Dark Tranquillity - Moment

CD Reviews, Dark Tranquillity - Moment

Kaum zu glauben, dass das grandiose Vorgängerwerk der Schweden, "Atoma", schon vier Jahre auf dem Buckel hat, sind doch Hits wie "Foward Momentum" allgegenwärtig in meinem Gehörgang, als hätte ich die Scheibe erst gestern wieder gehört. Nun ist es bei dieser Truppe so, dass ich sie seit ihrem ersten Album Skydancer (welches immerhin schon 27 Jahre auf der Uhr hat) begleite und jedes neue Release die Messlatte für nachfolgende Scheiben unermesslich hoch gelegt hat. Doch die Erwartungen wurden, mit leichten Abstrichen bei vielleicht ein, zwei Alben, nahezu stets erfüllt oder  gar übertroffen.
Jetzt könnten böse Zungen behaupten, dass Dark Tranquillity halt immer auf Nummer sicher gehen und sich immer wieder selbst kopieren. Dem muss ich aber einen ganz klaren Riegel vorschieben. Mikael Stanne und Co. sind beileibe keine zweiten AC / DC, wo alles seit hundert Jahren gleich klingt. Vielmehr entwickeln sie sich von Album zu Album über die Jahre und feilen an Details, gewinnen neue Facetten hinzu und perfektionieren ihren Klang ohne dabei an Identität und den hauseigenen Trademarks einzubüßen.
Eigentlich schon wohlwissend, dass mich ein Hammeralbum erwarten würde, war ich doch leicht im Unklaren, ob Dark Tranquillity annno 2020 nicht vielleicht doch etwas anders klingen und vom Weg abkommen würden. Die Restzweifel kamen zum einen daher, dass Gründungsmitglied und Mastermind Niklas Sundin, den ich persönlich für sein Wirken sehr schätze, die Band verlassen hat und "Moment" mit zwei komplett neuen Gitarristen eingespielt wurde. Und was soll ich sagen? Bereits nach dem oberflächlichen, ersten reinhören, waren sämtliche eventuelle Bedenken verflogen. Mittlerweile bin ich geschätzt beim 40sten Hördurchgang. Und obwohl ein Groß der neuen Songs sehr eingängig daherkommt, wird mir nicht langweilig. Vielmehr habe ich das Bedürfnis immer noch einen neuen Durchlauf zu starten oder gar auch einzelne Tracks sofort zu wiederholen, selbst wenn ich wie jetzt eigentlich auch mal schlafen gehen sollte. Doch "Moment" ist wahrlich ein meisterliches Werk geworden, dass mich irgendwie sehr an das Klassikeralbum "Projector" oder auch ein wenig an "Haven" erinnert. Der Aufnahmesound ist darüberhinaus einfach der Wahnsinn. Überhaupt scheint "Moment" nicht nur für selbigen, sondern für die Ewigkeit gemacht zu sein. Hier ist zudem von allem ein "Mehr" vertreten. So viele geniale Gitarrensoli gab es glaub ich noch auf keinem DT-Album, ebenso gab es noch nie so viel Klargesang neben den harten Growls und Mikael wird dort immer besser, was auch hier merklich hörbar ist. Unterstrichen wird der geniale Klang durch einen vielfältigen Mega-Keyboardsound, der bei jedem Song komplett andersartig klingt. Dennoch büßt auch diese Scheibe nichts an Härte ein und musikalisch bleibt es schießlich auch Death Metal, wenn auch der melodischsten Art. Auch wenn hier Mainstreamfans sicherlich Gefallen dran finden, sehe ich keine Argumente, warum man auch als Deather oder Dark Metaller nicht weiterhin diesen wehmütigen, aber dennoch harten und energiegeladenen Klängen verfallen sein sollte. Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und prohezeie "Moment" einen späteren Kultstatus. Hier wurde ganz große Kunst geschaffen und man wird es mit dieser unnachahmlichen Mixtur aus Songwritung-Genialität und glasklarem Breitwandsound zu einem zweiten "Projector" bringen... einem Album für die Ewigkeit, dessen Songs man auch noch in 25 oder 40 Jahren fest in den Gehörgängen hat. Als Anspieltipps wären eigentlich alle zwölf Nummern zu nennen, da jeder Song bockstark ist. Exemplarisch für die harten und treibenden Stücke müsst ihr euch aber auf jeden Fall mal "Identical To None", "Ego Deception" und "Failstate" zu Gemüte führen und bei den melancholisch-düsteren, gar balladesken Liedern sind es vor allem "The Dark Unbroken" und "In Truth Divided", die euch die Tränen in die Augen treiben sollten. Was und vor allem wer soll da bitteschön noch kommen, um den Schweden mit "Moment" den Titel "Album des Jahres" streitig zu machen?

Line Up

  • Mikael Stanne – vocals (1994–present), rhythm guitar (1989–1994)
  • Anders Jivarp – drums (1989–present)
  • Martin Brändström – keyboards, programming (1999–present)
  • Anders Iwers – bass (2015–present)
  • Christopher Amott – guitars (2020–present; live 2017–2020)
  • Johan Reinholdz – guitars (2020–present; live 2017–2020)

Tracklist

  1. Phantom Days
  2. Transient
  3. Identical to None
  4. The Dark Unbroken
  5. Remain in the Unknown
  6. Standstill
  7. Ego Deception
  8. A Drawn Out Exit
  9. Eyes of the World
  10. Failstate
  11. Empires Lost to Time
  12. In Truth Divided

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