Anathema - The Optimist

CD Reviews, Anathema - The Optimist

ANATHEMA haben sich nun ja schon länger von harten Gitarrenklängen verabschiedet, und so sollte es niemanden überraschen, dass die Engländer bei der Promo für ihr neues Werk „The Optimist“ von der Plattenfirma als „Alternative Rock Avantgardisten“ angepriesen werden.

Um das noch mehr zu unterstreichen, hat man sich zusätzlich sogar noch ein neues Logo kreiert.

Trotz allem ist der Albumtitel doch eher ironisch zu sehen: Die positiven Wohlfühlvibes sind auf der Scheibe immer noch recht spärlich gesät und von der gesamten Aufmachung erinnert das Werk sehr an ihr 2001er Album „A Fine Day to Exit“. Zum einen ist da der gleiche hörspielartige Charakter, der beim Intro „32.63N 117.14W“ mit Meeresrauschen und Radiogedudel beginnt (Die Koordinaten verweisen auf einen Südkalifornischen Pazifikstrand) und sich mit Versatzstücken durch die ganze Scheibe zieht, zum anderen prägt beide CDs das Gefühl von Einsamkeit, sowohl graphisch mit den Referenzen auf die isolierte Situation des Protagonisten in seinem Auto, als auch musikalisch durch die solitären, vom Rest der Musik abgehobenen Gesangsstimmen von Vincent Cavanagh und Lee Douglas.

Geändert hat sich seit dem vor 15 Jahren eschienen inoffiziellen Vorgänger vor allem der Percussionteil. Wie schon häufiger auf Tour verwendet, spielen auch auf „The Optimist“ der Drumcomputer und damit verbundene vielfältige Loop-Spielereien eine große Rolle. So ist der Rhythmus etwa bei „Leaving it behind“ eindeutig gem Trip-Hop entliehen und Referenzen an „The Gathering“ und „Massive Attack“ drängen sich auf.

Auch bekommt Sängerin Lee einen noch größeren Anteil, manche Stücke wie „Endless Ways“, eine Ballade mit Klavierbegleitung, bestreitet sie komplett alleine. Viele Songs, wie „Ghosts“ und „Can’t let go“ plätschern dann auch ohne Ecken und Kanten aus den Boxen, wobei der Stil der 21.-Jahrhundert-ANATHEMA jederzeit erkennbar ist, jedoch noch einmal eine Schippe Pop draufgelegt wurde.

Wer also mit dem Stilwechsel um die Jahrtausendwende kein Problem hat, wird diese Scheibe als konsequente Weiterentwicklung des eingeschlagenen Weges erkennen und in ANATHEMAs Klangwelten eintauchen, der Rest bleibt jedoch wohl lieber an der Oberfläche und streicht die Band spätestens jetzt aus seiner Must-Have-Liste.

Line Up

Vincent Cavanagh - Vocals, Guitar, Keys
Daniel Cavanagh - Guitar, Keys, Vocals
John Douglas - Acoustic/Electronic Percussion
Lee Douglas - Vocals
Jamie Cavanagh - Bass
Daniel Cardoso – Drums

Tracklist

1. 32.63N 117.14W
2. Leaving It Behind
3. Endless Ways
4. The Optimist
5. San Francisco
6. Springfield
7. Ghosts
8. Can't Let Go
9. Close Your Eyes
10. Wildfires
11. Back to the Start

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