Devin Townsend - Terria

CD Reviews, Devin Townsend - Terria

  • Devin Townsend - Terria
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  • Erstellt am: Dienstag, 04 September 2001
  • Label: InsideOutMusic / HevyDevy Records
  • V.Ö.: 04 September 2001
  • Bewertung: Devin Townsend - Terria

Es gibt Träume, in denen kann man fliegen. Man schwebt über blühende Landschaften und hat für die Idioten, die einen tagtäglich mit ihren Problemen zu belasten versuchen, nur ein verächtliches bis mitleidiges Lächeln übrig.

Nur gelegentlich tippt einem die Angst vorm Absturz oder vor der eigenen Fehlerhaftigkeit auf die Schulter. Dann fühlt man sich plötzlich dieser Schönheit unwert, bis man den Blick nicht weiter auf Vergangenheit und Gegenwart richtet, sondern sich nicht nur der eigenen Vergänglichkeit, sondern auch der der eigenen momentanen Probleme bewusst wird. Den Soundtrack für einen solchen Traum hat der verrückte Professor des Metal, Devin Townsend, nun in Form des „Terria“-Albums vorgelegt. Auch, wenn man der lyrischen Stringenz auf Anhieb nicht hundertprozentig folgen kann, so merkt man allein schon an der musikalischen Homogenität der Platte, dass es sich um ein Konzeptalbum handelt. Ohne abwechslungsarm zu wirken, scheint „Terria“ aus einem Guss zu sein. Von der adrenalingepeitschten Hektik der Strapping Young Lad - bzw. Physicist - Phasen und den nach möglichst verschiedenen Extremen strebenden „Infinity“-Experimenten hat nur wenig überlebt. Bis auf den Refrain in „Earth Day“ gibt es keine Industrial-Grind-Orgien mehr, und auch eine Psycho-Polka à la „Ants“ sucht man vergeblich. Natürlich sind auch viele Trademarks von HevyDevy geblieben; zum Beispiel ist der Verzerrer immer noch auf 110% gedreht, der Gesang ist unverkennbar und vielschichtig, und Drumgigant Gene Hoglan lässt das Schlagwerk fetter klingen, als er selbst ist. Doch „Terria“ ist wohl mit Abstand die ruhigste Townsend-Platte. Und die unzugänglichste. Devin versteht es zwar, sparsam eingestreutes Gefrickel mit großen Melodien zu verbinden, die mich teilweise sogar an Paul McCartneys 1982er-Werk „Tug Of War“ erinnern. Doch mit einer durchschnittlichen Songlänge von 6 bis 7 Minuten und vielen ruhigen, der Atmosphäre dienlichen Passagen wird der Zugang zur Struktur der Musik besonders zu Beginn des Albums erschwert. Für den Hörer ist das eine angenehme Herausforderung, er muss sich nur drauf einlassen. Und das wird ihm durch das wunderschöne, opulente Artwork von Travis Smith (u.a. Katatonia, Opeth, Death) erheblich erleichtert. Mein Fazit: Zeit zum Träumen! Doch vergesst das Aufwachen nicht.