Tankard, Space Chaser, Antipeewee

Tankard, Space Chaser, Antipeewee
An so einem düsteren, kalten Freitagabend freut sich der Großteil der Metalgemeinde wohl auf ein schönes Feierabendbier. Ich hab mir stattdessen den obligatorischen TANKARD-Bauch umgeschnallt und die Kutte übergeworfen, um dem Ruf der Frankfurter Thrash Könige ins Musikzentrum Hannover zu folgen.

Hannover Metal Metzger No. 1 Waldi hatte für den heutigen Abend eine sehr schönes Thrash Metal Trilogie zusammengestellt und neben den eigens für diesen Abend designten Hardtickets auch noch ein auf 100 Stück limitiertes Tourshirt in Aussicht gestellt. Beste Aussichten also…
… um eins der raren Shirts ergattern zu können, fand ich mich, wie viele andere Thrashonauten kurz vor dem anvisierten Einlass um 20 Uhr vor der Tür des Musikzentrums ein. Um es vorwegzunehmen: Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nur auf T-Shirt und Kutte zu vertrauen war keine gute Idee. Vor allem dann nicht, wenn die Türen erst deutlich nach dem angekündigten Veranstaltungsbeginn um 20.30Uhr aufgingen. Und als sich die Tore gegen kurz vor 21 Uhr schließlich für die erstaunlich geduldig wartende Metalmenge öffneten – die Schlange reichte mittlerweile bis weit auf den Parkplatz – bedeutete dies noch lange nicht den langersehnten raschen Einlass, da der Merchstand direkt im Eingangsbereich aufgebaut worden war, so dass die T-Shirt Hunter den Einlass blockierten und so für den nächsten Stau auf der T-30 (Tankard 30.11.) sorgten. Entsprechend ungehalten äußerten sich die Fans, als sie durchgefroren in die Halle kamen.
Immerhin hatte Waldi - in weiser Voraussicht? - gleich zwei Anheizer gebucht. Die waren auch nötig, um mich wieder auf Betriebstemperatur zu bringen. Als jedoch schließlich mit ANTIPEEWEE die erste Band des Abends auf die Bühne kam, war die Warteschlange vor der Halle noch lange nicht abgearbeitet. Schade für die Band und schade für die Fans, die rechtzeitig am Venue waren und nun eine energiegeladene Show der Niederbayern (mindestens teilweise) verpassten. 
Mit „Infected By Evil“ haben die Thrasher ein aktuelles Album im Gepäck und vor allem die ersten zwei-drei Songs konnten sofort richtig überzeugen. Eigentlich steht Coralie Baier an der  Klampfe neben Frontschreier Philipp. Doch heute – wie auch schon in der Vergangenheit – schrubbte BATTLECREEK Gitarrist Chris Meisl die zweite Gitarre. Wieso, weshalb, warum? Keine Ahnung. Basser Alexander bewies Mut, als er zwischen den Songs sagte: „Ich hoffe, ihr habt nicht zu lange vor der Tür gewartet!“ Um die Gemüter wieder zu beruhigen wurden dann jedoch amtlich weitergethrashed. Mit Songs wie „Infected by Evil“, „Rise of Cthulhu“ oder „Dagon“ konnten ANTIPEEWEE letztlich über die Unannehmlichkeiten vor der Hallentür hinwegtrösten. Amtlicher Auftakt!
Während ANTIPEEWEE deutlich vom amerikanischen Bay Area Thrash beeinflusst waren, erinnern die Berliner SPACE CHASER vor allem wegen der hohen Stimme von Frontmann Siegfried doch eher an Bands wie OVERKILL. Im Gepäck hatten die Jungs ihre aktuelle Splitt-EP mit DESTILLATOR. Die Jungs ließen ordentlich die Haare kreisen und Sänger Siegfried – der optisch irgendwie an den jungen Chris Boltendahl erinnert – sorgte mit Posen und Grimassen für ordentlich Dampf. Über die gesamte Spielzeit hinweg wurde mir die Band dann aber doch zu eintönig.  Irgendwie hatte man das Gefühl, dass der Schnellzug zu Beginn der Show in den Tunnel donnerte und nach einer Stunde ungebremst wieder herausthrashte. Hinzu kam, dass die Gesanglinie dann doch irgendwann sehr ähnlich klangen. Aber dies mag daran liegen, weil ich mit dem Studiomaterial der Jungs nicht vertraut bin. Vor der Bühne wurden die Berliner auf jeden Fall ordentlich abgefeiert und es bildete sich schnell ein Mosh-Pit und die ersten – in die Jahre gekommenen – Diver enterten die Bühne.
Es war dann schon fast Geisterstunde bevor die Hauptakteure die Bühne betraten – anders als in Braunschweig vor einem Jahr, mit erstaunlich vielen Wasserflaschen bewaffnet. Los ging es mit „One Foot In the  Grave“, dem Titeltrack des aktuellen Albums gegen das Älterwerden. Doch vielleicht war Früher doch auch einfach alles besser: „The Morning After“ und „Zombie Attack“ ließen zumindest bei mir mal wieder diesen Eindruck entstehen. Mit „Not One Day Dead“  unterstrichen die Frankfurter, dass sie nie von der Bildfläche verschwunden waren, auch als die Zeiten für Thrash Bands deutlich schlechter waren als es heute wieder der Fall ist. Mit „Rapid Fire“ folgte einer der besten Songs aus der Quartett-Phase der Band, an den sich „Rules for Fools“ anschloss. Bevor „Die with a beer in your hand“ zum genialen „Mind on the Moon“ vom oft unterbewerteten „The Tankard“ Album überleitete. Mit letzterem Song hatte sich die Sache mit meiner Wunschplaylist dann aber auch erledigt. Es folgten noch „R.I.B.“ und „Pay To Pray“, bevor das unsägliche „Metal To Metal“ zu „Rectifier“ überleitete, welches von „The Beauty and the Beast“ gefolgt wurde. Den Abschluss der regulären Sets bildeten dann zu mittlerweile sehr fortgeschrittener Stunde das geile „Chemical Invasion“ und „Freibier“. Die abgekämpfte Menge vor der Bühne gab sich jedoch noch nicht zufrieden, so dass die Frankfurter mit „Alien“, „A Girl Called Cerveza“ und dem obligatorischen „(Empty) Tankard“ nochmal nachlegten.

