Asphodelus - Stygian Dreams

CD Reviews, Asphodelus - Stygian Dreams

Dass Geschichte immer noch überaus lebendig und wirkungsmächtig sein kann, ist eine Tatsache, die das hormongesteuerte Schulvolk überaus konstant kalt lässt. Die Finnen von ASPHODELUS dagegen haben sich mit Leib und Seele dem Gothic-Death-Doom-Metal der alten Schule verschrieben. Kein Wunder, dass als Referenzen die frühen KATATONIA, ANATHEMA, MY DYING BRIDE und TIAMAT genannt werden. 

Daneben spielt die Vorliebe für die mystische griechische Mythologie eine wichtige Rolle. Das sieht man am Bandnamen ASPHODELUS, einer Pflanze in der Unterwelt, die den Aufenthaltsort der meisten Schatten im Hades bedeckte, aus der aber auch der Kranz der Göttin der Unterwelt Persephone bestand. Und um die ganz besondere Stimmung in der Sphäre des Styx und des Hades geht es auch soundmäßig.

So wird der Zuhörer mit den ersten Tönen gleich doppelt in die Vergangenheit gebeamt, einmal in die Antike, dann aber auch in die frühen 90er Jahre. Denn wenn man es nicht besser wüsste, könnte man wirklich glauben, ein verschollen geglaubtes frühes Werk von KATATONIA oder OCTOBER TIDE in dem Player zu haben. Mehr old-schoolige Attitüde ist fast gar nicht möglich. Allerdings sorgen die Finnen phasenweise durch eine ungeahnte folkige Dynamik für wesentlich mehr Tempo, vor diesem Hintergrund verstehen es auch die Keyboards, eigene wirkungsvolle Akzente zu setzen, ohne allerdings zu bombastisch oder überladen zu klingen. Hammer!

So bietet uns „Stygian Dreams“ abgesehen vom Intro sieben wirklich überzeugende musikalische Kleinode voll an Leiden, Schwermut, Düsternis und Niedergeschlagenheit. Der Rausschmeißer 'Where Freezing Spirits Fall' besticht durch seine bisweilen ruhig und stetig dahinfließende Wehmütigkeit mit Anspielungen auf MY DYING BRIDE, der eigentliche Opener 'Lamentation Of The Lost Souls' atmet in unglaublicher Manier den ungestümen Gothic-Death-Odem der Pionierzeit. Herrlich! 'Scent Of Venus' kann partielle Ähnlichkeiten mit den sehr frühen PARADISE Lost nicht verleugnen, zumindest in Puncto infernale, düstere Eingängigkeit.

'The Hourglass Infernal' spielt gekonnt mit der hoffnungslosen Trostlosigkeit, die immer wieder durch energetische oder hymnische Schimmer der Hoffnung unterbrochen werden. Hier stand vielleicht auch der finnische Todesmetal der 90er Jahre Pate. 'Delusions Ad Astra' stellt dann eindrucksvoll die ganze Bandbreite der Band unter Beweis, handelt es sich hier doch um einen Track, der fast schon tanzbar ist. Weltklasse! Das in etwas abgeänderter Form titelgebende 'Stygian Dreaming' wird zum Ende hin immer furioser, wohingegen 'Sleep Of Eternity' trotz aller unterweltlicher Unwirtlichkeit durch pittoreske Passagen gekonnt daherkommt.

Fazit: Die Finnen von ASPHODELUS legen mit 'Stygian Dreams' einen Longplayer vor, der zum einen gekonnt dem doomigen Gothic-Death-Metal der frühen 90er Jahre zelebriert, selbigem aber zum anderen gekonnt durch prägende Keyboards und temporeiche Dynamik einen eigenen Stempel aufdrückt. Somit haben wir hier ein wirklich überzeugendes Weltklasse-Album vorliegen, das in herausragender Manier in der Tradition der frühen KATATONIA, OCTOBER TIDE und MY DYING BRIDE steht!

Line Up

J. Filppu - Vocals, Guitars
J. Väyrynen - Guitars
V. Kettunen - Drums

Tracklist

01. Les Océanides (Intro)  (2:37)
02. Lamentation of the Lost Soul  (4:43)
03. Scent of Venus  (4:33)
04. The Hourglass Infernal  (5:33)
05. Delusions Ad Astra  (5:03)
06. Stygian Dreaming  (6:29)
07. Sleep of Eternity  (4:51)
08. Where Freezing Spirits Fall  (8:37)