Autumnblaze - Perdition Diaries

CD Reviews, Autumnblaze - Perdition Diaries

  • Autumnblaze - Perdition Diaries
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  • Erstellt am: Donnerstag, 18 Juni 2009
  • Label: (Prophecy Productions/Soulfood)
  • V.Ö.: 23 Juni 2009
  • Bewertung: Autumnblaze - Perdition Diaries
  • Redakteur: Jens Dunemann

Es ist gerade einmal vier Jahre her, da befand Markus B., alias Eldron, dass er mit AUTUMNBLAZE alles gesagt habe, was es für ihn zum damaligen Zeitpunkt, musikalisch auszudrücken galt.

Und das, obwohl AUTUMNBLAZE nach der Veröffentlichung von “Words Are Not What They Seem” im Jahr 2004 die Lorbeeren und die Anerkennung aus einem, bis dahin vier Alben umfassenden Werk zu ernten begannen.
Während der Rumpf der damaligen Besetzung Cheeno aus der Taufe hob und seither mit Sängerin Jennie Kloß erfolgreich durch die Lande zieht tauchte Markus Baltes ab, um sich fortan im Alleingang und damit ganz in der Tradition von “Mute Boy, Sad Girl” sowie der “Lighthouses”-EP seinem Alternative Post-Rock Projekt Sidewaytown zu widmen, dessen Debut “Years In The Wall” er erstmals in Eigenregie unters Volk brachte und welches dieser Tage seine Wiederveröffentlichung über Viva Hate Records erfährt.

Umso überraschender kam Anfang 2008 die Ankündigung eines Neustarts von AUTUMNBLAZE mit den langjährigen Weggefährten Arisjel und Schwadorf.

Ungewohnt selbstbewusst und offen, so präsentieren sich Eldron & Co. auf “Perdition Diaries”. Man verfolgt das Ziel, den Sturm der jugendlichen Anfangstage im zeitgemäßen Gewand von neuem zu entfachen. Sämtlicher Ballast und soundtüftlerisches Beiwerk wurden hierzu über Bord geworfen, was zur Folge hat, dass hier das bislang straighteste, bisweilen roheste sowie härteste AUTUMNBLAZE – Kapitel erschaffen wurde.
Eldron formuliert es so: “"Bands wie Paradise Lost, Anathema, Katatonia, My Dying Bride, Dark Tranquillity oder At The Gates stehen beispielhaft für die Erkundung der menschlichen Seele, den Kampf des Individuums gegen die Abgründe des Lebens. Weg von den Standards des Metals der 1980er Jahre, hin zu einer tief emotionalen Form des Widerstands gegen die Normen. Wir spucken auf die, die in ihrer Beschränkung nicht weiter sehen und führen das weiter, was Anfang der Neunziger begonnen wurde!"”
Diese fast bedingungslose Vehemenz, mit der man im Hause AUTUMNBLAZE zu “Perdition Diaries” steht, zeigt deutlich, dass dieses Album in den Herzen der Beteiligten Musiker soviel mehr ist, als einfach nur ein weiteres Werk in der Historie.
Allerdings stellt sich nach dem Hören von “Perdition Diaries” die Frage, ob man nicht selbst in den gesprengten Standards der Neunziger, an deren kreativem Prozess am Ende auch AUTUMNBLAZE flammend beteiligt war, stecken geblieben ist.
Trotz einer erschreckend großen Zahl von, leider oftmals abgedroschenen Katatonia-Riffs und rasanten Ausflügen in Death- und Black Metal Gefilde merkt man dem Album deutlich an, dass es als farbenprächtiges und kraftvolles Feuerwerk gedacht war, dessen Funken bei mir jedoch absolut nicht zünden wollen. Während zumindest der Gesang, so variabel und intensiv dargeboten wie selten zuvor, den Ansatz eines charismatischen künstlerischen Statements noch zu unterstreichen vermag, enthüllt der glatt polierte und künstlich aufgeblasene Sound mit Nachdruck, woran es “Perdition Diaries” im Kerne fehlt: nämlich, der bisher allen AUTUMNBLAZE-Veröffentlichungen inne wohnenden emotionalen Tiefe.
Selbst herausstechende Songs wie “I Had To Burn This Fucking Kingdom” , “Brudermord” (straighter Katatonia-Stampfer), “Empty House” (eine spannungsgeladene Hommage an “Bleak”) oder das einzig kleine Feuerwerk “Saviour” (abwechslungsreicher und gleichzeitig kompakter und melodischer Death Metal-Song) können nicht verhindern, dass ein Großteil des Albums auch nach vielen Durchläufen einfach keine bleibenden Eindrücke hinterlassen will.

Auch wenn die folgenden Worte vielleicht im Widerspruch zur vorangegangenen Kritik an den “Tagebüchern der Verdammnis” stehen, so begrüße ich die Rückkehr von Eldron, Arisjel und Schwadorf doch von ganzem Herzen. Schließlich glich bisher noch kein AUTUMNBLAZE-Werk dem anderen und Markus Baltes alias Eldron stand noch nie für kreative Berechenbarkeit. Es mag stärkere Veröffentlichungen unter dem Banner von AUTUMNBLAZE gegeben haben, doch gerade deshalb wird “Perdition Diaries” seinen berechtigten Platz in der Diskographie einnehmen und hoffentlich nur am Anfang eines neuen, aufregenden künstlerischen Prozesses stehen.

Freunde der frühen AUTUMNBLAZE, der sterbenden Paragon Of Beauty und der nie wirklich geborenen Shivertrip können beim Kauf von “Perdition Diaries” trotz der zahlreichen Kritikpunkte nicht wirklich etwas verkehrt machen, was jedoch nicht darüber hinweg täuschen soll, dass man vor persönlichen Überraschungen (im positiven wie im negativen Sinne) nicht gefeit ist.


Releasedate: 15.06.2009
Spielzeit: 42:06


1. Wir sind was wir sind 4:55
2. Who Are You? 4:02
3. I Had To Burn This Fucking Kingdom 3:39
4. Haughtiness And Puerile Dreams 4:42
5. Brudermord 4:19
6. Empty House 5:26
7. Neugeburt 3:17
8. Ways 4:46
9. The Forge 3:45
10. Saviour 3:11


Alvar Eldron - vox, guitars
Arisjel - backing vox, percussions

Ulf Theodor Schwadorf - drums, bass
www.autumnblaze-kingdom.com
www.myspace.com/autumnblazeband
www.prophecy.cd
www.myspace.com/eerieemotionalmusic


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