Damit ähnelte die Playlist derjenigen aus dem vergangenen Herbst im B58 in Braunschweig doch sehr – und es hatte wieder kein einziger Song vom „The Meaning Of Life“ Album auf die Bühne geschafft. Das ist hart – ich hatte es aber irgendwie schon befürchtet und schob im Auto einfach die „Fat, Ugly and Live“ in den Player. Den angereisten Fans schien es aber gefallen zu haben. Kollege Wolle nickte über die gesamte Spielzeit wohlwollend mit dem Kopf und die Fans vor der Bühne hielten einen brutalen Mosh Pit am Laufen, während diverse Diver mit unzerstörbarer Geduld immer wieder die Bühne enterten, um anschließend unter Todesgefahr einen Kopfsprung in die Menge zu vollziehen.
Was bleibt von diesem Abend? Viel guter Thrash Metal, viele zufriedene Fans, aber auch einige gemischte Gefühl wegen der eiskalten Begrüßung am Eingang und der – für mich als Ewiggestrigen – enttäuschenden Setlist.

Setlist

One Foot In the Grave
The Morning After
Zombie Attack
Not One Day Dead
Rapid Fire
Rules For Fools
Die With A Beer In Your Hand
Minds On The Moon
Intro R.I.B.
R.I.B.
Pay To Pray
Metal To Metal
Rectifier
The Beauty And The Beast
Chemical Invasion
Freibier
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Alien
A Girl Called Cerveza
(Empty) Tankard

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