Amorphis - circle

CD Reviews, Amorphis - circle

Schmusemetal für die Melancholiker unter uns, die auch in der Twilight-Redaktion zu finden sind. Doch ob ein einziges  bahnbrechendes und legendäres Album aus der Vergangenheit ausreicht, um auch ein Länzchen für den neuen Longplayer "Circle" zu brechen, darf getrost bestritten werden. Denn wie heißt es so schön: "Auch die Erinnerung an einen heißen, sonnenreichen Tag schützt im Regen nicht vor durchnässter Kleidung!"

Du bist frisch verliebt? Das Grün der Bäume ist für dich immer etwas grüner als für deine Umgebung? Dir treiben Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen Tränen in die Augen? Dann ist das neue Album von AMORPHIS genau das Richtige für dich.

Denn die finnischen MDRM (Melancholic-Dark-Rock-Metaller) haben es in dieser Beziehung zu wahrer Meisterschaft gebracht. Songtechnisch grassieren auf dem elften AMORPHIS-Album, zumindest was die ersten vier Songs angeht, eine fast unerträgliche Frische, ein fast unerträglicher Optimismus und eine fast unerträgliche Fröhlichkeit, die dir auch das letzte Haar in der Suppe madig machen (abschreckendes Beispiel 'The wanderer'), und die musikalisch ins Beliebige, Abgeschliffene und Kantenlose führen, auch wenn als kompositorische Lichtblicke Anleihen beim Mittelalter-Metal auszumachen sind ('Narrow past').

Etwas schmissiger und überzeugend kommen die nächsten beiden Tracks daher, in denen sich zunächst das Leiden Bahn bricht ('Hopeless days', mit durchaus überzeugenden Instrumentalparts), um dann Platz für den ersten wirklich guten Song zu machen ('Nightbird's Song), der durch die Kombination aus rifflastiger Härte und melancholischer Melodie sowie ungewöhnlicher Instrumentalisierung zu bestechen weiß.

Ansonsten und bei den restlichen drei Songs hat man eher den Eindrück, dass AMORPHIS versuchen, die Mannen von HIM schlagertechnisch zu überbieten. In 'Into the abyss' finden sich zumindest gute Gitarrensoli, 'A new day' als Rausschmeißer kann einen dann in einem gewissen Maße mit dem Album versöhnen.

Aber vielleicht darf man sich auch gar nicht beschweren, wenn man das bekommt, was auf der CD steht. Denn sowohl der Albumtitel "Circle" (Kreis) als auch der Bandname (amorph: ohne ausgeprägte Eigenschaften) sprechen ja für sich...

Line Up

Tomi Joutsen (vocals)

Esa Holopainen (guitar)

Niclas Etelävuori (bass) 

Jan Rechberger (drums)

Tomi Koivusaari (guitars)

Santeri Kallio (keyboards)

Tracklist

1. Shades Of Gray

2. Mission

3. The Wanderer

4. Narrow Path

5. Hopeless Days

6. Nightbird’s Song

7. Into The Abyss

8. Enchanted By The Moon

9. A New Day