Devin Townsend - Empath

CD Reviews, Devin Townsend - Empath

Genie und Wahnsinn liegen bekanntlich dicht beieinander. Für das was HevyDevy da auf Empath zusammengeschraubt hat, sind beide Begriffe zutreffend. Welcher Anteil allerdings überwiegt, wird wohl jeder für sich entscheiden müssen.
Dass Devin Townsend schon immer anders war als andere, sollte jedem bekannt sein, der seine Musik gehört hat und zu schätzen weiß. Ob als "Devin Townsend Project" oder "Strapping Young Lad" oder einfach nur "Devin Townsend". Nach dem letzten Werk "Transcendence" ist mit "Empath" etwas entstanden womit sicherlich niemand gerechnet hat. Waren auf "Transcendence" noch Titel zu hören, die man als "Songs" ansich bezeichnen würde, so verliert sich das neue Material auf "Empath" mehrfach in Chaos, Verwirrung aber auch Geniealität. Die klassische Songstruktur gerät (bis auf wenige Ausnahmen) dabei immer mehr in den Hintergrund und macht es dem Hörer nicht einfach zu verstehen, was Herrn Townsend hier oder dort wohl geritten haben könnte. Aber vielleicht hat er die Worte seines Kumpels Chad Kroeger von Nickelback etwas zu genau genommen, als der ihm riet mal was anderes als ein "Mainstream-Album" zu machen. Daher ist es um so erstaunlicher, dass er Musiker gefunden hat, die seine doch recht unkonventionellen Ideen umsetzen können und wollen, wobei speziell die Drummer schon extrem verrückt aber auch sehr versiert sein müssen. Selbst ein Mike Portnoy oder ein Mike Mangini, die zweifelsfrei zur Prog-Drummer-Elite dieses Planeten gehören, müssten sich vermutlich ins stille Kämmerlein begeben und so einige Parts längerfristig einüben. Hinzu kommt, dass mit "die" Drummer tatsächlich gleich 3 an der Zahl gemeint sind, die sich zum Beispiel im ersten Song "Genesis" (nach dem Intro "Castaway") gegenseitig die Sticks in die Hand geben.
Aber nun zu den Songs: "Genesis" bewegt sich anfangs noch im normalen Devin Townsend-Modus. Druckvoll, die typischen Power-Chöre, aber dann mit Hammer Blastbeats und verspielten Sounds und Overdubs die aus einem alten "PacMan" Spieleautomaten hätten kopiert sein können. Zum Ende mit Percussion-Parts gespickt und nochmal Blaaast. "Spirits will collide" ist dann der einzige Song, der nach traditionellen Schemen aufgebaut ist und etwas an das Material des "Transcendence"-Albums ("From the Heart") erinnert. "Evermore" hat eine ähnlich vertrackte Struktur wie "Genesis" und gehört für mich daher eher zur etwas schwereren Kost. "Sprite" hat dagegen nicht viel mit Metal zu tun. Ein sehr ruhiger Song mit dezenten Progelementen unter der Gesangslinie und einem Synthesizerpart, der mich an alte Jean Michel Jarre- Zeiten erinnert. Mit fließendem Übergang zu "Hear Me" geht es sodann wieder in Blastbeats über, kurz unterbrochen von Anneke van Giersbergens Gastgesang. Der wohl härteste Song des Albums. An welcher Stelle Chad Kroeger in diesem Song seinen Einsatz hat, vermochte ich nicht rauszuhören, da der "Gesang" eher in Richtung GrindCore geht.
Ist es Walzer oder Bolero?  "Why?" darf irgendwo in dieser Ecke eingeordnet werden. Hier hat HevyDevy auf jeden Fall seine Vorliebe zum Orchestralen und Bombast zum Ausdruck gebracht. Wer sich von "Why?" hat einlullen lassen, sollte, nachdem der Hahn zu "Borderlands" gekräht hat, langsam wieder aufwachen. Denn nun geht es im Reggae-Rhytmus weiter. Im Refrain untermalt von einer markanten Gitarren-Linie und einem sehr ruhigen, verträumten Mittelteil. Bei "Requiem" ist der Name Programm: Kirchen-Choräle und Orchester-Arrangements, wie man es eigentlich von großen Hollywood Blockbustern kennt. Beim 24 Minuten Track "Singularity" dürften sich aber endgültig die Geister scheiden. Genau genommen sind es 6 Einzelteile, die aneinander gereiht sind und vom Country-Sound zum typischen Devin Townsend Bombast-Sound, über einen Monster Blast-Teil, hin zur Synthesizer-Einlage, übergehend in einen fast schon "Free-Jazz"-artiges Gefrickel, bis zum Prog-Teil, um dann mit wieder mit einer eingängigen Gesangslinie, untermalt von einem vertrackten Beat, zu enden. Und irgendwo mittendrin unterstützt Steve Vai mit seinen Soli den Wahnsinn.
Was für ein Album! Ob sich Herr Townsend damit einen Gefallen getan hat, bleibt abzuwarten, da es teilweise schwere Kost ist, die sich nicht zum "nebenbei Hören" eignet. Musikalisch und kompositorisch definitiv genial. Aber sicherlich nicht für jedermann gut verdaulich.

Line Up

STUDIO LINEUP

Genesis:

Drums: Anup, Morgan & Samus
Bass: Nathan
Additional Vox: Elektra, Ché & Elliot
Additional Guitar and Keys: Mike Keneally

Spirits Will Collide:
Drums: Anup
Bass: Dev
Additional Vox: Elektra and Elliot

Evermore:
Drums: Anup
Bass: Nathan and Dev
Additional Vox: Elektra and Elliot

Sprite:
Drums: Morgan
Bass: Dev
Additional Vox: Elektra, Elliot, Josefa & Nolly

Hear Me:
Drums: Samus
Bass: Dev
Additional Vox: Anneke Van Giersbergen and Chad Kroeger

Why?:
Drums: Morgan
Bass: Nathan
Additional Vox: Elektra and Elliot
Additional Guitar and Keys: Mike Keneally

Requiem:
Vox: Elektra

Borderlands:
Drums: Anup and Morgan
Bass: Dev and Nathan
Additional Vox: Elektra, Jessica, Eric
Severinsen, Zim, Mike Keneally & Jess
Vaira
Additional Guitar and Keys: Mike
Keneally, Scott Reinson & Ryan Dahle

Singularity:
Drums: Anup, Morgan & Samus
Bass, Dev and Nathan
Additional Vox: Elektra, Anneke and
Elliot,
Whistles: Callum
Additional Guitar and Keys: Steve Vai and Mike Keneally

Tracklist

1. Castaway (02:30)
2. Genesis (06:05)
3. Spirits Will Collide (04:39)
4. Evermore (05:30)
5. Sprite (06:37)
6. Hear Me (06:30)
7. Why? (04:59)
8. Borderlands (11:02)
9. Requiem (02:46)
10. Singularity (23:32)