Cirith Ungol – Forever Black

CD Reviews, Cirith Ungol – Forever Black

Der Name CIRITH UNGOL tauchte für mich zum ersten Mal 1984 in einem Metal Magazin (Metal Hammer oder Rock Hard) bei einer Rezension ihres zweiten Albums „King Of The Dead“ auf. Es war allerdings keine Lobeshymne, sondern wurde eher als ungewohnte Mischung aus Trouble und Manowar beschrieben. Schnell tauchte der Begriff „Kauzigkeit“ auf. Im Radio (BFBS) hörte ich dann „Master Of The Pit“ bei der HM Show, welches mich durch den düster doomigen Stil, den schrillen Gitarrensound und vor allem die kratzige hohe Stimme von Tim Baker faszinierte. Kaufen konnte ich mir die Platte damals nicht, da sie nirgends zu finden war und meine Mobilität im Vergleich zu heute noch sehr eingeschränkt war.
Erst Jahre später habe ich auf einem Metal-Flohmarkt das dritte Album „One Foot in Hell“ (Reborn Classics, erinnert ihr Euch?) erworben. Zusätzlich war auf dem Silberling noch die Debüt EP von Armored Saint. „One Foot in Hell“ überzeugte mich. Die Scheibe hatte außerdem ein düsteres Fantasy Cover von Michael Whelan (wie übrigens alle Releases der Band). In der Zwischenzeit konnte ich mir zumindest eine Kassettenaufnahme von „King Of The Dead“ besorgen.  1991 erschien das vorerst letzten Werk „Paradise Lost“ nun mit zwei neuen Gitarristen. Danach löste sich die Band auf. In den späten 90er Jahren und danach kamen viele 70er und 80er Metal Bands wieder zusammen, um es noch einmal zu versuche. So konnte man auf diversen Festivals einige Reunion Shows schon aufgelöster Bands sehen. Dabei gab es Überflieger (z.B. MANILLA ROAD) sowie auch Enttäuschungen.
Eine spezielle Fangemeinende wartete allerdings lange auf die Reinkarnation von CIRITH UNGOL. In den 80er oft verschmäht, wuchs nun der Kult um die Band. Lange hatte man nichts mehr von ihnen gehört und Gerüchte um den Tod von Tim Baker verbreitenten sich. Doch falsch: ein gewisser Jarvis Leatherby, seines Zeichen Mastermind von NIGHT DEMON schaffte es schließlich, die Musiker darauf aufmerksam zu machen, dass es eine Menge Fans gibt, die von einer Reunion träumten. Jarvis organisierte ein Heavy Metal Festival mit dem Namen „Frost and Fire“. Er lud Tim Baker und Schlagzeuger Robert Garven (Sprachrohr der Gruppe) für eine Autogrammstunde ein. Ein Jahr später spielten CIRITH UNGOL nun mit Jarvis am Bass ihre ersten Reunion Show. Schließlich schaffte die Band es auch nach Europa zum Keep it True Festival zur Autogrammstunde und ein Jahr später zur gefeierten Live Premiere in Lauda-Königshofen. Die Band stieß auf eine unerwartet große Fanbase, sodass mehrere Konzerte folgten. Schließlich erschien eine Single (Witche‘s Game) sowie ein Live Album bzw. ein opulent aufgemachtes Boxset.
Und JETZT haben wir ein NEUES Studioalbum nach 29 Jahren Pause vorliegen. Und um die Frage gar nicht erst aufkommen zu lassen: diese Scheibe hat alle Trademarks von CIRITH UNGOL und wirklich ausschließlich CIRITH UNGOL. Nach einem kurzen Intro startet die Band mit dem Uptempo Hammer „Legions Arise“. Schnell wird bewusst, dass hier ALLES stimmt. Der Sound klingt roh und angemessen analog, drückt damit die Traditionalisten mit Wucht ins Valhalla. Tim Bakers Gesang hat NICHTS in dieser langen Pause an Kraft, Charisma und Ausstrahlung verloren. Ich denke, dass sein Stil sogar den Black Metal geprägt hat. Diese Stimme klingt BÖSE! Aber irgendwie auch „erhaben“ nach alter Schule?! „The Frost Monsteme“ ist super heavy im Midtempo, hat ein überragendes Riff und einen interessanten instrumentalen Mittelteil, der gegen Ende für einen spannenden Ausklang sorgt. Epic Metal Deluxe. Keine andere Band klingt so. Das schnellere „Fire Divine“ sorgt mit seinem typischen klassischem Heavy Metal Riff und einem einprägsamen Refrain für Vorfreude auf die nächsten Auftritte und wartet auf mitsingende Fans. Bei „Stormbringer“ überrascht Tim mit einer klaren, melodischen Strophe, die sich erst im Lauf des schleppenden Songs zur Bösartigkeit verwandelt. Was für ein geiles Gitarrensolo von Jim Barazza. Und am Ende ein wahnsinniger Schrei! Großes Kino! Das verschachtelte „Fractus Promissum“ erinnert an JUDAS PRIEST zu Stained Class Zeiten. Wieder muss ich die exzellente Gitarrenarbeit erwähnen. Baker klingt wie ein völlig durchgedrehter Rob Halford. „Nightmare“ schleppt sich im Midtempo geradeaus zum schrägen Chorus. Da fallen mir BATHORY zu Hammerheart Zeiten ein. Eine ähnliche Atmosphäre hat „Before Tomorrow“, welches ganz gut zum Zeitalter der Pandemie passt. Endzeitszenarium versprüht auch der epische Titelsong am Ende des Rundlings. Genau so muss Epic Kaus Metal klingen.
Fazit: CIRITH UNGOL haben mit „Forever Black“ alles richtig gemacht. Die Scheibe klingt wie eine Fortsetzung von „One Foot In Hell“ oder „King Of The Dead“. Neue Einflüsse werden außen vorgelassen. Der Sound ist ordentlich old school, sorgt aber für gehörigen Druck. Die Songs sind anspruchsvoll genug, um die Fanbase auf Dauer zu überzeugen. Das Michael Whelan Cover passt perfekt zur Musik und entfacht sicher im Vinyl Format seine beste Wirkung. Es ist großartig CIRITH UNGOL in dieser starken Form zurück zu haben. Hoffentlich noch lange!



Line Up

Tim Baker: Gesang
Robert Garven: Schlagzeug
Jim Barazza: Gitarre
Greg Lindstrom: Gitarre, Keyboards
Jarvis Leatherby: Bass

Tracklist

1.    The Call
2.    Legions Arise
3.    The Frost Monstreme
4.    The Fire Divine
5.    Stormbringer
6.    Fractus Promissum
7.    Nightmare
8.    Before Tomorrow
9.    Forever Black

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