Gotthard – Defrosted 2

CD Reviews, Gotthard – Defrosted 2

Im Verlauf ihrer Geschichte mussten die schweizer Hardrocker GOTTHARD den ein oder anderen Rückschlag hinnehmen – bis zum tragischen Tod ihres Frontmanns Steve Lee im Jahr 2010. Mit „Defrosted 2“ folgt gute 10 Jahre nach „D-Frosted“ die Neuauflage der Unplugged-Show.
Ob der heiliggesprochene Hildesheimer Bischof Godehard die sexuellen Anspielungen im Bandnamen und Logo gutheißen würde, darf wohl bezweifelt werden. Doch als sich die Band Ende der 80er aus einer Haarspraywolke in den schweizer Bergen emporhob, gehörte eine gewisse schlüpfrige Zweideutigkeit wohl zum guten Ton. Dennoch konnte die Truppe aus dem Dunstkreis des KROKUS Bassers Chris von Rohr schnell durch ihre musikalische Substanz punkten. Mit der genialen Ballade „Father is that enough“ vom 96er Album „G.“ schaffte man es sogar in die damalige ZDF Weihnachtsserie „Frankie“, deren Protagonist am Ende der Serie im Vorprogramm der SCORPIONS auf der Bühne stand. Mit dem folgenden „D-Frosted“ spielte sich die Band endgültig in mein hardrockendes Herz. Mit dem deutlich weichgespülteren, bluesig angehauchten Nachfolger „Open“ wurden zahlreiche Fans der Band seinerzeit ordentlich vor den Kopf gestoßen. Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit GRAVE DIGGER Frontsirene Chris, der geradezu erbost über den stilistischen Wandel einer seiner erklärten Lieblingsbands war. Well, it’s been a long time gone . . .
Mit „Defrosted 2“ zeigen GOTTHARD, dass ihre Musik auch im 21. Jahrhundert noch bestens ohne Strom funktioniert. Natürlich gibt es mit Evergreens wie „Sister Moon“, „Sweet Little Rock’n’Roller“, der Coverversion „Hush“, „One Life One Soul“ oder „Mountain Mama“ verschiedene Überschneidungen mit „D-Frosted“, doch das ist keineswegs störend, zumal mit Nic Maeder ja ein anderer Sänger am Mic steht. Schade, dass es „Father is that enough“ nicht auf die Playlist geschafft hat. Stattdessen gibt es aber zahlreiches neues Material, so dass es letztlich sogar zu einer Doppel-CD gereicht hat. Neben jeder Menge Herzschmerz für die dunkle Jahreszeit gibt es mit Songs wie „Bang“ auch ordentliche Akustik-Rocker, die den Originalen das ein ums andere Mal sogar den Rang ablaufen. Am Ende gibt es mit „Smoke on the Water“ nicht nur noch eine Coverversion, sondern mit „Bye Bye Caroline“ und der Akustikversion von „What I Wouldn’t Give“ noch zwei Extrazugaben zum Liveprogramm der Scheibe.
Mit „Defrosted 2“ beiweisen GOTTHARD, dass ihre Musik zeitlos ist und zeigen sich im überzeugenden akustischen Gewand. Die Scheibe ist der perfekte Soundtrack für die dunklen Dezemberabende und somit eine willkommene Alternative zur Weihnachtsdudelei der Radiostationen.

Line Up

Vocals: Nic Maeder
Guitars: Leo Leoni
Guitars: Freddy Scherer
Bass: Marc Lynn
Drums: Hena Habegger

Streicherquartett “The G-Strings”
Percussions: Andy Pupato
Keyboard: Ernesto Ghezzi
Background-Sängerinnen: Maram El Dsoki und Barbara Comi

Tracklist

01. Miss Me
02. Out On My Own
03. Bang
04. Sweet Little Rock’n’Roller
05. Beautiful
06. Feel What I Feel
07. Hush
08. Remember It’s Me
09. Stay With Me
10. Tequila Symphony
11. Mountain Mama

CD 2:
12. Why
13. C’est La Vie
14. One Life One Soul
15. Tell Me
16. Starlight
17. Sister Moon
18. Right On
19. Lift U Up
20. Heaven
21. Anytime Anywhere
22. Smoke On The Water
23. Bye Bye Caroline (mit Francis Rossi)
24. What I Wouldn’t Give (Acoustic version)