Nicumo - Inertia

CD Reviews, Nicumo - Inertia

Liebe in Zeiten der Cholera. Leben in Zeiten von Corona. Wie alle Krisen bietet auch diese so seine Chancen. Zum Beispiel kann man die Zeit nutzen, um in aller Ruhe solche Kalendersprüche zu zitieren oder auch seinen musikalischen Horizont zu erweitern. Und dazu eignen sich die melancholischen Metaller von NICUMO in herausragender Art und Weise. Denn zum einen bekommt man urwüchsige finnische Melancholie geboten, zum anderen befindet sich selbige aber auch in einem ständigen Wettstreit mit frohgemutem Optimismus. Genau das Richtige in Zeiten wie diesen.

Um eine ganz besonders tiefgründige Atmosphäre zu erschaffen, setzen die Finnen gekonnt das leider etwas aus der Mode gekommene Saxophon ein. So zu hören in dem überaus wehmütigen Song 'Same Blood'. Hinzu kommt, dass Sänger Hannu Karrinen eine ungemeine wandlungsfähige Stimme verfügt. Von emotional-zerbrechlich über reibeisen-rockröhrig bis hin zum infernal-gegrowlt ist alles dabei. Eine besondere Eigenart des Sounds ist darüber hinaus eine Vorliebe für auffällig längere instrumentale Partien, an der sich die Mannen hinter ihren Instrumenten einmal so richtig austoben können ('Witch Hunt').

Fragile, zerbrechliche Sehnsucht, phasenweise im Stile von A PERFECT CIRCLE, aber dann auch mit wesentlich mehr Durchschlagskraft findet sich in 'Tree Of Life', zumal das hoffnungsfrohe, versöhnliche Element nicht fehlt. Weltklasse! Ganz anders, nämlich sehr aufrüttelnd und zornig, fordern und mitreißend ist dann 'Mother Of The Snake'. In 'Who You Are' wird der Sound bisweilen durch eine angenehm todesmetallische Attitüde angereichert. Zudem wird durch die musikalische, songwriting-technische Vielfalt eine geradezu epische Atmosphäre erzeugt. Wie es sich für einen Rausschmeißer gehört, startet 'Black Wolf' richtig ruhig intensiv und nimmt dann „powerballadenmäßig“ an Fahrt auf, ein tiefgründiges Auf und Ab der Gefühle.

Fazit: Den finnischen Melancholic-Metallern gelingt es auf ihrem dritten Longplayer „Inertia“ in eindrucksvoller Art und Weise, sehnsuchtsvollen, dark-rockige Melancholie mit hoffnungsvoller, metallischer Dynamik oder auch mit todesmetallischer Düsternis zu verbinden. Dadurch entsteht ein überaus intensives, tiefgründiges und abwechslungsreiches Klangerlebnis, das einen in Zeiten wie diesen auf andere Gedanken bringt. 

Line Up

Hannu Karppinen - Vocals
Atte Jääskelä - Guitars
Tapio Anttiroiko- Guitars
Sami Kotila - Bass
Aki Pusa - Drums

Tracklist

01. Three Pyres
02. Dark Rivers
03. Same Blood
04. Witch Hunt
05. Tree of Life
06. Mother and The Snake
07. Who You Are
08. Time Won’t Heal
09. Black Wolf 

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