Mordred – The Dark Parade

CD Reviews, Mordred – The Dark Parade

Waren sie ihrer Zeit voraus? Möglich. Die Kalifornier von MORDRED veröffentlichten zwischen 1989 und 1994 drei Studioalben und zwei EPs. Mit „The Dark Parade“ kehrt die Band nun nach 27 Jahren mit einem neuen Album zurück.
Das Berliner Kultlabel Noise hatte in den 80er und 90er bekanntlich jede Menge großartiger Bands unter Vertrag (Kreator, Helloween, Tankard, Celtic Frost, Rage, Rage), doch schon damals stachen MORDRED mit ihrer Mischung aus Westküsten-Thrash und Rap-Elementen aus der Masse heraus. Insofern kam die Auflösung der Band sicherlich zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn Mitte der 90er Jahre nahm die Crossover-Bewegung um Bands wie FAITH NO MORE oder mit dem „Judgement Night“ Sampler erst so richtig Fahrt auf. Doch geschäftliche Probleme und Zerwürfnisse mit dem damaligen Labelchef führten zum Ende der Band.
Auf „The Dark Parade“ bleiben sich die Amis stilistisch treu und verpacken ihren Crossover-Thrash-Metal in eine fette Produktion. Das gelungene Artwork stammt aus der Hand von Claudio Bergamin (u.a. JUDAS PRIEST) und Matt Winegar (u.a. Faith No More) hat den Mix übernommen.
Mit „Demonic #7“ gibt es einen Opener, der die Shorts ordentlich zum Flattern bringt: thrashige Riffs, hohes Tempo, Scratches und gerappte Vocals. MORDRED fassen hier alle ihre Trademarks perfekt zusammen und sorgen für freudiges Kopfnicken beim Hören. „Malignancy“ ist die zweite Vorabsingle aus dem Album und ruft vor allem durch Holderbys typischen Gesang Erinnerungen an frühere Alben und stellenweise sogar an SUICIDAL TENDENCIES hervor. Mit „I Am Charlie“ wird nicht etwa Charlie Sheen gedacht, sondern an die islamistischen Angriffe auf Charlie Hebdo erinnert. Mit „Dragging for Bodies“ wird die Band schließlich ihrem Ruf als Groove Metal Band zu 100% gerecht, mehr Groove in einem Riff geht nicht. Der titelgebende Track ist schließlich ein lupenreiner Fusion-Metal, der weder vom Arrangement, noch von der Instrumentalisierung leicht verdaulich ist. Insofern gönnt einem das gradlinigere „All Eyes on the Prize“ anschließend wieder eine kleine Verschnaufpause. „Dented Lives“ ist für mich der größte Ausreißer nach unten, da der Song bei mir einfach nicht zündet. Mit „Smash Goes The Bottle“ hängen MORDRED zum Abschluss nochmal das 90er Jahre Crossover-Sign an ihre Haustür. Und dann ist nach knapp 40 Minuten schon wieder Schluss. Zugegeben, in diesen 39 Minuten gibt es bei MORDRED musikalisch mehr zu entdecken als etwa auf einem AC/DC Album, doch man hätte sich nach 27 Jahren vielleicht noch einen neunten oder zehnten Song gewünscht.
Mit „The Dark Parade“ knüpfen MORDRED dort an, wo sie 1994/95 aufgehört haben. Sie verbinden Bay Area Thrash mit Rap-Elementen und Groove Metal Riffs und fordern den Hörer bisweilen mit schrägen Arrangements heraus. Mit der starken ersten Hälfte kann die etwas schwächere zweite Hälfte der Reunion-Scheibe nicht ganz mithalten und ich vermute Stark, dass MORDRED anno 2021 dasselbe Schicksal wie in den 90ern ereilen wird: Der große Durchbruch wird mit „The Dark Parade“ nicht zu erzielen sein, für einige fröhliche Crowdsurfing-Runden im verrauchten Club dürfte es aber problemlos reichen.  


 

Line Up

Scott Holderby – vocals
Art Liboon – bass
James Sanguinetti – guitar
Danny White – guitar
Aaron “DJ Pause” Vaughn – turntables/keyboards
Jeff Gomes – drum

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Mordred
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