Sepultura, Hammercult

Als ich das ehrwürdige und sehr gut gefüllte SO36 um 20:20 betrete, sind HAMMERCULT schon auf der Bühne. Zum Glück haben sie aber erst einen Song gespielt. Die Israelis zocken Thrash der alten Schule und sind noch richtig hungrig. Das merkt man sowohl an den Songs als auch am Staceacting. Die Band trägt Shirts von Kreator, Trivium und Malevolent Creation - genau in dieser Schnittmenge wildert sie musikalisch. Es scheint sich eine Freundschaft mit Sepultura entwickelt zu haben, denn HAMMERCULT gaben bereits auf der Tour 2012 den Opener und Andreas Kisser wird einen Gastauftritt auf ihrem nächsten Album haben. Auf das kann sich jeder Thrasher freuen, denn die Kostprobe ´Metal Rules Tonight´ reiht sich nahtlos in den Gig ein. Es spricht für Sepultura, eine so starke Band mitzunehmen, die auch guten Sound und das gesamte Licht zur Verfügung hatte - so soll’s sein. Mit jedem Song eroberten sich HAMMERCULT mehr Fans und bei ´We Are Hammercult´ zur Mitte des Sets startet dann der erste Pit. Das muss man bei dem in der Regel reservierten Berliner Publikum erstmal schaffen. Und wenn man dann noch CD und Shirt im Package für schlappe 15€ anbietet, gewinnt man sicher neue Fans. Ich bin mir sicher, dass wir noch einiges von den Israelis hören werden.

Nachdem Hammercult den Job als Anheizer perfekt erledigt haben, lassen SEPULTURA durch eine für mich zu lange Umbaupause diese Atmosphäre wieder merklich abflachen.

Nach den ersten Tönen von ´Troops Of Doom´ ist die Stimmung dann aber sofort wieder blendend. Es ist ein cleverer Schachzug der Brasilianer, mit diesem Song gleich mal die alten Fans zu bedienen. Bereits bei dem folgenden ´Refuse/Resist´ landet dann schon der erste Schuh auf der Bühne, vor der es mächtig zu brodeln beginnt. Erstaunlich ist, dass die Stimmung nur minimal abflacht, als dann die Songs der nach-Max-Cavalera-Ära zum Besten gegeben wurden. Sicher ist das Publikum da nicht so textsicher, aber der Bewegungsdrang wurde weiterhin ausgelebt. Als dann ein Song für die Älteren angekündigt wurde, habe ich mich schon auf ´Escape To The Void´ oder ähnliche Kracher gefreut. Andreas Kisser nutze eine technische Pause nach der Ansage, um Klassiker von Deep Purple und Led Zepplin anzuspielen. Leider ging die Reise nur zurück ins Jahr 1993, aber ´Biotech is Godzilla´ ist ja beileibe auch kein schlechter Track und die Lyrics von Jello Biafra sind wohl aktueller denn je. Anstatt der folgenden Coverversionen von Titãs und Motörhead hätte ich lieber eigene Stücke aus der Zeit von Shizophrenia bis Arise gehört, schade drum. Aber zumindest ´Arise´ aus der Pure-Thrash-Ära wurde ja später noch aufs Publikum losgefeuert.

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Spielfreude SEPULTURA nach all den Jahren immer noch unterwegs waren. Man merkt der Band an, dass sie richtig Bock hat, live zu spielen und dass das Klima in der Band stimmt. Hätte mir jemand im Jahr 1996 gesagt, dass diese Band auch ohne die Cavalera Brüder im Jahr 2013 so abräumt, hätte ich ihm wohl einen Vogel gezeigt. Dass SEPULTURA aber 2013 immer noch so gut dabei sind, zeigt auch, wie wichtig - und lange unterschätzt - Basser Paolo und Gitarrist Andreas schon immer waren. Obwohl die Band von meinen drei Lieblingsalben nur einen Song gespielt hat, haben sie an diesem Abend vollends überzeugt. Im Package mit Hammercult war der mir zunächst deftig erscheinende Eintritt von 25 Euro an der Abendkasse dann doch gerechtfertigt.

Setlist

Hammercult:

Black Horseman
Diabolic Overkill
Above The Ruins
Riding Through Hell
We Are Hammercult
Let The Angles Burn
Into The Death Gate
Hell’s Unleashed
Metal Rules Tonight
Hellbent
Stealer Of Souls

Sepultura

Intro
Troops Of Doom
Refuse/Resist
Kairos
Sepulnation
(Into) Altered States
Convicted In Live
Attitude
Choke
Treatment
Biotech is Godzilla
Policia (Titãs Cover)
Orgasmatron (Motörhead Cover)
Slave New World
Territory
Arise

Zugaben:

Ratamahata
Roots

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