursuit Of Viking“ und jede Menge zufriedener Gesichter (natürlich nicht von unserer Altherren-Obituary-Front). Insgesamt ein toller Abend, der den Eintrittspreis jedoch nicht ganz rechtfertigte. (Eric)