Eluveitie - Ategnatos

CD Reviews, Eluveitie - Ategnatos

Wiedergeboren in alter Stärke melden sich die Schweizer Melodic-Folk-Death-Metaller von ELUVEITIE um Frontmann Chrigel Glanzmann mit ihrem nunmehr achten Studio-Album "Ategnatos" zurück. Es gibt also neues Material für ihre zahlreichen Live-Auftritte, die auch in 2019 nicht weniger werden sollen. Wie hört sich das aber an?
Bereits seit 2006 begeistern ELUVEITIE mit ihrem sogar im Folk-Metal-Genre recht einzigartigen Mix aus sanften, hochmelodischen Flöten- und Drehorgel-Klängen, zartem weiblichem Sopran und brutalen Growls. Dadurch entsteht auch auf der neuen Platte einmal mehr ein intensiv-episches Gefühl, das einen wünschen lässt, man stünde auf der höchsten Klippe, um seinen Boten-Raben in den Sturm hinaus zu schicken. Es ist definitiv nicht leicht, die Stilrichtung, den die Band pflegt und der auch live zu einem einzigartigen Schauspiel bei höchster musikalischer Qualität und passioniertem Einsatz wird, durch Vergleiche mit anderen Bands zu beschreiben. Muss man jedenfalls mögen.
 
Alles in allem knüpft die Truppe musikalisch wie thematisch an ihre vorherigen Alben an, die bereits durchweg der gallischen Kultur und keltischen Mythologie angelehnt und gewidmet waren. Der Titelsong, "Ategnatos" (Gallisch für Wiedergeboren) bietet gewissermaßen einen Schnelldurchlauf der unterschiedlichen Zusammensetzungen von musikalischen Elementen, welche sich auf dem gesamten Album in alt gewohnter Manier in verschiedenen Songs wiederspiegeln werden. Das volle Programm also mit gesprochener Einleitung, eingängigen Melodien sowohl schnell als auch langsam, harten Growls, wunderschöner Zweistimmigkeit und dem fast schon zum Markenzeichen gewordenen Wehklagen der Sängerin, in diesem Fall Fabienne Erni. Es folgen drei solide, nicht anders zu erwartende Titel, wobei in "Black Water Dawn" gen Ende ein Stromgitarrensolo á la SLASH auftaucht, welches auch beim fünften Durchhören beim besten Willen nicht verständlich erscheint.
Im Song "The Raven Hill" wird dann wieder einmal eine traditionelle irische Melodie verwendet, die einem schon bald nicht mehr aus dem Kopf geht (Óró sé do bheatha abhaile, zu Deutsch in etwa Willkommen zuhause). Mit "The Silvern Glow" kommen auch Fans des gesangfreien Interludiums auf ihre Kosten. Zwischenzeitlich bekommt man dann bei "Ambiramus" zwar ein wenig Angst, man hätte statt der neuen ELUVEITIE- eine alte EVANESCENCE-Scheibe aufgelegt; umso brutaler folgt aber dann zum Glück darauf "Mine is the Fury", was einen den vorangegangenen Fauxpas schnell vergessen lässt. "The Slumber" kommt dann zunächst zart daher. Der Harfe als Melodieführer wird auf "Ategnatos" eine größere Plattform geschaffen als auf früheren Alben. Doch auch hier folgt der Stilbruch auf dem Fuße, der bei ELUVEITIE zum Markenzeichen gehört, indem nach kurzem Intro nun wieder E-Gitarren und Chrigels raues Grummeln nachgelegt wird. Insgesamt wirkt "The Slumber" vielleicht ein bisschen poppiger, als man es sich gewünscht hätte.
Aber es weht noch ein neuer Wind im Hause ELUVEITIE: Diesmal bekommt die neunköpfige Band prominenten Zuwachs. Für "Worship" bitten sie LAMB-OF-GOD-Fronter Randy Blythe ans Mikrophon. Kein Wunder, dass es dann auch hier mal zu einer etwas moderneren Melodieführung kommt - kann man so akzeptieren. Es folgt ein weiteres Interludium und dann galoppieren die letzten Songs auch schon an einem vorbei, die klar auf den vorletzten, dem Titel-Song entgegengestellten Track "Rebirth" (Englisch für Wiedergeburt) zuarbeiten: Hier findet sich dann mit einer starken Melodie und unglaublichem Druck gewissermaßen der Klimax der Platte. Fände sich hier eine eindeutige melodische Hommage an den ersten Track, könnte man sogar fast schon von einem Konzeptalbum sprechen. "Eclipse" schließlich bildet eine Art Abspann, in dem die Stimme Fabienne Ernis im Rauschen des Windes langsam verschwindet. Sehr episch auf jeden Fall.
Insgesamt ist "Ategnatos" ein Album, welches sowohl für Neueinsteiger in den Melodic-Folk-Death-Metal geeignet ist, als auch alteingesessene ELUVEITIE-Jünger nicht im Regen stehen lässt. Die Schweizer können definitiv an alte Erfolge anknüpfen - das Album liefert von Anfang bis Ende die Ohrwürmer, die man sich wünscht und die dann auch beim nächsten musikalisch großartigen Live-Gig mitgegrölt und -gejodelt werden können. Nur das mit diesen Stromgitarren-Soli sollten sie sich vielleicht zum nächsten Album nochmal gut überlegen.

Line Up

Chrigel Glanzmann| Gesang, Pfeifen, Mandoline, Dudelsack Trommel
Fabienne Erni| Gesang, Keltische Harfe, Mandoline 
Alain Ackermann| Schlagzeug
Rafael Salzmann| Gitarre
Jonas Wolf| Gitarre
Kay Brem| Bass
Michalina Malisz| Drehorgel
Matteo Sisti| Pfeifen, Dudelsack, Mandoline
Nicole Ansperger| Geige
 

Tracklist

1. Ategnatos 4:53
2. Ancus 0:11
3. Deathwalker 4:53
4. Black Water Dawn 4:18
5. A Cry In The Wilderness 5:24
6. The Raven Hill 4:12
7. The Silvern Glow 1:10
8. Ambiramus 2:53
9. Mine Is The Fury 3:33
10. The Slumber 4:56
11. Worship 5:34
12. Trinoxtion 1:18
13. Threefold Death 3:31
14. Breathe 5:28
15. Rebirth 4:58
16. Eclipse 3:01