Dark Millennium - Acid River

CD Reviews, Dark Millennium - Acid River

DARK MILLENNIUM gehören zu den Urgesteinen der deutschen Extrem-Metal-Bewegung. Mit dem Debut „Ashore The Celestial Burden“ (1992) und dem Nachfolger „Diana Read Peace“ (1993) veröffentlichte das Quintett aus dem Sauerland zwei Alben, die bis heute in der Szene nachwirken. Doch während anderen, wie beispielsweise Morgoth seinerzeit der Durchbruch vergönnt war, verschwanden DARK MILLENNIUM wieder in der Versenkung.
2015 nahmen sich Century Media den Demos und den beiden Alben an und veröffentlichten das wegweisende Material erneut. Aus dem Schatten der Re-Releases heraus erschienen DARK MILLENNIUM mit „Midnight In The Void“ nur ein Jahr später unverhofft wieder mit neuer Musik auf der Bildfläche. Spätestens mit dem 2018er-Album „Where Oceans Collide“ und der Rückkehr zum Stammlabel Massacre Records war klar, dass das Reunion-Album keine Eintagsfliege war, sondern dass DARK MILLENNIUM offensichtlich Blut geleckt hatten und wild entschlossen waren, zu beenden, was mit „Diana Read Peace“ in den Neunzigern ein vorläufiges Ende gefunden hatte. „Acid River“ ist insgesamt nun das fünfte Album der Diskografie und das dritte Album seit der Wiedervereinigung. Und obwohl Wert und Ausnahmestellung der beiden 90er-Werke in Bezug auf die gesamte Diskografie vermutlich auf ewig unangefochten erscheinen mögen: Musikalisch und stilistisch ist unverkennbar die gleiche Formation am Werk, nur eben reifer und besser. Eine Einheit, die um die Gitarristen Hilten Theissen und Michael Burmann sowie Sänger Christian Mertens – Line-Up-Veränderungen gab es zwischenzeitlich nur in der Rythmussektion – im Kern zusammengeblieben ist und die mit „Acid River“ nun eine Art Opus magnum vorlegt.

DARK MILLENNIUM sind auch auf dem neuen Album tief im Death Metal verwurzelt, ebenfalls sind Doom und Thrash Metal – Einflüsse immer noch unverkennbar vorhanden. Die allumfassende und verbindende progressive Ader, die 1993 erstmals so richtig freigelegt wurde, als auf „Diana Read Peace“ die stilisitischen Scheuklappen vollständig fielen, zieht sich sowohl durch das Gesamtwerk der Band, als auch bzw. im Besonderen durch „Acid River“ und untermauert eine beeindruckende Entwicklung. Es gibt für mich nach wie vor keine zweite Band, die so verstörend mit Harmonien umgehen kann und keine, die gleichzeitig mit dissonanten Tonfolgen so verzaubern kann. DARK MILLENNIUM bewegen sich einmal mehr in ihrem eigenen Kosmos, der heuer aus sieben Songs besteht, die alle ca. sieben Minuten „kurz“ sind. Sieben Stücke, bei denen man stets das Unerwartete erwarten darf. Spannungsbögen lösen sich garantiert nie so auf, wie man es erwarten würde. DARK MILLENNIUM haben nie wirklich leichte „easy listening“-Kost veröffentlicht. Allerdings war und ist dieses Credo nie zum Selbstzweck verkommen, sondern die Offenheit und unverkrampfte Experimentierfreude der Musiker ist Teil eines natürlichen, musikalischen Prozesses und der Band-DNA.

„Acid River“ ist erneut ein Album, welches in seiner Gesamtheit wahrgenommen werden sollte, obwohl der treibende und wuchtige Brecher „Godforgotten“, die sperrige Vorabveröffentlichung „Threshold“ oder das herausragende, introvertierte Doom-Meisterwerk „Lunacy“ die Schnittmenge sehr gut wiedergeben, in der sich DARK MILLENNIUM 2022 bewegt. Der Sound ist perfekt auf das Songmaterial abgestimmt, er klingt organisch, transparent und doch druckvoll. Eigentlich schon fast unspektakulär, wäre da nicht der omnipräsente Hall, der das stilprägende Organ und den markanten Gesang von Christian Mertens so herausragend in Szene setzt.
 
Im vergangenen Jahr war es mit „The Thule Grimoires“ von The Ruins Of Beverast ebenfalls ein Album, welches gleich zu Jahresbeginn zu meinem persönlichen Highlight 2021 avancierte und diesen Titel in meinem Ranking schlussendlich auch nicht mehr einbüßte. Bei DARK MILLENNIUM ist es mit „Acid River“ ähnlich. Zwar habe ich noch keinen vollständigen Überblick über alle anstehenden 2022er-Releases. Aber „Acid River“ ist ein echtes Pfund bzw. ein vielschichtiges wie abwechslungs- und facettenreiches Album, welches nicht nur einen langen und intensiven Hörgenuss garantiert, sondern eines, an dem sich jetzt alle weiteren Veröffentlichungen messen lassen müssen.
Bäm!

Line Up

Christian Mertens - Gesang
Hilton Theissen - Gitarren, Backing Vocals
Michael Burmann - Gitarren
Gerold Kukulenz - Bass, Keyboard
Andre Schaltenberg - Drums

Tracklist

CD Digipak
1. The Verger
2. Godforgotten
3. Threshold
4. Lunacy
5. Essence
6. Vessel
7. Death Comes In Waves

Ltd. Vinyl LP
A-Seite
The Verger
Godforgotten
Threshold
Lunacy Part 1

B-Seite
Lunacy Part 2
Essence
Vessel
Death Comes In Waves
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