Cannibal Corpse – A Skeletal Domain

CD Reviews, Cannibal Corpse – A Skeletal Domain

In “Hobo with a Shotgun” kauft ein namenloser Landstreicher eine Schrotflinte, obwohl er eigentlich einen Rasenmäher erstehen wollte, und beschließt schließlich, seine Stadt von kriminellem Gesindel zu retten. Ein beispielloser Plot. Doch was hat dieser Streifen aus dem Jahre 2011 mit den grindenden Wurstfachverkäufern von CANNIBAL CORPSE zu tun? Richtig, beide schafften es im Dezember 2012 auf die Liste B der jugendgefährdenden Schriften, also dem Teil mit absolutem Vertreibungsverbot.

Dabei war „Torture“ doch eine wirkliche geniale Death Metal Scheibe. Und die Texte verstehen unsere Jugendlichen ohnehin nicht – die verstehen einen englischen Satz ja schon nicht, wenn man ihn mehrmals langsam wiederholt. Da dürften die verbalen Metzeleien des Corpsegrinders für den altagsgebildeten Teenie wohl ebenfalls kaum dechiffrierbar sein. Aber egal, denn so reiht sich „Torture“ immerhin ein mit Scheiben wie „Butchered at Birth“ oder „Eaten back to Life“.

Und um die ganze Bedeutung der amerikanischen Death Metal Legende für die Szene auch wirklich erfassen zu können, habe ich mich im Vorfeld dieses Reviews hinaus begeben in die Unwegsamkeiten der Hildesheim Hartwurstszene. Wer das lokale Orakel des Death Metal befragen möchte, der muss sich in einer dunklen Nacht vor die Tore der alten Bischofsstadt begeben, vorbei an knutschenden und fummelnden Liebespaaren, düsteren Felder und verlassenen wirkenden Unterkünften. Bis, wie aus dem Nichts, rasende Gitarrenriffs durch die Nacht schallen und tanzende Schatten durch dichte Hecken zucken. Vorbei an den berauschten Gespielinnen und Hausgästen, findet man das Corpse-Orakel zwischen leeren Kirschsaftpackungen, Wodkaflaschen und Schüsseln voller Nudelsalat thronend in der Küche des Death Metal Schreins.

Die magischen Worte „Was, wenn die neue CORPSE schlecht wird?“ öffnen dem Laien die Tore zur Welt des Orakels, welches mit alkoholgeschwängerter Stimme „Die machen nie eine schlechte Platte!“ antwortet. Es folgt ein längerer Abriss über die Höhen und Tiefen des Death Metal im Allgemeinen und über die Gradlinigkeit und Verlässlichkeit von CANNIBAL CORPSE im Speziellen. Zwischendurch wird noch schnell ein – von gluckerndem Jauchzen begleitetes – „Na ja, wenn Owen meint, er müsse die Band verlassen, weil er keinen Death Metal mehr spielen will und dann zu DEICIDE geht, kann man dem auch nicht mehr helfen!“ eingestreut und auf die ebenfalls bemerkenswerten MISERY INDEX verwiesen. Schließlich wird der ehrfurchtsvoll lauschende Ratsuchende mit der Gewissheit entlassen, dass die Begriffe CANNIBAL CORPSE und Death Metal synonym verwandt werden können, da keine Band authentischer, brutaler und loyaler ist als die Amerikaner, die dazu noch mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben sind.

Und damit ist im Grunde auch das 13. Studioalbum der Band um Flitzefinger Alex Webster beschrieben: kompromissloser Death Metal auf höchstem technischen Niveau und mit hoher Durchschlagskraft. Wie schon auf „Torture“ überzeugt die Band durch Variantenreichtum und geschickte Tempowechsel, die den Hörer mal zur Reise im Hochgeschwindigkeitszug und in der nächsten Minute zur Fahrt auf der schwergängigen, malmenden Draisine (z.B. „Kill or Become“) einladen. Und so langsam scheine auch ich zum CORPSE Fan zu mutieren, denn mit kraftvollen Kompositionen wie dem Titeltrack wissen die Herren einfach zu überzeugen. Für die Produktion zeigte sich dieses Mal Mark Lewis verantwortlich, der bereits für DEICIDE, SFU oder DEVIL DRIVER tätig war. Für meinen Geschmack hatte Erik Rutan den Gitarren und Bass Drums auf „Torture“  jedoch zu mehr Druck und Kraft verholfen, so dass ich mir für „A Skeletal Domain“ mehr Wums gewünscht hätte.

Doch Corpse zusammengefasst, kann das Urteil im Fall CANNIBAL CORPSE auch 2014 nur lauten: Mehr Death Metal geht nicht. Wer etwas Anderes behauptet, hat keine Ahnung und wird zu 13. Scheiben CANNIBAL CORPSE Dauerbeschallung verurteilt.  

Nachtrag: Warum also keine 15 Punkte? 1. Meine neueste Vorliebe für CANNIBAL CORPSE ist mir selber noch nicht geheuer. 2. "Torture" war mir 13 Punkte wert - allerdings fand ich den Sound geiler, so dass ich dafür beim aktuellen Werk einen Punkt abgezogen habe: bleiben also 12 Punkte!

Line Up

Vocals - George "Corpsegrinder" Fisher
Guitars - Pat O'Brien
Guitars - Rob Barrett
Bass - Alex Webster
Drums - Paul Mazurkiewicz

Tracklist

1. High Velocity Impact Spatter 4:06
2. Sadistic Embodiment 3:17
3. Kill or Become 3:50
4. A Skeletal Domain 3:38
5. Headlong
into Carnage 3:01
6. The Murderer's Pact 5:05
7. Funeral Cremation 3:41
8. Icepick Lobotomy 3:16
9. Vector of Cruelty 3:25
10. Bloodstained Cement 3:41
11. Asphyxiate to Resuscitate 3:47
12.
Hollowed Bodies 3:05