Crystal Viper – Tales of Fire and Ice

CD Reviews, Crystal Viper – Tales of Fire and Ice

“Female Fronted Metal” vs. “New Wave Of Traditional Heavy Metal” – CRYSTAL VIPER müssen sich in viele Schubladen quetschen lassen. Doch letztlich ist egal welcher Stempel den Polen aufgedrückt wird, denn auf „Tales of Fire and Ice” spricht die Musik für sich selbst.
Nachdem sich die Band am ursprünglichen Coverartwork ordentlich die Finger verbrannt hatte, konnten die Gemüter im CRYSTAL VIPER Universum mit dem nun aktuellen, leicht überarbeiteten Artwork offenbar wieder abgekühlt werden.
Ohnehin lässt sich die zierliche Power-Frontfrau Marta Gabriel von solchen Rückschlägen nicht aufhalten. Und musikalisch haben die Polen dementsprechend auch einen großen Sprung nach vorne gemacht. Von der “New Wave Of Traditional Heavy Metal” hatte ich zwar noch nie gehört bevor ich das Labelinfo zur Scheibe gelesen habe, aber CRYSTAL VIPER bedienen sich definitiv traditioneller Merkmale des Heavy Metal: kernige Riffs, flotte Soli, donnernde Drums und eingängige Melodien.
Die einleitende „Prelude“ erinnert dank der Gitarrenleads dann auch durchaus an Größen wie METALLICA. Guter Start. Es folgt die erste Single-Auskopplung „Still Alive“, die zwar gut gelungenen ist, aber für mich nicht zu den besten Songs der Scheibe gehört. Da finde ich das folgende „Crystal Sphere“ mit seinen getragenen Riffs und dem epischen Groove deutlich besser, zumal man mit schnelleren Passagen sicherstellt, dass kein Hörer einnickt. Herausragend finde ich die zweite Single „Bright Eyes“, die schon durch die anfänglichen Drums, die mittlerweile übrigens von BLAZON STONEsCederick Forsberg verdroschen werden, aufhorchen lässt. Der Song hat mit seinen eingängigen Melodien auf jeden Fall Hitcharakter. „Neverending Fire“ oder „Under Ice“  verbindenen die Atmosphäre eines Albums wie „The Big Thrill“ von AXXIS mit epischem Melodic Metal á la BLOODBOUND – ohne kitschig zu wirken. Wobei man sich in den ruhigen Passagen durchaus auch an Metal-Schwestern wie LEE AARON & Co erinnert fühlt. Das schnelle, harte „One Question“ lässt dann in Sachen Metal-Tauglichkeit des Albums keine Fragen offen. Bei „Tomorrow Never Comes“ möchte man fast auf Vorbilder wie MANOWAR oder ORDEN OGAN verweisen. An Letztere denkt man dann auch unweigerlich beim epischen Einstieg in „Tears of Arizona“, welches zum Großteil ohne Gitarren auskommt. Passt irgendwie zur kalten Jahreszeit.
Je nach physischer Vorliebe bekommen die Fans dann noch eine von zwei DOKKEN Coverversionen untergeschoben. Die CD enthält „Dream Warriors“, welches jetzt nicht spektakulär umgeändert wurde, sondern eben einfach die CRYSTAL VIPER Version des DOKKEN Klassikers ist. „Alone“ liegt mir leider nicht vor, so dass ich nichts zu dieser Version sagen kann. Schade, denn der Song ist im Original natürlich eine Granate.
Wahrscheinlich gibt es von allen Ecken mal wieder Gemeckere: zu poppig, zu melodisch, zu eingängig, zu irgendwas… Egal, während die englische Influencerin Star Delgiudice offenbar aus Angst, dass ihr in der Türkei aufgeblasener Pöter platzt, schlaflose Nächte hat, haben sich Marta Gabriel und ihre Jungs keinerlei Vorwürfe zu machen. Für meinen Geschmack liefern CRYSTAL VIPER ihr bislang stärkstes, da eingängigstes Album ab, bei dem sie trotz aller Melodie niemals ins poppige abrutschen. Gut gemacht!


Line Up

Marta Gabriel (vocals, guitars)
Andy Wave (guitars)
Eric Juris (guitars)
Blaze J. Grygiel (bass)
Golem (Drums auf dem Album)
Cederick Forsberg (drums)

Tracklist

Track listing:
01. Prelude
02. Still Alive
03. Crystal Sphere
04. Bright Lights
05. Neverending Fire
06. Interlude
07. Under Ice
08. One Question
09. Tomorrow Never Comes (Dyatlov Pass)
10. Tears Of Arizona
11. Dream Warriors (CD bonus track)
11. Alone (LP bonus track)
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