Death Angel – Humanicide

CD Reviews, Death Angel – Humanicide

Anfang der 90er lebte für eine Woche ein amerikanischer Gastschüler bei uns: Steve aus Idaho, glaube ich. Ist aber auch nicht so wichtig, denn im Gepäck hatte er lupenreinen Thrash Metal aus Kalifornien. „Act III“ von DEATH ANGEL war gerad erschienen und auch der Vorgänger „Frolic Through The Park“ übte eine große Faszination auf mich aus. Komischerweise bin ich trotzdem nie ein riesiger DEATH ANGEL Fan geworden. Umso seltsamer, als dass die Band noch nie ein schlechtes Album abgeliefert hat. Mit „Humanicide“ legen sie heute ihr neuntes Studioalbum vor.
Der titelgebende Track „Humanicide“ umschreibt schon in Perfektion wofür die Kalifornier stehen: Anspruchsvoller Thrash zwischen Hochgeschwindigkeit und verspieltem Gitarrengefrickel. Und der Fünfer gönnt den Fans kaum Zeit zum Durchatmen, denn „Divine Defector“ und „Aggressor“ sind brutale Thrash Abrissbirnen der Güteklasse A, wobei man den Hochgeschwindigkeitszug hier und da mal ins gemäßigte Tempo gleiten lässt. So punktet „Agressor“ beispielsweise mit einem starken Mittelteil.  Mein persönliches Highlight der Scheibe ist allerdings „I Came For Blood“: 80er Jahre Speed Metal Riffs treffen hier auf punkige Rotzattitüde und Oseguedas dreckige Vocals. Genial – zumal man mal ebenso noch einen supereingängigen Chorus aus dem Ärmel geschüttelt hat. Apropos Mark Osegueda. Es gibt ja Leute die durch nervige Profilneurosen auf sich aufmerksam machen, z. B. Fernsehkoch Steffen Henzler. Osegueda ist das genaue Gegenteil. Der charismatische Frontmann sieht nicht nur immer noch aus wie ein 20jähriger, er liefert auch immer wieder richtig amtliche Vocals ab und ist zudem ein unglaublich netter Zeitgenosse.
Mit leisen Tönen wird ein cooles Groovemonster namens „Immortal Behated“ eingeleitet. Hart muss nicht immer Lichtgeschwindigkeit sein. „The Pack“ nimmt schon fast moderne Rhythmen von Bands wie CLAWFINGER auf. Dass sie auch richtig melodiös können, beweisen DEATH ANGEL in „Revelation Song“. Mit „Of Rats And Men“ entlassen uns die Amis dann mit einem richtigen Ohrwurm – ja, auch sowas gibt es im Thrash Metal.
„Alive and Screaming“ beschreibt den derzeitigen Zustand von DEATH ANGEL eigentlich perfekt. Die kalifornischen Thrash Veteranen zeigen sich weder altersmilde noch ausgelaugt oder gelangweilt. Im Gegenteil, das Songwriting auf „Humanicide“ ist abwechslungsreich, mal brutal, mal eingängig und immer 100% DEATH ANGEL. Hoffentlich bleiben die Jungs noch einige Jahre in dieser Form!


Line Up

Mark Osegueda | vocals
Rob Cavestany | guitars
Ted Aguilar | guitars
Damien Sisson | bass
Will Carroll | drums

Tracklist

1. Humanicide 5:42
2. Divine Defector 3:24
3. Aggressor 5:11
4. I Came For Blood 3:11
5. Immortal Behated 6:08
6. Alive And Screaming 3:35
7. The Pack 3:32
8. Ghost Of Me 4:33
9. Revelation Song 5:33
10. Of Rats And Men 4:08