Matthew Good - Moving Walls

CD Reviews, Matthew Good - Moving Walls

Es ist immer wieder erstaunlich, wie es dem melancholischen Alternative-Rocker MATTHEW GOOD gelingt, mit jedem neuen Album seinem genuin eigenen Sound eine neue Nuance abzugewinnen. Auf „Moving Walls“ zeigt sich der Kanadier von einer unbändigen Sehnsucht, Wehmut und Melancholie getrieben.

Dazu passt auch der Albumtitel, steht er doch dafür, dass sich in jeder Lebenssituation jedwede Sicherheit von einem Moment auf den anderen in Unsicherheit verwandeln kann. Im Vergleich zum Vorgänger „Something Like A Storm“ wurde die Instrumentierung um einiges reduziert, die Intensität dadurch aber merklich verstärkt. Gleiches gilt für das Tempo. Kein Wunder, beginnen die großen Veränderungen zumeist kaum wahrnehmbar. Somit spielt die akustische Gitarre in sozialkritischer Singer-Songwriter-Manier eine wesentlich größere Rolle. Bestens zu beobachten zum Beispiel in dem schwermütigen Opener 'One Of Them Years'.

Nicht wegzudenken ist in diesem Zusammenhang der Hang zur Epik, der aber eben auch einer ungemeinen Nachdenklichkeit Vorschub leistet. Hinzu kommen die auf diesem Longplayer deutlich stilprägenden Streicherarrangements, die der Schwermut dann doch einen Hauch pittoresker Schönheit verleihen, wie 'Beauty' oder ' Boobytrapped' unter Beweis stellen. In dem wirklich herausragenden und unter die Haut gehenden 'Radicals' geht das dann phasenweise in Richtung Irish Folk.

Fast schon gute Laune unter tatkräftiger Mithilfe fanfarenartiger Bläser verbreitet das hoffnungsfrohe, leicht angeschrammelte 'Dreading It', nicht weniger Gänsehautfaktor besitzt 'Your Rainy Sound'. Mehr alternative-rockiges Pathos geht nicht! Weltklasse! 'Fingernail' besticht dann durch seine unvergleichliche Country-Atmosphäre, die mich, warum auch immer, ein wenig an 'I'm On Fire' von BRUCE SPRINSTEEEN erinnert. Authentisches Leiden bekommt man mit 'A Thousand Tons' geboten, in 'Selling You My Heart' zeigt sich, dass man für zeitlose Melancholie eigentlich nicht viel mehr als eine Gitarre braucht. Hammer!

Fazit: MATTHEW GOOD leidet! Das hat er eigentlich schon immer getan, aber auf dem neuesten Longplayer „Moving Walls“ kommt das Leiden in einem stilleren, nachdenklicheren und ruhigeren Gewand daher, dafür aber um so intensiver, tiefgründiger und wirksamer. Aber er wäre nicht der kanadische Ausnahmekünstler, wenn in seinem melancholischen alternative Rock nicht immer wieder ein Hauch von Hoffnung durchschimmern würde. Somit ist „Moving Walls“ ein überaus wirksames Gegengift gegen den Lärm, die Hysterie, die Rastlosigkeit der Gegenwart. Man muss sich nur die Zeit dafür nehmen, aber dann.....

Tracklist

01. One Of Them Years  02. A Momentary Truth  03. Beauty  04. Sicily  05. Boobytrapped  06. Radicals  07. Dreading It  08. Your Rainy Sound  09. Fingernails  10. Lumière Noir  11. A Thousand Tons  12. The Heights  13. Selling You My Heart  14. Thorn Bird  15. Parts

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