Obituary - Dust Bolt - The Atmosfear

Obituary - Dust Bolt - The Atmosfear
  • Datum: Dienstag, 19 Juni 2012
  • Ort: Meier Music Hall - Braunschweig
Der Abend ist noch jung, das Meier bereits gut gefüllt als ich in Braunschweig eintreffe und THE ATMOSFEAR leiten gerade das Finale ihrer Show ein. Das niedersächsische Quintett gibt bei gutem Sound mit seinem treibenden melodiösen Death Metal einen mehr als soliden Opener ab, der Spaß und Lust auf mehr macht.

db

Die Thrash Metal – Senkrechtstarter DUST BOLT aus Bayern beweisen danach eindrucksvoll, wieso sie spätestens seit dem letztjährigen WACKEN METAL BATTLE in aller Munde sind und vom Metal Hammer nicht ganz zu Unrecht als Helden von Morgen gefeiert werden.Das blutjunge Quartett überzeugt mit abwechslungsreichem Thrash Metal, der die traditinellen Einflüsse der Achtziger und Frühneunziger mit der Wucht und Power der Moderne verbindet. Ausflüge in progressive Metal-Gefilde sowie groovige Rock ´N´ Roll- und wütende Hardcore-Anleihen inbegriffen. Die Jungs sind technisch beschlagen, perfekt eingespielt und zünden auf der Bühne ein wahres Performance-Feuerwerk ab, dem man sich kaum entziehen kann. Spielfreude klingt eindeutig untertrieben, wenn man die Bajuwaren über die Bühne toben und moshen sieht, ohne dass dabei das tighte Zusammenspiel leidet. Song für Song gewinnen sie Fan um Fan, bis am Ende ein beachtlicher Moshpit vor der Bühne entstanden ist. Beide Daumen hoch für Dust Bolt.

Nach kurzer Umbaupause wird es Zeit für die Florida-Deather von OBITUARY. Ohne jeglichen Pomp betreten die zum Four-Piece geschrumpften Amis die Bühne und geben nach einem allürenlos ins Publikum gebrüllten „Are you ready...?" von Rythmus-Motor Donald Tardy ordentlich Gas.
Nun haben auch schon andere Formationen den Verlust eines zweiten Gitarristen verkraftet aber der bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Bass von Terry Butler befreit mich gleich nach den ersten Takten von jeglichen Zweifeln, es könne zu Soundlöchern während der Soli kommen. Allerdings wird schnell klar: OBITUARY verzichten mittlerweile durchgängig auf diese Parts in ihren Songs.
Donald Tardy mag ein begnadeter Trommler sein, der einen mörderischen Groove aus jeder Zelle seines Körpers schüttelt, sein Bruder John einer der unnachahmlichsten Sänger des Genres aber neben dem unglaublich morbiden und abgrundtief düsteren Doom- und Uptempo- Death Metal waren es vor allem die prägnanten Soli und Leads, die diese Band und ihre Musik zu etwas Einzigartigem werden ließen. Ob gewollt oder ungewollt, die Band hört sich insbesondere bei den Klassikern von „Cause Of Death", The End Complete" oder „World Demise" so an, als sei der Kanal mit der Leadgitarre ausgefallen. Da können die gealterten Tardy-Brüder sowie die Herren Peres und Butler noch soviel Spaß auf der Bühne und Bock auf die Show haben. Hier fehlen ganz einfach prägende Elemente der Songs, ohne die das Material und die zweifelsohne hochkarätige Titelauswahl an diesem Abend nur noch die Hälfte wert ist.
Ich möchte nicht ganz soweit gehen, dass sich an diesem Abend aus meiner Sicht eine einstige Death Metal-Größe selbst zerlegt aber verglichen mit dem, was Szene-Veteranen und langjährige Weggefährten wie z.B. Asphyx, Bolt Thrower oder gar Napalm Death heutzutage auf der Bühne veranstalten ist die Darbietung von Obituary allenfalls unteres Mittelmaß, insbesondere neben der Leistung der Newcomer von Dust Bolt.
Auch wenn es ein größerer Teil der Anwesenden wohl anders sieht. Als Fan bin ich enttäuscht, als kritischer Redakteur bin verärgert, für diese halbgare Kost den verhältnismäßig langen Anreiseweg in Kauf genommen zu haben aber als zahlender Gast hätte ich mich wohl ziemlich verschaukelt und verarscht gefühlt.

obi