Architects - The Classic Symptoms Of A Broken Spirit

CD Reviews, Architects - The Classic Symptoms Of A Broken Spirit

Nicht nur METALLICA und PARADISE LOST haben es vorgemacht. Von hammerharten Anfängen ging es nach und nach in sanftere Gefilde, nur um dann aber wieder zu neuer Härte zurückzufinden. Die ARCHITECTS befinden sich gerade auf dem Weg weg vom brachialen Metalcore der reinen Lehre hin zu Playlist- und Music-for-the-masses-tauglichen Songs.
Zwar gibt es immer noch zornige, druckvolle Brachialität, selbige wird aber produktionstechnisch meistens schön glattgeschliffen. Die eingängigen Melodien beginnt zunehmend umfassender zu dominieren und die Gitarrensoli verkommen oftmals zu austrocknenden Oasen in der Wüste ('A New Moral Low Ground'). 'Deep Fake' geht in die gleiche Richtung. Eine melancholische Atmosphäre trifft auf rockige Elemente, die core-igen Elemente kommen nur sehr reduziert zum Einsatz, aber zumindest phasenweise lassen die Vocals und die Breakdowns die guten alten Zeiten aufleben.

'Tear Gas' wildert bisweilen in den Gefilden von KORN und der NDH. Es hätte mich da nicht gewundert, wenn in dem humoresken Video plötzlich Rammstein um die Ecke gekommen wären. Für 'When We Were Young' gilt Ähnliches, aber warum auch nicht. Jahrzehntelang haben sich Bands an den BEATLES orientiert, warum nicht an RAMMSTEIN? Das alles ist aber gar nicht schlimm. Denn nicht nur mit 'Live Is Killing Us' gibt es einen überaus mitreißenden, düster-hymnischen Killersong. Stilbildend hier und auch anderswo sind die stampfenden Drums ('Spit The Bone'), die eine ungeahnte druckvolle Durchschlagskraft erzeugen.

In 'Doomscrolling' zeigt uns Frontmann Sam Carter die emotionale Varianz seiner Stimme. Außerdem ist der Track eine einzigartige Hymne von LINKIN-PARKschen Ausmaßen, ebenso wie 'All The Love In The World'. 'Born Against Pessimist' besticht durch seine postgrungige Zornigkeit. Etwas anstrengend sind ingesamt allerdings die elektronischen und tranceartigen Passagen, die laut Aussagen der Band den Songs das Besondere Etwas, die Ecken und Kanten verleihen sollen. Schließlich braucht gutes Bier auch keine Limo. Für etwas prickelnde Aufregung sorgt dann noch der krachig-brutale Rausschmeißer, der das Album nicht wie bei anderen Bands in Ruhe ausklingen lässt, sondern uns mit einem ordentlichen Doppenwums erfreut, wenn ich hier einmal Olaf Scholz zitieren dürfte.

Kurz: „The Classic Symptoms Of A Broken Spirit“ von den ARCHITECTS ist ein Longplayer, der für die kritischen Geister ohne Zweifel die klassischen Symptome einer gebrochenen früheren Bandphilosophie und Anzeichen der musikalischen Rezession aufweist, für die Fortschrittlichen unter uns aber eine unvermeidbare und folgerichtige Weiterentwicklung und Anpassung des Sounds an moderne Hörgewohnheiten ist. Hat sich da die zornige Raupe in einen sanftmütigen Schmetterling verwandelt? Die einen sagen so, die anderen so....

Tracklist

Deep Fake
Tear Gas
Spit The Bone
Burn Down My House
Living Is Killing Us
When We Were Young
Doomscrolling
Born Again Pessimist
A New Moral Low Ground
All The Love In The World
Be Very Afraid

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