The Bosshoss, Smokestack Lightnin'

Manchmal habe ich Gewaltphantasien!
Dies lag an der durchaus erfreulichen Tatsache, dass das Capitol bis auf den letzten Platz ausverkauft war und es für mich schwer wurde, den schmalen Grad zwischen Frotteurismus und Klaustrophobie zu finden. Dennoch war es erstaunlich, wie viele Damen und Herren sich doch mehr oder weniger in Cowboyoutfits geworfen hatten.
Passend dazu eröffneten Smokestack Lightnin', die derzeit vor allem durch ihre Coverversion von "The Unknown Stuntman" auf sich Aufmerksam machen, um 20 Uhr den Reigen. Sie umschreiben ihre Musik selber als Twang: eine Mischung aus Rock N Roll, Country, Rockabilly, dem mal mehr, mal weniger die Chris Issack oder Bruce Springsteen Einflüsse anzuhören sind. Während die ersten Töne aufgrund des katastrophalen Sounds bestenfalls für Hörmuschelchaos sorgten, entwickelte sich der Vierer schließlich doch sehr positiv und wurde vom Publikum auch entsprechend abgefeiert. Der eine Gitarrist erinnerte zwar an meinen alten Bandkumpel Horst und der andere überzeugte durch eine der Frisuren, die gar keine Frisur sind, doch musikalisch konnte mich die Kapelle durchaus überzeugen. Dies lag zum einen an guten Coversongs wie "Ring Of Fire" oder oben erwähntem "Unknown Stuntment", aber auch an fast durchgehend temporeicher Performance. Die gut 35 Minuten der Jungs waren jedenfalls kurzweilig.
Nach einer etwa halbstündigen Umbaupause, enterten gegen 21 Uhr die Berliner von "The Bosshoss" die Bühne und konnten das Publikum im mittlerweile zum Bersten gefüllten Capitol schon mit den ersten Tönen von "Stallion Battalion" in eine einzige wogende Masse verwandeln.
Konsequent wurde an der fiktiven Bandhistorie mit Entstehungsort Mississippi festgehalten, so dass alle Gespräche auf Englisch geführt wurden. Mein Tipp wäre hier, dass man als echter Southerner doch mal das "everybody" durch ein authentischeres "Y'all" ersetzen sollte. Die Jungs überzeugten durch eine sehr massive Bühnenpräsenz und offensichtliche Spielfreude. Neben Songs des neuen Albums (z.B. Monkey Business, Omniscient Lover, Jumpin Around) donnerten auch ältere Songs wie Rodeo Radio, Rodeo Queen, Mary Mary Me, Hell Yeah, oder Say A Little Prayer, das Zeit zum Verschnaufen gab, durch die Boxen. Ein wenig lang und weilig fand ich die extended version von "High", da wurde meine Geduld doch etwas zu sehr strapaziert.
Zwar waren die Ansagen oftmals durchaus unterhaltsam, dennoch nahm sich die Band durch die mitunter sehr langen Gespräche manches Mal selber die Luft aus dem Programm und man wünschte sich "A little less talk, a bit more action". Allerdings kam gerade Sänger und Gitarrist Hoss Power sympathisch und witzig rüber. Sänger Boss Burns wirkte für mich hingegen oft zu selbstverliebt und poste zu viel rum - manchmal hatte es den Anschein, als wäre er (schon optisch) bei den Foo Fighters besser aufgehoben - die Rollins Band will ich hier trotz des Rückentatoo mal unerwähnt lassen, da die Gewichtsklasse doch wohl eine andere ist.
Wo man sich bei vielen Metalbands oft sehr über Vorstellungsrunden und Solodarbietungen der Musiker ärgert, gelang es The Bosshoss, auch diese Passagen mit viel Power und Tempo unterhaltsam zu gestalten. So war es kein Wunder, dass die Band nach 2 Stunden mit ohrenbetäubendem Applaus verabschiedet wurde und in ebensolcher Lautstärke nach Zugabe verlangt wurde.
Und während ich noch auf "Jose and Myling" und "Truck N Roll Rules" wartete, wurde zunächst "Goodbye Mary" dargeboten und dann folgten noch Gay Bar und Sabotage.
Bleibt also ein sehr unterhaltsamer Abend mit viel Spielfreude und Power und die Berliner haben gezeigt, dass es ihnen gelingt mit ihrer Punk-Rockabilly Attitude Alternative-Country auch bei den Norddeutschen salonfähig zu machen. Wer es diesmal verpasst hat, der sollte sich die Show im März nicht entgehen lassen. Es lohnt sich.

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