Thrashfest Classics

  • Datum: Montag, 28 November 2011
  • Ort: Meier Music Hall, Braunschweig, 28.11.2011
  • Redakteur: Thorsten Zwingelberg
Insgesamt 5 Bands haben sich auf den Weg begeben, um die Klassiker des Thrash Metal wieder auf die Bühnen der Republik zu bringen. Die Rolle des Headliners teilten sich dabei auf dieser Tour die Bay Area Legende Exodus und die Brazilianer von Sepultura. Das Besondere dieser Tour war, dass alle Bands ausschließlich Songs alter Klassikeralben spielen würden und dass die Fans im Vorfeld über das Internet eine Songauswahl treffen konnten.

Erwartungsgemäß war die Music Hall in der Löwenstadt bereits gegen 18 Uhr ordentlich gefüllt, aber noch nicht überfüllt, als die reformierten Mortal Sin die Bühne enterten. Ich war nie ein Fan der Band, so dass ich kaum etwas zur Playlist sagen oder Vergleiche zu alten Shows ziehen könnte. Nur so viel, die Australier, deren neues Album „Psychology of Death“ leider an diesem Abend nicht auf der Playlist stehen konnte, prügelte sich amtlich durch ihre Anfangsalben und heizte so der wartenden Thrashgemeinde bereits ordentlich ein. Mat Maurer stand wie eine Mauer am Bühnenrand und moshte sich den Kopf fast von den Schultern. Gut, die Betriebstemperatur um Meier’s war erreicht!
Dann war es Zeit für die Kaliforniern von Heathen, die vor nicht allzu langer Zeit bereits mit Overkill in Braunschweig gastiert hatten. Bemerkenswert allerdings, dass der aus Russland stammende Gitarrist Lee Altus heute gleich für zwei Bands auf die Bühne musste. So ist vielleicht auch zu erklären, dass er sich in Sachen Bewegung bei seinen eigenen Songs deutlich stärker zurückhielt als später an der Seite von Gary Holt. Mit „Breaking the Silence“ und „Victims of Deception“ hatten die Jungs zwei starke Alben im Gepäck, wobei das melodiöse Zweitwerk mit drei Songs bedacht wurde. Die Reaktionen des Publikums waren gut, aber nicht euphorisch. Trotzdem darf man den Westküstenjungs attestieren, dass sie eine gute Show abgeliefert haben – doch es war auch klar, dass die Fans auf andere Bands warteten.
Einzige einheimische Band an diesem Abend waren Destruction. Auch Schmier & Co waren bereits im Vorprogramm von Overkill in der Löwenstadt. Trotzdem – oder gerade deshalb – wurden sie abgefeiert. Das Trio füllte die Bühne deutlich besser aus als der Fünfer von Heathen, was an der höheren Laufbereitschaft und Schmiers hünenhaften Erscheinungsbild gelegen haben dürfte. Mit „Mad Butcher“ oder „Bestial Invasion“ konnte man dann auch wenig falsch machen, so dass die Fans vor der Bühne letztlich eine ganze Menge Haare gelassen haben dürften – die Köpfe kreisten jedenfalls ohne Unterlass. Zum druckvollen Sound kam eine passende Lichtshow, so dass das mittlerweile proppenvolle Meier’s wirklich in den Grundfesten erschüttert wurde.
Vielen Anwesenden schien es wie dem Kollegen Evil Mike und mir zu gehen: eigentlich wollten wir Sepultura sehen. Das letzte Mal hatten sie mich auf ihrer Chaos A.D. Tour in den Konzertsaal locken können. Musikalisch bot sich mir heute also im Wesentlichen die selbe Grundlage wie damals, nur dass mir schon vorher klar war, dass ich Songs wie „Troops of Doom“ schmerzlich vermissen würde. Doch „Beneath the Remains“, „Arise“ und „Chaos A.D.“ haben ja auch genug hörenswertes Material zu bieten, wobei man es für das letztgenannte Album auch bei „Refuse/Resist“ und „Territory“ hätte belassen können. Unsäglich übrigens, dass irgendwelche Zukunftsfanatiker ständig solche Schrottsongs wie „Roots“ forderten. Mit den ersten vier Songs sorgten die Südamerikaner für echte Glücksmomente. Allerdings muss man auch sagen, dass die Bühnenpräsenz nicht mehr mit dem „Chaos A.D.“ Line-up zu vergleichen war. Andreas Kisser, der sich wohl Socken bei Cyco Miko geliehen hatte, tobte wie ein Irrer über die Bühne und auch Sänger Derik war durchaus akzeptabel, aber gerade Basser Paulo Xisto Pinto Jr, den ich zunächst auch gar nicht erkannt habe, hätte ebenso gut ein kurzfristig eingesprungener Gabelstaplerfahrer vom benachbarten VW Werk sein können. Na ja, früher war eben doch nicht alles schlecht. Doch so oder so waren Sepultura für mich der sehenswerteste Act des Abends und Spaß gemacht hat es dann ja auch doch irgendwie.
Exodus sorgten für zwiespältige Reaktionen im Publikum. Zum einen wurden die Bay Area Veteranen natürlich gebührend abgefeiert und mit Songs wie „Bounded By Blood“, „Fabulous Desaster“, „The Toxic Waltz“ oder „A Lesson in Violence“ wird man früher oder später jedes Thrash Metal Herz erobern können. Allerdings hatte ich die Jungs in der letzten Zeit bereits so häufig gesehen, dass sie für mich mit Sepultura nicht mithalten konnten. Zudem bestätigte Kollege Evil Mike meinen Eindruck, dass Sänger Rob Dukes nicht unbedingt ein Gewinn für die Band ist. Positiv ist, dass der Typ eine unglaubliche Aggressivität ausstrahlt, womit wir auch schon beim negativen Aspekt wären: der Typ wirkt einfach unglaublich angepisst und aggressiv. Ich habe noch nicht erlebt, dass er Spielfreude versprühen würde. Außerdem mag ich seine Stimme auch nicht besonders. Na ja, aber immerhin bewegte sich Altus nun deutlich mehr als noch vor einigen Stunden und die Haare gerieten mitunter sogar in Bewegung.
Nach 5 Thrash Metal Legenden dürfte kein Thrash Metaller unbefriedig gen Heimat gezogen sein. Für mich hat der Abend aber auch gezeigt, dass mit fünf Thrash Bands in Folge das Limit erreicht ist – mehr müsste es dann doch auch nicht sein. Trotzdem darf man schon jetzt gespannt sein, ob wir eine Fortsetzung der Classics Ausgabe erleben dürfen!

Setlist

Playlist Heathen:
Intro
Pray for Death
Goblin’s Blade
Open the Grave
Intro 2
Hypnotized
Opiate of the Masses
Mercy Is No Virtue
Death by Hanging

Playlist Destruction:
Intro
Total Desaster
Satan’s Vengeance
Mad Butcher
Black Mass Antichrist/Death Trap Medley
Invincible Force
The Ritual Thrash Attack
Eternal Ban
Bestial Invasion
Curse the Gods
Outro

Playlist Sepultura:
Intro
Beneath the Remains
Reduse/Resist
Dead Embryonic Cells
Desperate Cry
Amen
Mass Hypnosis
We Who Are
Altered State
Infected Voice
Subtraction
Inner Self
Territory
Arise
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