Insomnium - Winter's Gate

CD Reviews, Insomnium - Winter's Gate

Über zwei Jahre mussten die Freunde des gediegenen melodischen Death Metal auf ein neues Opus von INSOMNIUM warten. Während andere Musikredaktionen den Finnen beim letzten Longplayer fehlende Kreativität attestierten, wussten und wissen wir vom Twilight-Magazin authentische Bodenständigkeit zu schätzen. Denn schließlich ist es irgendwie auch kreativ, Bier oder andere Alkoholika mit allerlei Ingredienzien wie Holunder- oder Tomatensaft und komischen Kräutern zu mischen, obwohl man das nun überhaupt nicht braucht.

Mit "Winter's Gate" betreten INSOMNIUM allerdings für sich selber Terra incognita, denn das Album besteht nur aus einem einzigen, etwa vierzigminütigen Song, der sich inhaltlich mit einer Kurzgeschichte vom Sänger und Bassisten Niilo Sevänen befasst, in der es um eine Gruppe Wikinger geht, die sich trotz des herannahenden Winters auf den Weg machen, um eine sagenhafte Insel westlich von Irland zu finden. Ein Konzeptalbum also, das zusammen mit der Geschichte in Buchform (auf Deutsch, Englisch und Finnisch) erscheint.

Das Gute an dem Format ist, dass man wie in der guten alten Zeit der Platten und Tapes gezwungen ist, sich mit dem Longplayer als Ganzes zu befassen. Und wenn ich im ersten Moment auch skeptisch war, so wurden mir eigentlich schon nach dem ersten Durchlauf die Stärken dieses Albums bewusst, die sich auch nach dem fünften Hören überhaupt nicht in Luft auflösten. Natürlich schimmern auch hier die möglichen Einzelsongs hervor, allerdings werden sie durch Interludia organisch miteinander verbunden. Und so startet der Longplayer nach einem mystischen Intro mit dem typischen INSOMNIUM-Sound: düstere Melodik, kraftvolle Brutalität und die typische treibend-stampfende Dynamik (bis etwa Minute 6.12). Hammermäßige gewitterartige Riffs (ab 7.13) rahmen die nächste Phase ein, die von Festlichkeit und frohgemuter Hoffnung geprägt ist und sich schließlich in Ruhe und Stille verliert (bis ca. 12.55). Es folgt ein sich immer weiter steigender melodisierender Spannungsaufbau, der sich dann in sphärisch, intensiver und versöhnlicher Weise entlädt, inklusive gekonnter Gitarrensoli (ca. 18.00).

Dann wird es wieder brutal-energetisch, natürlich kombiniert mit eingehender Hymnik. Spätestens, nachdem das Klavier für melancholische Ruhe gesorgt hat (ca. 24.00), findet sich ein Sound, den man so auf den letzten Alben der Finnen nicht gehört hat: Zum einen gibt es Phasen, die an DRACONIAN erinnern, zum anderen auch überaus doomig angehauchte Passagen (33.30), ehe es zum Finale hin noch einmal richtig auf die Ohren gibt. Klassische Ringkomposition eben.

Fazit: Durch die neuartige, dem Konzeptalbum geschuldete Struktur gelingt es den Finnen von INSOMNIUM, ihrem wehmütigen, melancholischem und melodischen Death Metal neue Frische und Virilität einzuhauchen. Zudem klingt er durch die organischen Zwischenspiele um einiges vielfältiger, intensiver und atmosphärischer. Also: eines ihrer besten Alben und mit Sicherheit ein Metal-Highlight dieses Jahres!

Line Up

Niilo Sevänen - Vocals/Bass

Ville Friman - Guitars/Vocals

Markus Vanhala - Guitars

Markus Hirvonen - Drums

Tracklist

01. Winter's Gate

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