IVORY TOWER - Stronger

CD Reviews, IVORY TOWER - Stronger

Die norddeutsche Progressive Metal Band meldet sich im August 2019 "stärker" zurück...

Meine erste Rezension für Twilight. Meinen Stil muss ich noch finden, daher erlaube man mir, dass ich im ersten Review vergleichend vorgehe. Höre und/oder lese ich den Begriff Progressive im Zusammenhang mit Musikgenres, kommen mir international sehr schnell Yes, Rush und Dream Theater oder aus Deutschland Vanden Plas ins Gedächtnis. IVORY TOWER, vom Label als Vertreter des Modern Progressive Metal, sind bisher unter meinem Radar geblieben.

Bei Stronger handelt es sich um das 5. Album dieser Band, die 1996 gegründet wurde. Von daher haben IVORY TOWER die Aufgabenstellung, mich mit Stronger als Ersthörer zu überzeugen und für die Band zu gewinnen (Das ist grundsätzlich der Anspruch, den ich an jeden Musiker/jede Band stelle.).
Formalia: Mit 76:19 min angegebener Spielzeit hat die Band zumindest den üblichen Platz einer CD gut ausgereizt. Das finde ich gut. Andere Kapellen bringen alle paar Jahre ein Album mit 12 Tracks und 33 min Spielzeit heraus. Allerdings muss man gut 5 min abziehen, weil die Band das Lied One Day nicht nach 6:49 min enden lässt, sondern nach obiger Zeitspanne noch verbale Grüße auf deutsch artikuliert.

Stronger als Albumtitel hat für die Band durchaus autobiographische Züge, wenn man es daran festmacht, dass ab 2014 Schlagzeuger und Sänger erneuert wurden. Aktuell bearbeitet Thorsten Thrunke die Drums und Dirk Meyer lässt die Stimmbänder schwingen. Gut gefällt mir die abwechslungsreiche Komposition – auch wenn mich der Gesangsstil Dirk Meyers mitunter an Iced Earth zu Zeiten Tim Owens (z. B. The glorious burden) erinnert. Er hat eine kraftvolle Stimme, die er facettenreich einzusetzen weiß. Sven Böges Arbeit an der Gitarre ist technisch auf hohem Niveau. Die Gitarrenharmonien erinnern immer wieder an Iron Maiden, nur dass dort drei Gitarristen werkeln. Sven Böge erweitert die Gitarrenlinie durch Harmonizern. Hier und dort kommt ein Whammypedal zum Einsatz, was man von Tom Morello (Rage Against The Machine) oder Dimebag Darrell (Pantera) besonders gewohnt war. Gerade Harmonizer ist eher ein Effekt der 80er (u. a. Whitesnake oder insbesondere Steve Vai, Pantera). Was ich aus Gitarristensicht hart ausgedrückt belanglos finde, ist das Instrumental Flight of the Dragon. Die Begleitfigur ist ein wahrgenommen durchgängig wiederholtes Motiv, die Sologitarre hört sich eher nach Ausprobieren an, denn nach gewollter Komposition. Drums und Bass geben exakt den Takt vor.

Der Mix überzeugt mich nicht. Hier bei lege ich den Fokus besonders auf die Drums. Diese klingen mir nicht organisch genug, sondern platt. Die Keyboards setzt Frank Fasold tatsächlich überwiegend als sphärische Begleitung ein und ergeht sich nicht in einem „Gefrickel“ wie Jordan Rudess (Dream Theater). Eine Ausnahme ist der Song The Slave, in dem die Keys sehr dominant sind. Und der Klang ist nicht modern. Diese Art fand ich bei Nightwish, als Tarja dort noch den Gesang übernahm, schon nicht prickelnd. Sven Böge beherrscht seine Gitarre, das zeigt er auch. Nun komme nochmal auf den Mix/die Produktion zu sprechen: Auch wenn es nicht Hunderte Tonspuren sind, wie es Devin Townsend gerne auf seinen Alben abliefert, empfehle ich: „Weniger ist mehr.“ Dient es einem Song, wenn eine Gitarre nicht nur eine Rhythmusspur hat, sondern noch zusätzliche für extra Fill-ins oder Soli aufgenommen wurden? Oder ist es Selbstdarstellung? Darüberhinaus steigt die Kompression im Sound und es klingt weniger lebendig und organisch. Positive Gegenbeispiele liefern Tieflader und auch – ich verlasse das Genre – der Bluesgitarrist Henrik Freischlader. Da klingen die Alben wie live im Studio eingespielt ohne viele zusätzliche nachträgliche Overdubs, um dem Klang anzufetten. Es sollte Musikern wie auch Produzenten der Maßstab sein, die Songs möglichst 1:1 auf der Bühne abzuliefern. Und wenn der Gitarrist ein Begleitfundament für ein Solo braucht, dann bitte nicht mit 2-3 Gitarrenoverdubs, sondern dann sollten im Falle IVORY TOWERs Bass und Keyboard die Basis beisteuern. Das alles entfrachtet.

Das Label bewirbt den Stil IVORY TOWERs als Modern Progressive Metal. Neu ist das, was geliefert wird, nicht. Das ist traditionell. Als Indikator nehme ich das Instrument Gitarre: Shredding, Sweeping, Tapping, Einsatz eines Harmonizers für eine zweite z. B. auf einer großen oder kleinen Terz höhergespielten Solofigur, der Einsatz eines Whammypedals, um den Gitarrenton per Fußbefehls zwei Oktaven höher kreischen zu lassen. Das hat man schon in den 1980er Jahren gemacht. Modern und progressiv sind, besonders was Gitarrenarbeit angeht, Periphery mit Mark Holcomb, Misha Mansoor und Jake Bowen wie auch Tosin Abasi (Animals As Leaders). 

Was bleibt für mich hängen nach mehrmaligem Hören dieses Albums einer mir bis dato nicht bekannten Band? Losgelöst von meiner Auffassung über Mix/Produktion/Arrangement: Zweifelsfrei zeigt sich hier Metal in (traditionellem) abwechslungsreichem Gewand. Die Songs haben Spannungsbögen und gelangweilt haben sie mich nicht (bis auf das Instumental). Allerdings habe ich in den Durchläufen der Scheibe für mich (noch) keinen derartigen Aha-Moment verspürt, der mir persönlich sagt: „IVORY TOWER musst Du Dir privat in Deine Sammlung aufnehmen.“

Aufgrund der abwechslungsreichen Kompositionen und dem Können der Musiker ist es für mich trotzdem ein eher gutes Album.

Line Up

Dirk Meyer - Gesang
Björn Bombach - Bass
Frank Fasold - Keyboard
Thorsten Thrunke - Schlagzeug
Sven Böge – Gitarre

Tracklist

1. The Offer
2. Loser
3. End Transmission
4. Money
5. In Me
6. Slave
7. Strong
8. Flight Of The Dragon
9. Life Will Fade
10. Passing
11. The Wolves You´ve Let In
12. One Day