Forever – Forever

CD Reviews, Forever – Forever

Ein sofortiger Verkaufsschlager wird FORVER in Deutschland aufgrund der Tatsache, dass man sich als Release-Termin ausgerechnet Karfreitag ausgesucht hat, wohl nicht. Dabei lädt die Mucke des Schweden Jonas Wikstrand (ENFORCER) auch noch zum abtanzen ein. AOR Vollbedienung mit starkem 80er Disco-Einschlag! Da werfe ich mich gleich mal in den ballonseidenen Trainingsanzug und drücke „Start“.
Da wird es in den DEAF FOREVER Redaktionsräumen dieser Tage wohl ordentlich Stunk geben: Frank Albrecht hatte sich ein Solo-Projekt-freies Jahr 2019 gewünscht und ausgerechnet sein Kollege Mühlmann promoted das Soloprojekt des schwedischen Drummers Jonas Wikstrand, der sonst bei ENFORCER die Stöcke schwingt und für dieses Projekt aus irgendeinem Grund in eine Art Vogelkostüm geschlüpft ist.
Coverartwork und Bandname erinnern sicherlich nicht ganz unbewusst an Bands wie BOSTON oder FOREIGNER und doch muss man sagen, dass Wikstrand den Weichspülgang mitunter ordentlich strapaziert. Sound und Songwriting wurden 1:1 aus den 80ern übernommen und wenn sich eine Band mit der Bezeichnung „ABBA-Rock“ schmücken darf, dann FOREVER. Dennoch sind mit „Blame Me For Trying“, "Train" oder „Got Me“ auch etwas rockigere Nummern auf dem Album.
Zwischenzeitlich setzt man für meinen Geschmack jedoch zur sehr Schlaghose und Kifferbude – wer dachte, dass die 70er musikalisch unwiderruflich Geschichte seien, der wird mit diesem Album eines Besseren belehrt. Man höre sich nur mal „Rosebund“ an. Da ist die schillernde Disco-Kugel mit Wikstand durchgegangen.
Ein glückliches Händchen bewies man hingegen bei der Gestaltung der Playlist, denn mit „Anywhere You’ve Gone“ hat man einen absoluten Ohrwurm auf die Pole-Position des Albums gesetzt. Der Song schreit zwar auch irgendwie nach freier Liebe, versprüht jedoch auch ein wenig irischen Spirit á la THIN LIZZY und der zuckersüße Refrain will einfach nicht mehr aus dem Gehörgang entweichen.
Manchmal gibt es Alben, die allein wegen eines guten Songs eine Berechtigung für mich haben. Ich schätze, dass FOREVERs Debüt dazu gehören könnte, denn insgesamt ist die Veröffentlichung wohl vor allem dem Hype um Bands wie THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA zu verdanken – man höre nur „Call out my Name“ an. Ob ich mir die Scheibe damals gekauft hätte, bezweifele ich, doch heute bieten die digitalen Medien ja ganz andere Selektionsmöglichkeiten und „Anywhere You’ve Gone“ ist definitiv download-wert.
Würde mich am Ende noch interessieren, wie Albrecht seinem Redaktionskollegen Mühlmann die Veröffentlichung dieser Scheibe zurückzahlt!   

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