October Tide - In Splendor Below

CD Reviews, October Tide - In Splendor Below

OCTOBER TIDE sind unbezweifelbar so etwas wie der Freund, der einen nie im Stich lässt, der in der Not immer da ist, auf den man sich wirklich und in jeder Situation verlassen kann und der somit auch kommt, wenn man ihn um fünf Uhr morgens, erfüllt von Liebeskummer, von Selbstmitleid und von jeder Menge Pils, anruft, um sich aus der Stammkneipe abholen zu lassen.

Vor diesem Hintergrund ist ist die Frage, ob die death-doomigen Schweden je schon ein schlechtes Album gemacht haben, eine rhetorische, obwohl es mehr als erstaunlich ist, dass nach „Tunnel Of No Light“ (2013) und „ Winged Waltz“ (2016) mit „In Splendor Below“ nun das dritte Meisterwerk in Folge erscheint. Aber vielleicht sind es auch die dreijährigen Pausen, die die herausragenden Songs heranreifen lassen. Dabei verlassen OCTOBER TIDE zum Glück nicht die eingeschlagenen Pfade, wohl auch ein Grund, warum die Norrman-Brüder die unsteten KATATONIA verlassen haben, sondern sie bleiben ihrem Stil treu, ohne sich zu wiederholen.

 
Das kann man sehr schön bei dem Opener 'I, The Polluter' hören, der zunächst überaus düster, wuchtig und für OCTOBER-TIDE-Verhältnisse fast schon überdynamisch daherkommt, zumal hier auch die Vocals von Alexander Högbom infernal verzerrt zu sein scheinen. Doch spätestens wenn die melancholische Atmosphärik einsetzt, fühlt man sich wieder heimisch. 'We Died In October' besticht dann durch seine einprägsame Wehmut im Verein mit der riffig-brachialen Doomigkeit. Viele finnische Death- und Doom-Metal-Bands haben es vorgemacht, jetzt gibt es auch einen Song in der Landessprache. 'Ögoblick Av Nåd' kann durch seine düstere Vielseitigkeit punkten, wohingegen 'Stars Starve Me' den Sehnsuchtsfaktor noch zu steigern vermag, wobei natürlich nicht auf die tiefgründige Rauheit verzichtet wird.

Die zweite Vorabveröffentlichung 'Our Famine' zieht dann wirklich alle Register, wenn es darum geht, eine ungeahnte schattenweltliche Intensität zu erzeugen. Weltklasse! 'Guide My Pulse' bricht dann fast schon in frohgemute, hoffnungsvolle Gefilde vor, 'Seconds' bewegt sich gekonnt im melo-brutalen Spannungsfeld, der Rausschmeißer 'Envy Of The Moon' schließlich überzeugt durch seinen aufrüttelnden Charakter und seine hymnische, furiose Eiseskälte. Hammer!
 
Fazit: Alle drei Jahre ein Meisterwerk. Auf die Schweden von OCTOBER TIDE, vor Jahren als KATATONIA-Nebenprojekt gestartet, ist wirklich Verlass, zumal sich ihr angedeathter Doom Metal gekonnt zwischen infernaler, düsterer Brachialität und sehnsuchtsvoller, melancholischen Wehmut bewegt. Somit ist ein intensives, tiefgründiges und emotionales Hörerleben garantiert. Ein wahrhafter musikalischer Fels in der Brandung und schon jetzt ein Longplayer, über den man auch noch am Ende des Jahres sprechen wird.

Line Up

Alexander Högbom | vocals
Fredrik Norrman | guitars
Jonas Sköld | drums
Johan Jönsegård | bass
Mattias Norrman | guitars

Tracklist

01. I, The Polluter
02. We Died In October
03. Ögoblick Av Nåd
04. Stars Starve Me
05. Our Famine
06. Guide My Pulse
07. Seconds
08. Envy Of The Moon