Burning Witches – Hexenhammer

CD Reviews, Burning Witches – Hexenhammer

Im 15. Jahrhundert schrieb der Dominikaner Heinrich Kramer den der Hexerei verdächtigen Frauen neben Teufelsbuhlschaft und Tierverwandlung auch die Opferung von Kindern zu. Junge in Leder und Nieten gekleidete Frauen, die ihre Seele dem Heavy Metal verschrieben haben, tauchten im „Malleus maleficarum“, dem „Hexenhammer“ seinerzeit meines Wissens nach nicht auf. Und nun haben wir den Salat, denn mit ihrem zweiten Album machen sich die Schweizerinnen um Axtfrau Romana auf, um die männlichen Idole von ihren Thronen zu hexen. . .
Gerade mal ein Jahr ist vergangen seitdem der Fünfer mit dem selbstbetitelten Debüt für ordentlich Aufsehen in Trveheim gesorgt hat. Mit DESTRUCTIONs Schmier hatte man aber offenbar auch den richtigen Mann an der Seite, so dass relativ schnell ein Vertrag aus dem Hause Nuclear Blast in der Post war. Schnell wurde eine Live-EP nachgeschoben und die Damen spielten sich on the road die Hintern ab, sowie Rotschopf Alea Wyss aus der Band. Mit der Niederländerin Sonja „Anubis“ Nusselder war schnell Ersatz gefunden und so konnte man sich erneut mit V.O.Pulver im Studio einschließen, um den Nachfolger „Hexenhammer“ einzuspielen.
Das Quartett bleibt sich – was wenig überraschen dürfte – stilistisch treu und klingt auch 2018 nach einer Mischung aus frühen WARLOCK („Dead Ender“), DORO („Don’t Cry My Tears“), GRAVE DIGGER („Maneater“), MANOWAR („Maiden of Steel“), DIO und der NWoBHM. Dabei wird niemals weichgespült und Frontfrau Seraina, die ursprünglich wohl eher aus der Punkecke stammt, sorgt mit ihrem rohen Organ für den nötigen Wiedererkennungswert. Mit ihrem kantigen Power Metal geraten die Fünf niemals in den Verdacht lediglich eine gecastete All-Female-Milli-Vanilli-Kapelle zu sein, so wie es leider vielen 90er Jahren Damenbands vorgeworfen wurde. Hier ist alles authentisch und hieb und stichfest. „Hexenhammer“ lädt 45 Minuten zum bangen ein und gönnt dem Hörer nur mit der Ballade „Don’t Cry My Tears“ eine kurze Verschnaufpause.
So wie  Kramers „Malleus maleficarum“ seinerzeit den Trend der Zeit traf, so liefern auch BURNING WITCHES mit ihrem „Hexenhammer“ ein rundum zeitgemäßes Heavy Metal Album ab. Inwiefern das Album der Schweizerin ebensolche Auflagen erreichen wird wie Kramers Buch, welches in 200 Jahren in insgesamt 29 Auflagen erschienen ist, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass Nuclear Blast mit den gewohnten x-verschiedenen Versionen ihren Teil zur Verbreitung beitragen und „Hexenhammer“ die ausreichende musikalische Qualität aufweist, um den Test der Zeit zu überstehen.
Wer sich als echten Power Metal Fan bezeichnet und das zweite Album von BURNING WITCHES dennoch mit Missachtung straft, wird sich wohl unweigerlich vor den Metal Gods wegen Ketzerei verantworten müssen. Ich bin jedenfalls auf die Tour mit GRAVE DIGGER gespannt…

Line Up

Schlagzeug – Lala Frischknecht
Bass – Jay Grob
Gitarre – Romana Kalkuhl
Gitarre – Sonia Nusselder
Gesang – Seraina Telli

Tracklist

01. The Witch Circle
02. Executed
03. Lords Of War
04. Open Your Mind
05. Don‘t Cry My Tears
06. Maiden Of Steel
07. Dungeon Of Infamy
08. Dead Ender
09. Hexenhammer
10. Possession
11. Maneater
12. Holy Diver