Sondaschule, Drei Meter Feldweg, Treptow – Hannover Capitol (15.09.2022)

Sondaschule, Drei Meter Feldweg, Treptow – Hannover Capitol (15.09.2022)
Sondaschule, Drei Meter Feldweg, Treptow – Hannover Capitol (15.09.2022)
Tourauftakt in Hannover. Nach den dürren Jahren der Pandemie, machten sich die Punkrocker aus Mühlheim/Ruhr auf, um ihr fantastisches aktuelles Album „Unbesiegbar“ auf die Bühne zu bringen.

Am Eingang des Capitol wurde mir nicht nur klar, dass ich langsam aber sicher alt bin, sondern auch, dass ich seit 2020 nicht mehr auf einem Konzert war: An der Tür warteten futuristisch aussehenden Geräte auf vorfreudige Ticketbesitzer, die dann durch einen Scan Eintritt in die heiligen Hallen erlangten. Oh, Brave New World.
Davon abgesehen war es um kurz vor 20 Uhr mit der „Ruhe vor dem Sturm“ bereits vorbei, denn das Berliner Duo TREPTOW rockt bereits die Bühne. Hatte ich am Nachmittag noch gedacht, dass ich auf zwei Vorgruppen gar keinen Bock hätte, musste ich meine Vorbehalte nun beiseite räumen, denn Gitarrist/Sänger Philipp Taubert und Drummer/Sänger Lukas Lindner sorgten für ordentlich Wirbel auf der Bühne. Mit gefälligem Punkrock und regelrecht philosophischen deutschen Texten machte das Duo mindestens ebenso viel Rabatz wie eine fünfköpfige Kapelle – nur, dass sich diese beiden Schlaufüchse die Kohle nur miteinander teilen müssen.
TREPTOW kamen nicht nur bei mir gut an, sondern konnten auch vom hannoverschen Publikum wohlwollende Reaktionen provozieren. Gute Truppe. Muss man im Auge behalten.
Nach kurzer Wegräum-Pause ging es aus Ost-Berlin in ländlichere Gefilde: DREI METER FELDWEG enterten die Bühne. Vor gut 10 Jahren südlich von Hamburg in der Lüneburger Heide gegründet, kann die Truppe mittlerweile auf vier Alben zurückblicken. Das aktuelle Album „Durak“ ist Ende August erschienen, so dass die Tour zeitlich bestens in den Plan passt. Musikalisch passt die Band bestens zum Hauptact SONDASCHULE, denn auch die Niedersachsen mischen punkrockige Riffs mit SKA-Elementen. Entsprechend positiv wurde die Band von den Fans im Capitol aufgenommen. Frontmann Bennet Ramm tobte über die Bühne und seiner Instrumentalfraktion war die Freude am Livespielen deutlich anzusehen. Obwohl natürlich alle Anwesenden auf SONDASCHULE warteten, möchte man fast sagen, dass der GIG von DREI METER FELDWEG viel zu schnell vorbei war.

Zwischenfazit des Abends: Voll, heiß, laut und fantastische Anheizer!
Mit mehr als zwanzig Jahren auf dem Buckel sind SONDASCHULE natürlich die Platzhirsche des Abends und das volle Capitol lässt es sich nicht nehmen, die Punkrocker mit lauten Sprechchören auf die Bühne zu bitten. Entsprechend groß ist der Jubel, als „Die Ruhe vor dem Sturm“ den Beginn des Gigs ankündigt. Dieser schreibt dann auch gleich mit dem fulminanten „Gute Zeiten“ das Motto des Abends in die stickige Hallenluft. Mit „Neue Welt“ lassen Costa Cannabis & Co den Fans keine Zeit zum Verschnaufen. Nicht nur die Meute im Innenraum rastet vollkommen aus, sondern auch der Balkon beginnt bedenklich an zu schwingen. Nach dem unerwarteten Tod von Gitarrist „Blubbi“ hatte Neuzugang Phillip "FaF" Pfaff heute seine Feuertaufe an der Gitarre (zumindest im Tour-Kontext). Der ehemalige THE TIPS Klampfer machte seine Sache aber sehr gut und wurde vom Publikum auch positiv aufgenommen. Mit Songs wie „Pommesbude“, „Sommer, Sonne, Strand und Meer“, „Waffenschein bei Aldi“, „Amsterdam“ und „Schöne Grüße vom Meer“ sorgten die Mühlheimer für unbeschwerte Partystimmung im frühherbstlichen Hannover. Das faszinierende ist, dass man die Songs des Abends gar nicht alle kennen musste, sie zündeten auch so umgehend. Das aktuelle Album „Unbesiegbar“ wurde natürlich auch bedacht, und zwar fast vollständig. So haute man den tanzwütigen Fans Kracher wie „Merkst du nicht…“, „Beverly Hills“, „Liebe für die Freaks“, „Ich verspreche mir selbst“, das titelgebende „Unbesiegbar“, das rappige „Morgens um halb 4“ und das geniale „Was ich am liebsten mag“ um die Ohren. Das neue Material fügte sich perfekt an ältere Songs wie „Arschlochmensch“ oder „Mühlheim/Ruhr“ an. Fast verschämt kündigte Frontmann Costa, der mit Hut, Lockenpracht und verschmitztem Dauergrinsen übrigens optisch irgendwie an den jungen Didi Hallervorden erinnerte, das autobiografische „R.I.P. Audio“ an. Und während ein Heini direkt vor mir permanent sein doofes Handy vor meine Augen hielt, um auch ja keinen Moment ungefilmt zu lassen, musste ich feststellen: Ich denke auch oft an diese Zeit. R.I.P. Audio!
Dass „Bevor ich irgendwann mal geh“ ungewollt tragische Wirklichkeit werden würde, hatte bei den Aufnahmen niemand geahnt. Dementsprechend wurde das SONDASCHUL-Backdrop zu dem Song durch ein übergroßes Porträt des langjährigen Mitstreiters „Blubbi“ ausgetaucht. Gänsehautmoment.
Nach drei Jahren Konzertabstinenz kann ich mir Fug und Recht sagen, dass es keinen besseren Einstieg als mit SONDASCHULE hätte geben können. Gute Laune pur. Und all denjenigen, die die Sonderschule abschaffen wollen, kann ich nur sagen: SONDASCHULE sind unbesiegbar.




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